Orbán über EU: „Selbstmörderische“ Tendenzen

Scharfe Kritik an Umverteilung von Flüchtlingen: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat EU-Politikern im Umgang mit der Migrationskrise Mangel an Menschenverstand und „selbstmörderischen Neigungen" vorgeworfen.

"Selbst den einfachsten Menschen war klar, dass wir nicht zulassen dürfen, dass solche Menschenmassen ohne Kontrolle in unser Leben einmarschieren", sagte Orbán am Samstag der tschechischen Zeitung "Lidove noviny". Man wisse nicht, was das für Leute seien und woher sie stammten. Nichts zu unternehmen, zeuge von „selbstmörderischen Neigungen" zitierte ihn der Focus. Orbàn ließ Ungarn durch einen Zaun vor unkontrollierter Zuwanderung schützen.

Hinter der geplanten Flüchtlings-Umverteilung vermutete Orbán Absprachen linker Parteien: "Wir haben den Verdacht, dass in Europa geheim oder hinter vorgehaltener Hand Wähler importiert werden", sagte er. Nach Ansicht des Konservativen wählen die meisten eingebürgerten Migranten linke Parteien – was in ihrer Abhängigkeit von Sozialleistungen begründet ist.
Ungarns Regierungschef bezweifelte zudem die Integrationsfähigkeit von Zuwanderern. „Die Tatsache, dass wir bei uns keine Parallelgesellschaften haben, ist kein Nachteil Mitteleuropas, sondern einer unserer größten Vorteile", sagte er.
Juncker „nicht übermäßig optimistisch“
Vor allem die ost- und mitteleuropäischen Staaten sträuben sich gegen die von der EU schon im gegen die im September beschlossene Umverteilung von insgesamt 160 000 Asylbewerbern in Europa, die in der Praxis kaum voran geht. Erst 232 Flüchtlinge sind bislang aus Italien und Griechenland in andere EU-Länder gebracht worden, meldete die DPA vor zwei Tagen.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte deshalb am EU-Gipfel, er erwarte keine rasche Umverteilung der Migranten. „Ich bin da nicht übermäßig optimistisch, dass uns das gelingt."
(rf)