Flüchtlings-Transitort Nickelsdorf – Syrer sagt: „600.000 kommen noch“

Es ist erst vier Wochen her, dass der kleine österreichische Grenzort Nickelsdorf durch den SOS-Brief seines Bürgermeisters überregional bekannt wurde. In diesen Tagen sind vier Wochen eine lange Zeit, für die Anwohner, die Einsatzkräfte vor Ort und auch für die Medien...

Seit der Flüchtlingskrise der letzten Monate in Europa dürfte wohl jeder den kleinen österreichischen Grenzort Nickelsdorf an der Grenze zu Ungarn kennen. Mitte September wurde der 1.600-Seelen-Ort von Flüchtlingen überrannt, dass der Bürgermeister einen offenen SOS-Brief an die Regierung in Wien schickte. Nur Tage später wurde beschlossen, das Bundesheer zur Unterstützung an die Grenze zu schicken. Zur gleichen Zeit schloss Ungarn seine Grenze nach Serbien und löste das umstrittene Lager Röszke auf, was ca. 80.000 ehemalige Bewohner in Bewegung versetzte.

Seitdem ist es in der deutschen Presse ruhig geworden um Nickelsdorf. Die Berichte verlagerten sich mehr an die anderen Grenzen, z.B. zu Slowenien. Hier schlug die Gewerkschaft der Polizei Alarm, die Einsatzkräfte sind ausgepowert, es herrscht akuter Personalnotstand und die Moral ist im Keller. Grund genug, noch einmal einen Blick nach Nickelsdorf zu wenden, ob es denn dort inzwischen ruhiger zugeht. Doch weit gefehlt… 

Nach wie vor: Belagerungszustand in Nickelsdorf

Die Ordnungskräfte sind mit den Menschenmassen völlig überfordert und durch die lange Zeit zermürbt. Mit fünf Grad ist es schon ziemlich kalt, hinzu kommt der eisige Wind. Die Menschen stehen in Decken gehüllt herum. Die Tagesschau gibt die Aussage einer 23-jährigen Syrerin wieder: "Jeder, der Deutschland erreicht hat, hat gesagt, das ist dort wie im Himmel. Und jetzt sind wir hier angekommen und es ist die Hölle, eine kalte Hölle." Ob die Frau tatsächlich aus Syrien kommt, ist schwer zu sagen, viele der Flüchtlinge haben gefälschte Pässe oder gar keine Papiere dabei.

Der kleinere der beiden Grenzübergänge wurde geschlossen. Den anderen ziert eine lange Taxischlange aus Wien, die auf Kunden warten, die bis zu 1.000 Euro für die 70 Kilometer in die Hauptstadt bezahlen können, der Rest fährt mit den kostenlosen Bussen. Das solche Preise illegal sind, juckt schon lange keinen mehr, auch nicht, dass die Wagen mit bis zu acht Personen vollgestopft werden. Die Polizei arbeitet auf schwerem Posten so gut es geht. Die Soldaten sind mehr zur humanitären Hilfe hier, als zur Kontrolle und Sicherung und damit haben sie mehr als genug zu tun. Wieviele Flüchtlinge hier sind, ist schwer zu sagen, es herrscht ein Kommen und Gehen.
Die Landespolizeidirektion Burgenland zählte laut "Die Presse" am vergangenen Sonntag 8.540 Neuankömmlinge in Nickelsdorf. In der Nacht kamen weitere 3.680 Asylsuchende dazu. In den ersten zehn Tagen im Oktober kamen 54.102 Menschen hier in Nickelsdorf an. Die Abwicklung läuft wohl recht routiniert, wenn auch in Zwölf-Stunden-Schichten ab, denn "die meisten bleiben keine zwei Stunden hier", zitiert der österreichische Standard den burgenländischen Polizeisprecher Helmut Marban. Ob dabei noch irgendwer kontrolliert wird, verrät der Artikel allerdings nicht.

Einwohner leben mit dem Chaos

Niemand bleibt länger als nötig. Das ist auch der Grund, warum alles noch realtiv friedlich abläuft. Wer kann, verschwindet schnell von hier. Entsprechend gering ist der Anreiz wenigstens ein Minimum an Ordnung zu halten. Geschlafen wird in Asylunterkünften, oft aber in unbeheizten Zelten oder gar auf dem Asphalt, nur durch das Flugdach geschützt. Müllberge, weggeworfene Gegenstände, Decken und menschliche Fäkalien säumen die Umgebung, berichtet "Unzensuriert.at" (Fotos). Ein Pendler aus Wien berichtete der Infoseite, dass es in der bis vor kurzem mit hunderten Migranten belegten Arena Nova in der Wiener Neustadt ebenfalls eine massive Fäkalbelastung gegeben habe. Nicht nur die Mobiltoiletten seien "komplett versaut" gewesen, sondern die Einrichtung ebenfalls.
Die Züge, die zum Transport der Migranten in Nickelsdorf genutzt wurden, mussten gereinigt und desinfiziert werden, bestätigten mehrere Personen. Die katholische Kirche in Nickelsdorf hatte den Asylsuchenden ein leerstehendes Haus zur Verfügung gestellt, dass nach kurzer Zeit vom Gesundheitsamt desinfiziert werden musste.

Syrer: "600.000 kommen noch"

Die Nickelsdorfer fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Frauen trauen sich seit Monaten nicht mehr alleine auf die Straßen. Es mehren sich Gerüchte, dass die Ungarn das Chaos genutzt hätten, um ihre Gefängnisse zu leeren. Die Newsseite zitiert eine namentlich nicht genannte Person: "Da waren die seltsamsten Typen darunter, viel zu große Chinesen, scheinbar aus der Mongolei oder ähnlichen Gegenden, Farbige aller Coleurs – aber kaum Syrer." Im untenstehenden Youtube-Video des Kontrovers Channel lässt ein Syrer durch einen Dolmetscher ausrichten, dass die meisten in Nickelsdorf Eingetroffenen gar keine Syrer wären ("höchstens 20 Prozent") und dass 600.000 echte Syrer noch gar nicht da seien. "Die kommen noch".
Einen Einheimischen erinnert das an die Schilderungen seiner Großeltern: "Es ist wie zu Kriegsende, als die Wehrmacht das Gebiet östlich von Bruck an der Leitha kampflos der Roten Armee überließ und wir den marodierenden Russen schutzlos ausgeliefert waren." (sm)