Unkrautvernichter Glyphosat: EU-Staaten beraten über weitere Zulassung

Das Europaparlament hatte am Dienstag in einer Resolution ein endgültiges Aus für das Herbizid bis spätestens zum 15. Dezember 2022 verlangt. In dem Fachausschuss wird per qualifizierter Mehrheit abgestimmt.

Die EU-Regierungen haben in Brüssel ihre Beratungen über die Zukunft des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat begonnen. Experten der Mitgliedstaaten kamen am Mittwochvormittag im zuständigen Fachausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel zusammen, wie eine Sprecherin der EU-Kommission mitteilte. Erst am Dienstag war die EU-Behörde von ihrem bisherigen Vorschlag abgerückt, eine weitere Zulassung von zehn Jahren zu fordern. Sie schlägt nun fünf bis sieben Jahre vor.

Das Europaparlament hatte am Dienstag in einer Resolution ein endgültiges Aus für das Herbizid bis spätestens zum 15. Dezember 2022 verlangt. In dem Fachausschuss wird per qualifizierter Mehrheit abgestimmt. Nötig sind für eine Entscheidung mindestens 16 Staaten, die für 65 Prozent der EU-Bevölkerung stehen.

In der Bundesregierung ist Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bisher gegen eine Verlängerung, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) jedoch dafür. Ohne Einigung zwischen den Ressorts in letzter Minute müsste sich Deutschland deshalb am Mittwoch enthalten.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, warnte im Deutschlandfunk davor, den Einsatz von Glyphosat einzuschränken. „Die Landwirte werden die Leidtragenden sein“, sagte er. Konkurrenten aus anderen Teilen der Welt würden das Mittel weiter verwenden, die deutschen Bauern hätten dann einen „Wettbewerbsnachteil“.

Rukwied kritisierte eine „emotionale Kampagne, die wissenschaftlich nicht unterlegt ist“. Der Bauernpräsident verwies dabei auf Studien der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und der EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA), wonach Glyphosat wohl nicht krebserregend ist.

Das Internationale Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation kam jedoch zum gegenteiligen Ergebnis und stufte Glyphosat als „wahrscheinlich“ krebserregend ein. (afp)

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