„Verschlusssache!“ Lagebericht: Top 10 Kriminalität von Asylbewerbern in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg zieht erste Bilanz. Der unter "Verschlusssache" stehende Bericht wird nur auf direkte Presseanfragen offengelegt und hier nur wenige Kernzahlen. Wir wagten einen "wohlwollenden" Vergleich auf Basis der wenigen Zahlen und kamen zu einem erschreckenden Ergebnis.

Nachdem in der vergangenen Woche das Bundesland Sachsen seinen Lagebericht zur Kriminalität von Zuwanderern veröffentlichte, zieht nun Baden-Württemberg nach. Die Sachsen fanden heraus, dass 10 Prozent der Zuwanderer in Straftaten verwickelt waren.

Sachsen-Statistik kurz und knapp: Die Zahlen der ersten drei Quartale 2015 in Sachsen führten zu der Erkenntnis, dass etwa 10 Prozent der Zugereisten bei Straftaten erwischt wurden. Spitzenreiter in Sachen krimineller Energie waren die nordafrikanischen Asylbewerber aus Tunesien und Algerien, gefolgt von Marokkanern und Libyern. Auch Georgien war stark im Rennen. Innenminister Ulbig forderte daraufhin eine beschleunigte Abschieberegelung. [Siehe: "Kriminalitätsentwicklung im Freistaat Sachsen im Zusammenhang mit dem Thema ‚Zuwanderung‘"]

Lagebericht Baden-Württemberg

Zur Lage in Baden-Württemberg erstellte das Innenministerium ein internes Lagebild. Der unter "Verschlusssache" gehandelte Bericht enthält Informationen über die polizeiliche Ermittlungstaktik. Weshalb er nicht öffentlich zugängig ist. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte das Innenministerium die Herausgabe der reinen Daten auf Presseanfrage.

Der stellvertretende Pressesprecher des Ministeriums, Carstehn Dehner, übergab unserer Redaktion folgende Zahlen: "Bei den tatverdächtigen Flüchtlingen/Asylbewerbern sind insbesondere Staatsangehörige aus Syrien (5.576 Tatverdächtige), dem Kosovo (3.305 TV), Gambia (2.518 TV), Afghanistan (2.157 TV) und Algerien (2.078 TV) häufig in Erscheinung getreten." Auf nochmalige Nachfrage erhielten wir die in der Tabelle aufgeführte Zahlen der Top Ten plus Tunesien. Weitere Länderzahlen ließen sich nicht ermitteln. Wir gehen demnach von einer Summe von 23.838(+x) aus.

Statistik Januar – November 2015: In der nachfolgenden Tabelle sind zahlenmäßig die Tatverdächtigen Asylbewerber/Flüchtlinge (d.h. Asylbewerber, Bürgerkriegs-/Kontingentflüchtling, Menschen mit unerlaubten Aufenthalt und Menschen mit Duldung) aufgeführt. (Quelle: Innenministerium, Integrationsministerium) 

Nationalität Anzahl
Tatverdächtige
1. SYRIEN 5.576
2. KOSOVO 3.305
3. GAMBIA 2.518
4. AFGHANISTAN 2.157
5. ALGERIEN 2.078
6. SERBIEN 1.828
7. ALBANIEN 1.795
8. IRAK 1.497
9. ERITREA 1.187
10. GEORGIEN 1.149
? TUNESIEN 748

23.838

Bei diesen Zahlen muss man ins Verhältnis setzen, dass zum Beispiel die tatverdächtigen Syrer zu einer wesentlich größeren Menschengruppe gehören, als die Täter aus dem Kosovo, Algerien oder Gambia. Dies wurde auch im Sachsen-Bericht deutlich, wo die algerischen Straftäter "nur" Platz 10 belegten, obwohl von den 159 Algeriern 118 straffällig wurden. Ein ähnlich gravierendes Verhältnis wiesen die auf Platz 1 gelisteten Tunesier auf. Hier hatten kamen auf 1.803 Personen 1.121 Tatverdächtige.

Was sagen die Zahlen aus?

Es ist ziemlich schwierig, vernünftige Zahlen zu bekommen, die realistisch vergleichbar sind. In der Summe machten allein diese 11 Nationalitäten 23.838 Tatverdächtige aus. Allerdings waren die im Innenministeriumsbericht zugeordneten Tatverdächtigen sicherlich nicht ausschließlich Neuzugänge in 2015.

Um einen vorsichtigen und Vergleich zu wagen, haben wir die Anzahl der Asylerstanträge von 2010 bis November 2015 als Basis genommen, da in vielerlei Hinsicht immer wieder eine Integrationszeit von sechs Jahren angenommen wird. In diesem Zeitraum dürften und sollten sich Asylbewerber daran gewöhnt haben, wie es in Deutschland läuft. In diesen sechs Jahren sind nach einer Statistik des Integrationsministeriums, welche der SWR veröffentlicht hatte, 142.911 Asylanträge in Baden-Württemberg gestellt worden, 85.457 davon allein von Januar bis November 2015.

Kriminalitätsrate Asyl zwischen 16 und 28 Prozent

Wenn wir nun "wohlwollend" diese Sechs-Jahres-Zahl von 142.911 ins Verhältnis mit den (unvollständigen) Tatverdächtigenzahlen von Januar bis November setzen, kommen wir auf einen Prozentsatz von 16,7 Prozent Kriminalitätsrate. Setzten wir die Basis mit den diesjährigen 85.457 Asylanträgen an, hätten wir eine Kriminalitätsrate von 27,9 Prozent. Die Wahrheit dürfte irgendwo zwischen diesen beiden Zahlen liegen. Über den Daumen gerechnet, wird demnach im günstigsten Fall jeder sechste Asylbewerber straffällig. Zugegeben, der Vergleich hinkt, denn eigentlich müssten alle tatverdächtigen Asylbewerber im Gesamtzeitraum 2010 bis Nov. 2015 darin summiert werden, nicht nur diese aus 2015. Doch diese Zahlen exisitieren nicht.

Aufteilung nach Straftatenart

Demnach sollen im besagten Zeitraum Januar bis November 27.255 Straftaten begangen worden sein (ohne die 20.000 Aufenthaltsverstöße). Von diesen seien 5.777 Ladendiebstähle (21,2 %), 4.920 Schwarzfahrer (18 %), 2.194 leichte Körperverletzungen (8 %) und 1.802 Drogendelikte (6,6 %). Hinzu kämen etwa 1.000 schwere Körperverletzungen und 22 Fälle von versuchtem Totschlag, sowie 700 Wohnungseinbrüche, schreibt der SWR zum Thema. (sm)

Siehe auch:

Asyl-Krise: Tania Kambouri über gefälschte/beschönigte BKA-Statistiken

Zuwanderer-Kriminalität: Der geheimnisvolle "Lagebericht Nr. 1" des BKA

Wieder Drogen-Großrazzia in fünf Asylunterkünften: 13 Asylbewerber aus Gambia festgenommen