Leak: Gas-Krieg von USA und Russland frisst 5 Mrd. EU-Steuergelder

Epoch Times, Sonntag, 14. Februar 2016 11:57
Im stillen Erdgas-Krieg zwischen den USA und Russland sind bereits fünf EU-Steuermillliarden sinnlos verpulvert worden. Das schreibt eine Energie-Aktivistin, die zu einem geleakten EU-Dokument Stellung bezieht.
Solche Flüssiggas-Schiffe sollen in Zukunft verstärkt aus den USA in die EU fahren. (Foto aus Venetien, 2009).
Solche Flüssiggas-Schiffe sollen in Zukunft verstärkt aus den USA in die EU fahren. (Foto aus Venetien, 2009).
Foto: AFP/Getty Images

Wie EPOCH TIMES dieser Tage berichtete, will die EU Europas Energie-Markt für Fracking-Flüssiggas aus den USA attraktiv machen, in dem sie in spezielle Infrastrukturen investiert. Die politische Begründung lautet, man müsse Europa aus der Abhängigkeit von Russland befreien, wo derzeit ein Drittel der verbrauchten Erdgas-Menge herkommt. In russischen Medien sind dazu mehr Details zu finden.

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So zitierte RT heute die Energie-Aktivistin Alice Stollmeyer, welche die Pläne der EU-Kommission am 22. Januar erhielt und auf ihrem Blog leakte und kommentierte. Sie zieht Sinnhaftigkeit und Umweltverträglichkeit der Flüssiggas-Projekte stark in Zweifel, denn mit dem geplanten Ausstieg der EU aus fossilen Energien haben sie rein gar nichts zu tun. Stattdessen wirbt die EU geradezu für die Energieform, die mit ihren „fallenden Preisen“ und einem „zu erwartenden 50 prozentigen Wachstum“ in den nächsten Jahren „eine große Chance“ sei.

„Die neue Energiestrategie der EU widerspricht den Zielen der Union, die in Paris vereinbarten Klimaziele umzusetzen und erneuerbare Energien zu bevorzugen“, schreibt Stollmeyer.

Der Projektentwurf stelle zwar fest, dass die EU-Mitgliedsländer bisher ausreichend Erdgas aus Norwegen, aus Algerien und Russland beziehen, so RT. Und so scheine die Kommission selbst nicht daran zu glauben, dass Flüssiggas eine „kosteneffiziente Lösung“ sei: „Denn das Papier schlägt vor, den Investoren ihre 'langfristigen Risiken' abzunehmen. Natürlich mit Steuermitteln, etwa aus dem European Fund for Strategig Investments“, so RT.

Für Alice Stollmeyer ist die Sachlage klar: „Die EU-Lobbyisten wollen mehr Gas verkaufen.“ Dies stehe aber im Widerspruch zum Übergang zu einer Wirtschaft, die ohne fossile Energieträger auskommt. „Zuerst sollte es eine Exit-Strategie aus allen fossilen Treibstoffen geben, auch aus dem Erdgas“, so die Energiespezialistin, die beleuchtet, dass anders als von der EU behauptet, die Nachfrage nach Erdgas seit Jahren fällt und auch in Zukunft weiter fallen dürfte. Schon jetzt seien deshalb 5 Milliarden EU-Steuergelder, die in 195 Projekte „des allgemeinen Interesses“ flossen, sinnlos verschwendet.

Überkapazitäten vorprogrammiert

Laut Daten der EU-Kommission werden im Jahr 2030 möglicherweise 42 Prozent weniger Erdgas nachgefragt. Wozu dann ein aufwendiges Import-System installieren? „Die Gefahr, dass hier Überkapazitäten aufgebaut werden, ist sehr real“, so Stollmeyer. Die Überkapazitäten werden dann die Entwicklung erneuerbarer Energien behindern, fürchtet sie. Außerdem sieht sie ein weiteres umweltpolitisches Problem: „Die Kommission diskutiert nicht einmal, welche Auswirkungen das Flüssiggas auf das Klima haben wird, und woher es importiert werden soll.“

Stollmeyer rechnet damit, dass es um nichts anderes geht, als gefracktes Erdgas aus den USA und Australien nach Europa zu verschiffen. Die Fracking-Methode ist extrem umweltschädlich, aber in den USA enorm verbreitet. Die USA fördern derzeit konstant hohe Erdgas-Mengen per Fracking aus dem Marcellus-Feld, der Haynesville-Region und auf dem Permian-Feld – und das, obwohl die Preise auf dem Weltmarkt ständig fallen.

An der Ostküste der USA wurden in den vergangenen Jahren riesige Infrastrukturen gebaut, um Erdgas durch Kühlung per Schiff transportabel zu machen. Hier könnte man ein Vielfaches des gesamten EU-Gasbedarfs produzieren und verschiffen.

Die 14 Projekte, welche die EU nächste Woche vorstellen will, betreffen genau das nötige Gegenstück: Stationen in Häfen, die Flüssiggas in seine natürliche Form zurückverwandeln. Auch Pipelines in verschiedenen EU-Länder müssten neu gebaut werden. Speziell im Baltikum und in Südosteuropa sind sie nötig, um Europas Verbraucher aus „der Abhängigkeit von Putin“ zu befreien. (rf)

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