Wiener Café erteilt Hofer-Wählern Lokalverbot – Gast protestiert mit Klo-Verstopfung

Eine Wiener Café-Inhaberin hatte vor dem Lokal eine Tafel aufgestellt, auf der sie die Wähler des FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Reinhold Hofer als im Lokal erwünscht bezeichnete. Unter dem Motto "say it loud and say it clear" hatte sie ein Foto davon auf Facebook veröffentlicht. Die Aktion spaltete die Facebook-Gemeinde in pro und kontra und brachte der Frau in Folge eine verstopfte Toilette im Café.

Die betreffende Tafel stand bis vor Kurzem noch vor dem Eingang des vegetarischen Bio-Kaffeehauses "Fett und Zucker" neben dem Karmelitermarkt auf der Hollandstraße in Wien-Leopoldstadt.

Darauf hatte die Betreiberin mit Kreide folgende Nachricht an die Wähler des FPÖ-Kandidaten Reinhold Hofer geschrieben: "Wenn du bei diesen 35% dabei bist, geh doch BITTE einfach weiter. DANKE. #rightwingNOTwelcome."

Reaktionen auf Facebook

Die Besitzerin, Eva Trimmel (41), fotografierte die Tafel auch und veröffentlichte sie auf Facebook mit dem gern von linken Demonstranten benutzten Refugee-Welcome-Slogan: "say it loud and say it clear".

Die Reaktionen waren recht unterschiedlich:

Die "MOPO24" fand ein Zitat bemerkenswert: "Erinnert mich an Nazi-Propaganda "wenn du Jude bist, geh weiter, wir wollen dich hier nicht"…..naja, hier wird wenigstens "bitte" dazu geschrieben", so der User. Das Blatt hatte sich auch einen Screenshot des Facebook-Fotos gemacht, bevor es wieder verschwand.

Einen ähnlichen Kommentar veröffentlichte die "Krone": "Wie vor 70 Jahren! Da durften Juden nicht hinein, und jetzt halt Blau-Wähler!"

Auch andere Personen empfanden es als Intoleranz, gerade von Leuten, die sonst auf Toleranz pochen: "Ihr seid kein bisschen besser als der Hitler damals. Ihr wollt Flüchtlinge willkommen heißen, aber eure eigenen Landsleute die sich für eine andere Partei entscheiden, ausgrenzen. Das ist auch Rassismus. Und ihr nennt euch neutral", schreibt "Heute.at".

Natürlich gab es auch Befürworter, welche die Aktion toll und als gutes Zeichen empfanden: "Wunderbare aktion. Ich will nicht mit leuten kuchen essen, die einen deutschnationalen burschenschafter wählen. Also komm ich morgen gleich mal vorbei und hoffe, viele tun es mir gleich!"

Oder aber, wie die "Krone" wörtlich berichtet: "Andere wiederum unterstützten die Unternehmerin und bestärkten sie mit Sätzen wie "Richtig so. Die verdienen die tollen Kuchen gar nicht" in ihrem Kampf gegen Intoleranz."

Aus Protest Klo verstopft

Trimmel hatte zwar nach eigenen Aussagen ohnehin mit aufgebrachten Reaktionen gerechnet, doch im "Krone.TV"-Interview sagte sie: "Ich habe die Folgen völlig unterschätzt." Im Interview bezeichnet die 41-Jährige ihr Café als "queres, feministisches, rassismuskritisches, linkes Lokal".

Am Dienstag schrie dann plötzlich ein Gast die Besitzerin an, er sei "nicht erwünscht, und trotzdem in eurem linken Lokal". Zuvor hatte der Mann aus Protest die Toilette mit Papier verstopft.

Kaffeehausbesitzerin Eva Trimmel will nun Anzeige erstatten. Freunde der Betreiberin sollen wohl auch des Nachts das Lokal bewachen, aus Angst vor weiteren Attacken.

Die Facebook-Seite des Cafés ist inzwischen offline und die Tafel steht jetzt im Lokal. Eva Trimmel ärgert sich über die Reaktionen und sieht sich als unschuldiges Opfer: "Typisch österreichisch. Jeder weiß, dass in manchen Gürtel-Lokalen Schwarze keinen Zutritt haben. Das regt niemanden auf, aber ich ernte für mein Posting einen Shitstorm." (sm)