Wilders muss wegen „antimarokkanischer“ Äußerungen vor Gericht – „Habe nur gesagt was Millionen denken“

"Wollt Ihr weniger oder mehr Marokkaner in Eurer Stadt und in den Niederlanden?", fragte der Politiker Geert Wilders seine Anhänger. Die Menschen antworten mit "Weniger"-Rufen, woraufhin Wilders versprach: "Wir werden uns darum kümmern." Wegen dieser Aussage muss der niederländische Politiker nun vor Gericht.

Der niederländische Politiker Geert Wilders muss sich wegen angeblicher ausländerfeindlicher Äußerungen vor Gericht verantworten. Ein Gericht in Den Haag wies am Freitag einen Antrag seiner Anwälte auf Einstellung des Verfahrens zurück.

Der Prozess wegen Anstiftung zum Hass werde die „politischen Freiheiten“ von Wilders und seiner Partei für die Freiheit (PVV) nicht beeinträchtigen, entschied  Richter Hendrik Steenhuis. Der Prozess beginnt am 31. Oktober.

Die Staatsanwaltschaft wirft Wilders vor, mit Äußerungen über marokkanische Einwanderer bei einem Wahlkampfauftritt 2014 zu Hass angestachelt zu haben. Der Politiker hatte nach den niederländischen Kommunalwahlen im März 2014 bei einem Auftritt vor Anhängern in Den Haag gefragt: „Wollt Ihr weniger oder mehr Marokkaner in Eurer Stadt und in den Niederlanden?“ Die Menge antworte mit „Weniger“-Rufen, woraufhin Wilders versprach: „Wir werden uns darum kümmern.“

Wegen der Äußerungen erstatteten rund 6400 Menschen Anzeige gegen Wilders, im Dezember 2014 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Politiker. Bei einer Verurteilung drohen Wilders zwei Jahre Haft oder mehr als 20.000 Euro Geldstrafe.

Grundrecht der freien Meinungsäußerung

Bei einer Voranhörung im September hatten Wilders‘ Anwälte gefordert, die Vorwürfe fallen zu lassen. Sie beriefen sich auf das Grundrecht der freien Meinungsäußerung und argumentierten, Wilders habe bei dem Wahlkampfauftritt lediglich „das politische Programm seiner Partei vorgebracht“.

Sie sprachen mit Blick auf die Parlamentswahl im März 2017 zudem von einem „politischen Prozess“, der „weitreichende politische Konsequenzen für die Demokratie in den Niederlanden“ haben werde.

Wilders selbst hatte sich bei dem Gerichtstermin unnachgiebig gezeigt: Er habe lediglich ausgesprochen, „was Millionen von Niederländern denken“, und bereue nichts.

Wilders hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Äußerungen gegen den Islam für Aufsehen gesorgt. So verglich der Sohn einer Indonesierin unter anderem den Koran mit Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ und bezeichnete den Islam als faschistische Religion.

Im Jahr 2011 wurde Wilders in einem Prozess vom Vorwurf der Anstiftung zu Rassenhass und Diskriminierung von Muslimen freigesprochen. (afp/so)