Orban verurteilt Sanktionskrieg gegen Russland: „Antirussische Politik ist im Westen zur Mode geworden“

Ein Problem, das keine wirtschaftlichen Hintergründe habe, lasse sich "nicht mit wirtschaftlichen Maßnahmen lösen", sagte Ungarns Premierminister Viktor Orban mit Blick auf die vom Westen verhängten Sanktionen gegen Russland. "Antirussische Politik ist im Westen zur Mode geworden", kritisierte er.
Titelbild
Die Statue von Arpad, dem Gründer der ungarischen Nation. Budapest, Ungarn. (Symbolbild)Foto: Sean Gallup/Getty Images
Epoch Times3. Februar 2017

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat die wegen des Ukraine-Konflikts von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland verurteilt. Ein Problem, das keine wirtschaftlichen Hintergründe habe, lasse sich „nicht mit wirtschaftlichen Maßnahmen lösen“, sagte Orban am Donnerstag nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Budapest. Gleichzeitig prangerte er eine „anti-russische Atmosphäre“ im Westen an. Seinerseits würdigte Putin Ungarn als „zuverlässigen Partner“ in Europa.

„Antirussische Politik ist im Westen zur Mode geworden“, kritisierte Orban bei einem gemeinsamen Auftritt mit Putin im ungarischen Parlament. Die derzeitigen Umbrüche weltweit aber würden zu einer „bedeutenden Neuordnung“ und damit zu „positiveren Bedingungen“ für die Beziehungen zwischen Brüssel und Moskau führen. „Weltweiter wirtschaftlicher Wohlstand ohne Russland“ sei nur schwer vorstellbar, fügte er hinzu.

Zwischen Moskau und Brüssel herrscht Eiszeit – erst im Dezember verlängerte die EU ihre Sanktionen gegen Russland um ein weiteres halbes Jahr. Trotz seiner engen Verbindungen zu Putin hat sich Orban bislang der Verhängung der Sanktionen nicht widersetzt. Nach dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident hofft Putin auf ein Ende der US-Sanktionen.

In jüngster Zeit spitzte sich der Ukraine-Konflikt wieder zu, seit Tagen liefern sich Regierungstruppen im Osten heftige Kämpfe mit prorussischen Separatisten. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an den blutigen Gefechten. Putin beschuldigte in Budapest die Regierung in Kiew, die Kämpfe zu provozieren: Diese sei nicht bereit, „die Bestimmungen“ des Minsker Friedensabkommens von 2015 umzusetzen, sagte er.

Budapest will die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland trotz der EU-Sanktionen vorantreiben. Putin wurde während des Treffens von seinen Ministern für Wirtschaft, Energie, Handel und Industrie begleitet. Die Zusammenkunft in Budapest war das siebte Treffen der beiden Politiker seit 2010 und Putins erste Reise in die EU seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten im November.

Putin sicherte Orban den Bau zweier neuer Reaktoren im ungarischen Atomkraftwerk Paks zu. Russland sei bereit, den Bau zu hundert Prozent zu finanzieren, sagte er. Das Abkommen sah bisher vor, dass Moskau Budapest bis zu zehn Milliarden Euro leiht und damit rund 80 Prozent der Baukosten für die Erweiterung des Atomkraftwerks Paks finanziert.

Der Auftrag für den Bau der neuen Reaktoren erging ohne Ausschreibung an den russischen Staatskonzern Rosatom. Grünes Licht aus Brüssel steht allerdings noch aus. Bei der EU-Kommission läuft derzeit noch ein Verfahren gegen Ungarn wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung. Orban äußerte die Überzeugung, dass die Abkommen „vollständig den Regeln der EU“ entsprächen.  (afp)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion