Wien: FPÖ verklagt Cafè-Besitzerin wegen Aktion gegen Hofer-Wähler

Die Kaffeehausbetreiberin hatte ein Plakat vor der Tür aufgestellt, auf dem sie die 35 Prozent Hofer-Wähler der Erstwahl zum Bundespräsidenten aufforderte weiterzugehen und ihnen damit den Zutritt zum Café verweigerte. Der Wiener Landesparteisekretär der FPÖ, Toni Mahdalik, reichte Klage wegen "Verdachts auf Verletzung der Menschenwürde" ein.

"Politisch Andersdenkende gleichsam als ‚unerwünschte Personen‘ zu bezeichnen, erinnert mich fatal an faschistoide Methoden. Ich habe daher heute eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Verletzung der Menschenwürde und Verächtlichmachung bzw. Herabsetzung einer Wählergruppe aufgrund ihrer Weltanschauung eingebracht", erklärte der Politiker in einer Pressemeldung.

Abschließend appellierte Mahdalik an "sämtliche politisch motivierte Aktivisten" und verwies auf das schlussendliche Ziel "derartiger Stigmatisierungen ganzer Bevölkerungsgruppen", was in jedem Geschichtsbuch nachzulesen sei. Mahdalik forderte alle "aufrechten Demokraten in unserer Stadt" auf: "Wehret den Anfängen", damit "offenbar aus Hass geborene Aktionen wie jene der "Fett und Zucker"-Wirtin im Sinne des friedlichen Zusammenlebens und der demokratiepolitischen Hygiene nicht salonfähig werden", so der Landesparteisekretär der FPÖ. 

"Überheblichkeit und moralische Selbstüberhöhung"

Die "Krone" zitiert zu dem Vorfall ein Facebook-Post des österreichischen Schriftstellers Thomas Glavinic, welches man durchaus als Kritik an linksintellektueller Überheblichkeit werten kann:

"Diese Selbstgefälligkeit, diese moralische Selbstüberhöhung, diese selbstzweifelsfreie Gewaltsprache, mit der hier Menschen, die ich für intelligent halte, alle Wähler von Norbert Hofer in Bausch und Bogen als Nazis, Pack, Bagage und Abschaum niedermachen, ist mir zuwider.

Nur weiter so. Irgendwann bringen wir uns gegenseitig um. Miteinander reden, auch wenn man unterschiedliche Standpunkte hat, scheint schon zu einer Obszönität herabgekommen zu sein. Jeder weiß, dass er recht hat, und brüllt noch lauter als der andere. Und gefällt sich auch noch in dieser Rolle. Leute, die jeden, der sagt, er ist stolz, Österreicher zu sein, mit einem gewissen Recht als schlicht gestrickt bezeichnen, schämen sich plötzlich, Österreicher zu sein. Ja, dann schämt euch doch. Wandert aus! Das hilft bestimmt weiter. Hauptsache, man gehört zu den Guten. Wieso mit diesen Bösewichten reden? Wieso ihre Ängste einmal ernst nehmen? Demokratie ist, was wir wollen.

Wenn wir aufhören, mit politisch Andersdenkenden zu reden, vergessen wir 1934.

Wenn wir politisch Andersdenkende de facto schon als Untermenschen darstellen – was sind wir dann?

"Was gut und was böse ist, weiß der Spießer, ohne nachzudenken." Ödön von Horvath.

Das erinnert ein wenig an die Äußerung des Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Die Linke), am Samstag in Halle bei einer Preisverleihung für Engagement bei der Einbeziehung Behinderter ins gesellschaftliche Leben. Hier hatten linke Aktivisten der Antifa die Veranstaltung zur Verbreitung ihrer Parolen missbraucht.

Ramelow sagte hinterher zu den Leuten: "Das ist so eine intolerante Aktion. Es kotzt mich an, wie arrogant ihr seid." Der "Auftritt" des Ministerpräsidenten wurde auf Video aufgenommen [HIER:].

Ein Plakat und seine Folgen

Der Plakattext: "Wenn du bei diesen 35% dabei bist, geh doch BITTE einfach weiter. DANKE. #rightwingNOTwelcome." Die Besitzerin des, nach eigenen Aussagen "queren, feministischen, rassismuskritischen, linken Lokals" veröffentlichte ein Foto des Plakats unter dem Slogan "say it loud and say it clear" auf Facebook.

Dann meldeten sich bei Eva Trimmel (41) viele verärgerte Stimmen auf Facebook, wie zum Beispiel: "Ihr seid kein bisschen besser als der Hitler damals. Ihr wollt Flüchtlinge willkommen heißen, aber eure eigenen Landsleute die sich für eine andere Partei entscheiden, ausgrenzen. Das ist auch Rassismus. Und ihr nennt euch neutral", schreibt "Heute.at".

Ein Gast protestierte gar auf rabiate Art und verstopfte das Klo mit Papier, bevor er sich, ohne zu zahlen, vom Acker machte. Dabei rief er der Wirtin noch zu, er sei "nicht erwünscht, und trotzdem in eurem linken Lokal." Trimmel erstattete Anzeige.

Sorge um Leib und Leben

Nach dem heftigen Facebook-Shitstorm von 1.000 Kommentaren in 24 Stunden, deaktivierte Trimmer den Account und räumte das Plakat ins Innere des Lokals.

Dort ist am Dienstag nichts vom Internetsturm zu merken, Leute die Kaffee trinken und Kuchen essen, die Wirtin hinter der Bar.

Dennoch: "Dieser Vorwurf kam oft. Ich finde, hier wird eine Täter-Opfer-Umkehr gemacht. Im Grunde habe ich nur eine Meinung und eine Bitte geäußert und jetzt muss ich um Leib und Leben fürchten. Meine Lektion daraus: Ich werde mich in Zukunft eher als Privatperson politisch äußern und nicht mehr öffentlich", sagte sie im Interview mit "OE24". (sm)

Siehe auch:

Wiener Café erteilt Hofer-Wählern Lokalverbot – Gast protestiert mit Klo-Verstopfung