Flüchtlingslager Dünkirchen – Schlamm, Müll und Hoffnung östlich von Calais

40 Kilometer östlich des berüchtigten Dschungels von Calais liegt ein weiteres illegales Flüchtlingscamp: "Grande-Synthe" in Dünkirchen. Hier leben rund 1.500 Flüchtlinge, rund 80 Prozent sind Kurden und Iraker, der Rest Syrer. Die Zustände sind katastrophal, schlimmer noch als in Calais.

Im Flüchtlingslager "Grande-Synthe" am Rande der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen leben fast 1.500 Migranten, zumeist Kurden und Iraker.

Es exisitiert seit 2006. Jahrelang lebten hier nur wenige hundert Menschen. Im letzten Jahr stieg die Zahl der Bewohner plötzlich über 3.000 an. 

Raphael Etcheberry, von Ärzte ohne Grenzen, arbeitet hier seit eineinhalb Monaten.

Katastrophale Bedingungen in Grande-Synthe

Auch hier hoffen die Migranten auf einen Weg nach Großbritannien. Jede Nacht schaffen es zehn Personen, illegal auf die Insel zu kommen, schätzt Etcheberry. In Calais gelingt das nur zwei Mal pro Woche, der höheren Sicherheitsvorkehrungen am Eurotunnel wegen.

Nur 40 Kilometer entfernt von Dünkirchen liegt es, das berüchtigte Dschungelcamp von Calais, welches jetzt geräumt werden soll. Doch in Dünkirchen sind die Zustände noch schlimmer. Schlamm und Müll, wohin man schaut.

Die hygienischen Bedingungen sind miserabel, es gibt für die 1.300 bis 1.500 Menschen nur 42 Dixi-Klos, acht graue Duschcontainer mit jeweils sechs Duschen und einen einzigen Unterstand mit Wasserhähnen.

Doch dies ist nur die Theorie. In der Praxis funktionieren die sanitären Einrichtungen nicht gleichzeitig, so Etcheberry. Bei Kälte frieren die Leitungen ein, der Wasserdruck macht auch Probleme. Pro Tag können die Duschen 200 bis 300 Mal genutzt werden.

Im Lager grassiert die Krätze, epidemieartig. Viele klagen über Probleme mit den oberen Atemwegen, Wind und Kälte wegen.

Geheizt wird mit Holzfeuern vor den Zelten. Es gibt Verbrennungen an den Händen, ausgekugelte Schultern von Stürzen. Der Boden ist aufgeweicht, was den Einsatz von Reinigungsgerät fast unmöglich macht. Dasselbe gilt für den Abtransport medizinischer Notfälle.

{GA:1309930}

Die Schlepper warten schon auf Kundschaft

"Wer hier landet, ist schon seit Wochen unterwegs. Der sieht sich quasi schon kurz vor dem Ziel in Großbritannien", so Etcheberry. Das helfe vielleicht, die Zustände im Camp zu ertragen.

Nahe dem Eingang wurde von Freiwilligen eine Ladestation von 30 Steckdosen errichtet. Sie ist mit einer Plane gegen die Witterung gesichert. Hier können die Menschen ihre Handys aufladen, um Verbindung mit ihren Familien aufzunehmen, die zuhause oder schon in Großbritannien sind.

Das ist auch der Platz der Schlepper, die hier potenzielle Kunden ansprechen. Die Preise steigen beständig.

Ab 7. März: Ein neues Camp entsteht…

Ärzte ohne Grenzen will jetzt vorsorgen, ein neues Camp errichten, nur wenige hundert Meter weiter. Das Grundstück stellt die Kommune zur Verfügung. Es ist ein ehemaliges Fabrikgelände und soll Platz für bis zu 2.500 Menschen bieten. Statt Zelten soll es Holzbaracken geben.

Auch der Boden soll fester, mit Schotter und Geotextilien aufgefüllt werden. Es wird sogar eine asphaltierte Zufahrt geben. Sechs Hektar umfasst das Gelände und soll deutlich mehr Duschcontainer und Toiletten bereitstellen.

Bald schon wird der Dschungel von Calais geräumt. Doch jene kommen sehr wahrscheinlich nicht nach Dünkirchen, ins von Kurden und Irakern dominierte Gebiet. In Calais sind es hauptsächlich Afghanen, Pakistani und Afrikaner, aus Eritrea, Äthiopien und dem Sudan.

Bereits im November berichteten wir aus Calais: "Viele Migranten haben den ‚Dschungel‘ bereits verlassen, weil sie sich vor dort eingezogenen IS-Kämpfern und Extremisten fürchten: ‚Ich habe Angst, denn im Dschungel gibt es Extremisten – Leute, die in Syrien und im Irak für den IS gekämpft haben und nun davon gelaufen sind‘, so ein jesidischer Iraker zu RT. Deshalb sei es ihm dort zu gefährlich. Er habe sich in ein anderes Lager mit geschätzten 1.500 Menschen einquartiert – die meisten von ihnen seien irakische Kurden die vor dem IS geflohen seien. Dieses Lager ist in Dunkerque/Dünkirchen." [HIER]

Und ja, die Atmosphäre in Dünkirchen wirkt anders als in Calais, trotz der schlimmeren äußeren Bedingungen.

(Quelle: Der Spiegel) (sm)

Siehe auch:

Explosive Mischung im "Dschungel": Gewaltbereite Migranten, linke Extremisten und IS-Anhänger, dazwischen Familien