Turku-Attentäter lebte zuvor in Flüchtlingsheimen in Bramsche, Rinteln, Braunschweig, Neuss, Kerpen, Dortmund …

Der Marokkaner, der im finnischen Turku "Allahu Akbar" rief, nachdem er Passanten ermordet hatte, lebte zuvor in Deutschland. Bei Recherchen der Presse kam heraus, dass der Mann mehrfach registriert und in verschiedenen Heimen unterwegs war. Zwischendurch war er immer wieder mal verschwunden, keiner weiß, wo er dann lebte oder was er zwischenzeitlich machte.

Der Messer-Killer von Turku wohnte vor seiner mörderischen Einreise nach Finnland zweimal im niedersächsischen Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe bei Osnabrück. Ein gültiger Pass des Mannes soll monatelang bei den deutschen Behörden gelegen haben, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet.

Am Montag sagte ein Sprecher der Stadt Dortmund, dass das Ausweisdokument von der Landesaufnahmebehörde (LAB) eingezogen wurde, nachdem der Marokkaner als Abderrahman Bouanane am 29. April 2016 vorstellig wurde. Weil der Mann später in Dortmund untergebracht war, schickte die LAB die Dokumente im Februar 2017 dorthin.

Zu diesem Zeitpunkt galt der Marokkaner aber bereits als verschollen, so das Blatt.

Ende 2015: „Refugees welcome“ im Chaos

Bereits Anfang November 2015 kam der Marokkaner mit einem Landsmann im allgemeinen Chaos der Flüchtlingswelle nach Deutschland und wurde für einige Tage im mit 5.000 Bewohnern völlig überfüllten Flüchtlingslager Bramsche-Hesepe einquartiert.

Zwei Wochen später wurden die beiden Nordafrikaner in eine Außenstelle in Rinteln gebracht, wo er kurz darauf verschwand. Am 30. November tauchte er dann in Braunschweig auf, von wo aus ihn die Behörden nach NRW überstellten, weil Niedersachsen bereits sein Flüchtlings-Soll erreicht hatte.

Da der Winter nahte, priorisierten die Behörden die Unterbringung der Flüchtlinge. In diesem Durcheinander fiel die Doppelregistrierung des Marokkaners (Bramsche/Braunschweig) nicht weiter auf.

Ein „U-Boot“ auf Reisen

In NRW durchlief der Mann mehrere Asylheime, in den Flüchtlingslagern Neuss und Kerpen wurde er im Januar 2016 jeweils in Schlägereien verwickelt. Laut den „Ruhr Nachrichten“ soll dazu immer noch ein Ermittlungsverfahren laufen, wegen schwerer Körperverletzung.

Im März 2016 wurde Bouanane in eine weitere Flüchtlingsunterkunft verlegt, aus der er verschwand. Im April tauchte er dann wieder in Bramsche auf, wo sein Pass eingezogen wurde. Einen Asylantrag soll er in der ganzen Zeit jedoch nicht gestellt haben. Über die Zeiten, in denen er untergetaucht war, gibt es keine Informationen.

Die Stadt Dortmund meldete den Marokkaner im Mai 2016 beim BAMF erneut als verschwunden.

Sein Kollege flüchtete nach Finnland

Der mit Bouanane nach Deutschland gekommene Marokkaner (21) wurde beim Klauen in einem Bekleidungsgeschäft erwischt und im Januar 2016 zu 60 Tagessätzen a‘ 4 Euro verurteilt.

Gezahlt hat er nie, dafür verschwand er.

Der Flüchtling flüchtete weiter nach Finnland und wartete dort offenbar auf seinen einstigen Kumpanen. Nach dessen Attentat wurde er gleich mit verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt.

„Einzelfall“ Amri und „Einzelfall“ Bouanane

Wie die „NOZ“ berichtet, sagte der FDP-Innenpolitiker Jan-Chistoph Oetjen ihrer Redaktion, dass im Fall Bouanane „etwas gehörig schief gelaufen“ sei und forderte zügige Aufklärung durch die Landesregierung.

Doch auch am Montag schwiegen die Sicherheitsbehörden in Niedersachsen beharrlich. Eine angekündigte Stellungnahme fand nicht statt. Doch unangenehme Fragen für die Behörden in Niedersachsen gibt es noch in einem anderen Fall:

Wie die „Neue Presse“ berichtete, warnte das LKA NRW die Kollegen in Niedersachsen bereits vor einem weiteren Nordafrikaner, dem Tunesier Anis Amri, der später den Berlin-Anschlag verüben sollte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Amri in der Flüchtlingsunterkunft Hildesheim. Doch die Ermittlungen blieben aus. Ein schwerwiegender Fehler, wie sich herausstellte. Das LKA Niedersachsen wähnte sich offenbar nicht zuständig, da Amri seinen Lebensmittelpunkt überwiegend in NRW und in Berlin gehabt habe.

„Allahu Akbar“, ein Messer und der Wille zu töten

Der 2016 als Abderrahman Mechkah unter falscher Identität nach Finnland eingereiste Marokkaner beantragte dort als nunmehr 18-Jähriger Asyl. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt. Am Freitag, 18. August 2017, verübte der Mann, der als Abderrahman Bouanane in Deutschland mehrfach registriert ist, den ersten Terror-Angriff auf finnischem Boden.

Der Nordafrika-Flüchtling griff in der südwestfinnischen Stadt Turku Passanten auf offener Straße mit einem Messer an. Dabei erstach er zwei Frauen und verletzte sechs weitere Frauen und zwei Männer, die den Opfern zu Hilfe eilten.

Nach der Tat rannte der Attentäter durch die Straße und schrie „Allahu Akbar“. Die Polizei stoppte ihn mit Schüssen ins Bein.

Die Ermittlungen gegen den Marokkaner wegen Mordes und versuchten Mordes „mit terroristischer Absicht“ laufen. Er gestand die Tat, bestritt jedoch jegliche terroristische Absicht. Ebenso bestritt er die Absicht, Menschen zu ermorden.

 

Siehe auch:

Problemlos mit falschem Pass in Deutschland bleiben: „Hier laufen Hunderttausende mit falscher Identität rum“

Gefälschte Akten im Landeskriminalamt: Weitere Manipulationen im Fall Anis Amri entdeckt