Anonymous bittet Welt-Community um Mithilfe gegen den Terror

Die Hackerorganisation Anonymous hat einen Acht-Stufen-Plan gegen die Terroristen des IS entworfen. Dabei können selbst Amateure sich beteiligen. Das nötige Fachwissen stellt die Community mit einem "NoobGuide" zur Verfügung.

Die Hacker hoffen auf möglichst viele User, die mithelfen, den Kampf gegen den Terror aufzunehmen. Es werde diesmal nicht bei den üblichen, eine Webseite lahmlegenden DDoS-Angriffen (Distributed Denial of Service-Attacken) bleiben. Vielmehr sollen jetzt auch tiefergehende Informationen über den IS gesammelt werden: "Die Seiten zu hacken würde uns mehr Informationen darüber liefern, wie die Zellen funktionieren und wie wir sie Stück für Stück zerstören können", zitiert die "Welt" die Hacktivisten. Mit einfachen Schritten wird interessierten Amateuren eine mögliche Vorgehensweise erklärt, für gezielte Störungen zu sorgen. Spezielle technische Vorkenntnisse seien nicht nötig. Das proklamierte Fernziel der Acht-Stufen-Plans sei es, den IS vom Erdboden auszulöschen.

Dafür wurde der NoobGuide erstellt, der auch Themen wie Anonymisierung beinhaltet. Ein weiteres Dokument, genannt "Reporter", erklärt, wie das automatische Programm "Twitter Reporter" zum Melden von Twitter-Accounts genutzt werden kann. Ein anderes Dokument erkärt die automatische Aufspürung von Webseiten mit IS-Inhalten. Diese könnten dann auf einer Zielliste eingetragen werden, schreibt die "Welt" weiter. Allerdings sollte jemand diese Listen überprüfen, damit nicht irgendwelche zufälligen Ziele angegriffen werden. Ob dies der Fall ist, wurde bisher nicht kommuniziert.

Fernziel: Auslöschen des IS 

Der Nachrichtensender N24 schreibt dazu: "Nach den Terrorangriffen in Paris hat das Hacker-Kollektiv Anonymous einen achtstufigen Plan im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ausgearbeitet. Über Chats und sogenannte Pads, Online-Dokumente, an denen viele Nutzer gleichzeitig arbeiten können, werden derzeit Angriffsziele wie Propaganda-Webseiten des IS, Facebook- und Telegram-Gruppen sowie Twitter-Konten von angeblichen IS-Sympathisanten verbreitet. Die Webseiten werden mit Anfragen überflutet, die Accounts den Betreibern gemeldet."
Die Hacktivisten organisieren sich unter dem Hashtag #opISIS und #opParis und gehen seit Monaten schon gegen Webseiten, Social-Media-Kanäle und Accounts der Terroristen und ihrer Sympathisanten vor, meldete der britische Independent. Anonymous hat bereits damit begonnen, persönliche Informationen über mögliche IS-Sympathisanten zu veröffentlichen, u.a. die Adresse von einem IS-Rekrutierer.

"GhostSecGroup" – im Darknet des Internets unterwegs

Das "Darknet" ist ein Teil des Internets, welches nur durch Anonymisierungswerkzeuge wie TOR zu erreichen ist. Über diese Wege soll mit Widerstandskämpfern vor Ort kommuniziert werden. Die Hacktivisten wollen auch über Social Engineering die Netzwerke des IS infiltrieren. Auch gibt es kleinere Hackergruppen, die ihren eigenen Kampf gegen den IS führen. So berichtete die "Süddeutsche Zeitung" von einer Hackergruppe namens @GhostSecGroup, die eigenen Angaben zufolge einen Anschlag in Tunesien vereiteln konnte. Hierbei wurden einige Twitter-Accounts von IS-Anhängern übernommen. Über die IP-Adresse fanden sie zwei Personen: "Wir haben zwei Individuen identifiziert, die einen Anschlag geplant hatten, der zwei Tage später stattfinden sollte", so ein Hacker mit dem Pseudonym @DigitaShadow.

Die Daten samt Screenshots schickten die Hacker an Michael Smith, den Mitbegründer der Firma Kronos Advisory, die Firmen in nationalen Sicherheitsfragen berät. Smith bestätigte der Zeitung den Erhalt und die Weiterleitung der Daten an das FBI. "Anti-Terror-Experten in den USA und in Übersee haben die Daten der Hacker alle als sehr hilfreich empfunden. Sie helfen den Beamten tatsächlich sehr, terroristische Aktivitäten zu erkennen, zu überwachen und zu verhindern, sowohl online als auch offline", so Smith. Seither bestehe ein regelmäßiger Austausch, schreibt der "Focus".

US-Firma schützt islamistische Seiten vor Hackerangriffen

Ein Teil der Hackerangriffe werden sich mit Überlastung islamistischer Seiten beschäftigen. Dem könnte die US-Firma Cloudflare entgegenstehen. "Wer einschlägige Seiten mit islamistischen Inhalten aufruft, bekommt derzeit häufig zunächst eine Seite des US-Unternehmens Cloudflare zu Gesicht", schreiben die Deutsch-Türkischen-Nachrichten mit Bezug auf N24. Anschließend prüfe das Unternehmen, ob der Seitenaufruf von einem normalen Webbrowser erfolgte oder von einem Skript, welches den Server der Islamseite in die Knie zwingen soll. Erst wenn die Software festgestellt habe, dass es sich um einen normalen Webaufruf gehandelt habe, wird auf die entsprechende Seite weitergeleitet. Die US-Firma Cloudflare betätigt sich somit als Beschützer der islamistischen Seiten, was dann doch etwas verwunderlich anmutet. (sm)