„Volksverräter“ zum Unwort des Jahres 2016 gekürt

Der Begriff "Volksverräter" sein "ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten", begründete die Jury der sogenannten Sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt die Wahl.

„Volksverräter“ ist das Unwort des Jahres 2016. Der Begriff sei „ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten“, begründete die Jury der sogenannten Sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt die Wahl.

Als Vorwurf gegenüber Politikern sei das Wort „in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt“.

Im Rahmen der Aktion wird jedes Jahr ein aus Sicht der Jury unmenschlicher oder unangemessener Begriff aus dem öffentlichen Gebrauch gewählt, um so für einen sensibleren und kritischeren Umgang mit Sprache zu werben.

Bereits für 2015 war mit „Gutmensch“ ein Begriff zum „Unwort“ gewählt worden, der aus der Flüchtlingsdebatte stammt. Davor war „Lügenpresse“ zum „Unwort“ gekürt worden, 2013 lautete es „Sozialtourismus“, 2012 „Opfer-Abo“.

Die „Unwort“-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Die Aktion mit Sitz in Darmstadt will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

Die Jury nominierte in diesem Jahr neben „Volksverräter“ kein weiteres Unwort. Sie begründete dies damit, dass sie der mit der Wahl ausgedrückten Kritik an dem derzeit in sozialen Netzwerken, aber auch in der Politik „zunehmenden Sprachgebrauch mit faschistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund“ mehr Gewicht verleihen wolle.

Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das „Wort des Jahres“. Für 2016 entschied sie sich für den Begriff „postfaktisch“.

(afp/mcd)