Aus Syrien geflohene 110-Jährige hofft auf Wiedersehen mit Enkelin in Deutschland

"Laila Saleh, Flüchtling aus Kobane, 110 Jahre alt. Ihr einziger Wunsch ist es, ihre Enkelin Nasrin wiederzutreffen", twitterte die UN-Behörde Anfang Dezember. 

Es ist wohl ihre letzte Chance, ihre Enkelin zu treffen. Die Syrerin Laila Saleh, laut Ausweis 110 Jahre alt, hat sich von ihrem Heimatort Kobane aufgemacht, um die nach Deutschland geflüchtete Nasrin zu treffen.

Mit mehreren Angehörigen floh die Greisin aus Syrien, um über die Türkei die gefährliche Überfahrt nach Europa anzutreten. Anfang November erreichten Laila und ihre Verwandten die griechische Insel Lesbos.

„Ich kann nicht mehr gehen“, sagt Laila. „Wenn es ein Auto gäbe, würde ich Nasrin gerne sehen, bevor ich sterbe.“ Nasrin flüchtete 2015 zusammen mit ihrer Schwester Beriwan aus Kobane und erhielt Asyl in Deutschland. „Besser ich versuche es jetzt als später. Gott entscheidet“, sagt ihre Großmutter.

Ihr genaues Geburtsdatum kennt keiner ihrer Angehörigen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk hält das in ihrem Pass genannte Jahr 1907 indes für glaubwürdig. „Laila Saleh, Flüchtling aus Kobane, 110 Jahre alt. Ihr einziger Wunsch ist es, ihre Enkelin Nasrin wiederzutreffen“, twitterte die UN-Behörde Anfang Dezember.

Begleitet wurde die Urgroßmutter von ihrem ältesten Sohn Ahmed und seiner Frau Saoussa sowie deren Sohn Halil samt Frau und Kindern. „Wir blieben zwei Tage an der Grenze zwischen Kobane und der Türkei, das war schwierig“, erzählt Enkel Halil, der seine Großmutter während der Reise stützen und tragen musste. Danach seien sie mit dem Bus in die türkische Küstenstadt Izmir gefahren. „Dort haben wir in einem Hotel gewartet, bis wir grünes Licht für die Überfahrt über das ägäische Meer bekamen.“

Die griechische Küstenwache griff ihr Boot auf und brachte die Familie in ein überfülltes Flüchtlingslager auf Lesbos. Die erste Nacht verbrachte die Familie unter freiem Himmel. Laila und ihre Schwiegertochter wurden später in die Inselhauptstadt Mytilini und Ende November schließlich nach Athen gebracht. Die anderen Familienmitglieder blieben auf Lesbos zurück.

Die nordsyrische Stadt Kobane an der Grenze zu Syrien wurde 2014 von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) belagert. Nach mehr als viermonatigen Kämpfen gelang es kurdischen Milizen mit Unterstützung der US-geführten Militärkoalition, die Islamisten zu vertreiben. „Auch wenn sich die Lage in Kobane verbessert hat, haben wir dort nichts mehr: Unser Haus wurde zerstört, es gibt keine Arbeit“, berichtet Lailas Schwiegertochter Saoussa, deren Bruder im syrischen Krieg getötet wurde. Auch einer der Enkel Lailas starb bei den Kämpfen.

„Einige sagen, wir hätten sie mitgenommen, um unser Asylverfahren zu erleichtern, aber das ist nicht wahr. Wie haben schon immer zusammen gelebt, wir konnten sie nicht zurücklassen“, sagt Ahmed über seine Mutter. Seine älteren Brüder und Schwestern leben noch immer in Kobane.

In Griechenland nagt die Ungewissheit an Laila und ihren Verwandten. Anspruch auf einen Familiennachzug nach Deutschland haben sie nicht. Über ihren Asylantrag in Griechenland soll erst Anfang 2019 entschieden werden. Für Laila könnte es dann schon zu spät sein. „Wir wissen nicht, was wir machen sollen“, sagt ihr Enkel Halil. „Bleiben oder versuchen, trotzdem aufzubrechen?“. (afp)

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