Österreichs groteske Debatte: Der Zaun, der kein Zaun sein darf

Während der Zustrom tausender Migranten täglich weitergeht, suchen österreichische Politiker nach dem politisch korrekten Wort für Zaun. Sie wollen wohl einen bauen, nur heißen darf er so auf keinen Fall.

Auch in Österreich ist die Debatte über einen möglichen Grenzzaun zur Eindämmung des Migrantentsunamis im Land ausgebrochen. Bei der Diskussion geht es aber nicht darum, wann mit dem Bau eines Grenzanlage begonnen wird sondern vielmehr darum, dass böse Z-Wort zu vermeiden.

Während die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner von einem "Zaun und noch mehr" spricht, will Bundeskanzler Werner Faymann den Begriff "Zaun" um jeden Preis vermeiden, berichtet die Kronen-Zeitung.
"Zäune haben keinen Platz in Europa"
"Wir werden Österreich nicht einzäunen, müssen aber technische Vorkehrungen für eine bessere Kontrolle schaffen sowie ausreichend winterfeste Transitquartiere sicherstellen," sagt Faymann am Mittwoch, so die österreichische Zeitung. Was genau er unter "technischen Vorkehrungen" versteht, sagte der österreichische Bundeskanzler nicht. Dabei spricht sich Faymann vehement gegen einen "Grenzzaun aus". Unterstützung bekommt er dabei von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der findet "dass Zäune keinen Platz in Europa haben".
"Für die Optik"
Österreichs Vizekanzler Reinhold Mitterlehner vermied das Wort "Zaun" in der Grenzschutz-Debatte ebenfalls und sprach von einem Projekt, das auch mit der Optik zu tun habe. Die Vorgangsweise bei der Einwanderung soll koordiniert ablaufen, und es soll verhindert werden, dass die Menschen glauben es gebe einen völlig "offenen Grenzübergang wo jeder drüberspaziert, wo jeder auf die Autobahn geht", sagte Mitterlehner. Dabei sprach er indirekt von der Errichtung eines Zaunes, verwendete das Wort jedoch nicht. 
"Technische Sperre"
Auch die Innenministerin vermied das Wort "Zaun" zunächst. Am Dienstag redete sie von einer "technischen Sperre" die errichtet werde soll um den Zustrom der Massen in den Griff zu bekommen. Am Mittwoch sagte die Politikerin dann, es soll ein "Zaun mit einem Tor" gebaut werden, schreibt die "Krone" weiter. Der Migrationsstrom müsse "organisiert und reguliert" werden.
In den kommenden Tagen, so die "Krone", werde Mikl-Leitner gemeinsam mit Verteidigungsminister Gerald Klug und Experten das "Zaun-Projekt" entwerfen, das sie am Dienstag bei einem Pressetermin in Spielfeld erstmals erwähnte. (so / rf)