Die Isolation Katars soll den Iran treffen

"Die Saudi-Araber streben eine geeinte Front gegen den Iran an und müssen dafür alle Opposition innerhalb der Koalition (der Golfstaaten) beseitigen", sagt Farhad Resai vom Zentrum für Iranstudien in der Türkei.

Das Golfemirat Katar befindet sich im Zentrum einer schweren diplomatischen Krise, nachdem seine Nachbarstaaten ihre Beziehungen zu Doha abgebrochen haben.

Doch geht es bei dem Konflikt nach Ansicht von Beobachtern in Wahrheit nicht um Katar, sondern um den Iran. „Die Saudi-Araber streben eine geeinte Front gegen den Iran an und müssen dafür alle Opposition innerhalb der Koalition (der Golfstaaten) beseitigen“, sagt Farhad Resai vom Zentrum für Iranstudien in der Türkei.

Nach Ansicht des Wissenschaftlers wird Katar dafür bestraft, nicht Saudi-Arabiens „Obsession“ hinsichtlich des Iran zu teilen. Zwar würden auch andere Golfstaaten das Verhältnis zu der schiitischen Regionalmacht nuancierter sehen, doch habe allein Katar dank seiner Gasreserven und seiner militärischen Verbindungen zu den USA auch die Mittel, dem Druck Riads zu widerstehen.

Saudi-Arabien und andere Golfstaaten sehen die ambitionierte und eigenständige Außenpolitik Katars seit langem mit Missfallen. Der kleine Golfstaat mit gerade einmal 300.000 Staatsbürgern betätigte sich als Vermittler in Konflikten wie in Afghanistan und betreibt den ebenso einflussreichen wie umstrittenen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Zum Ärger Ägyptens gewährte Katar zudem führenden Figuren der Muslimbruderschaft Zuflucht, die seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 in Kairo als Terrororganisation gelten. Obwohl Katar in den Konflikten in Syrien und dem Jemen auf entgegengesetzter Seite zum Iran steht, widersetzte es sich auch dem aggressiven Anti-Iran-Kurs Saudi-Arabiens.

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate verkündeten daher am Montag, ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abzubrechen. Sie stoppten auch sämtliche Verkehrsverbindungen und forderten alle Katarer auf, binnen 14 Tagen ihre Länder zu verlassen. Der Jemen, Libyen und die Malediven schlossen sich dem Vorgehen an.

Die Staaten warfen Katar neben der Unterstützung sunnitischer Extremistengruppen wie Al-Kaida und dem Islamischen Staat (IS) auch Verbindungen zum Iran vor. US-Präsident Donald Trump, der Mitte Mai Saudi-Arabien besucht hatte, stellte sich hinter das Vorgehen zur Isolation Katars. Er bezeichnete es als Erfolg seiner Anti-Terror-Strategie.

Trump hatte bei seinem Besuch in Riad eine geeinte Front zur Isolation Teherans gefordert, das er als Quelle aller Konflikte in der Region brandmarkte. Das Vorgehen gegen Katar soll das Golfemirat nun zwingen, sich eindeutig gegen die Islamische Republik zu positionieren, mit der es trotz diverser Differenzen gute wirtschaftliche Beziehungen unterhält.

„Zum Missfallen der Saudi-Araber hat Katar den Iran als Teil der Lösung regionaler Konflikte betrachtet“, sagt der iranische Politikexperte Resai. Zudem fürchte Doha, dass ein militärischer Konflikt seinen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran schaden würde, mit dem es gemeinsam die riesigen Gasfelder South Pars und North Dome im Persischen Golf ausbeutet.

Für Adnan Tabatabai vom Politikinstitut Carpo in Bonn ist die Krise bedauerlich, da der Iran und Katar gezeigt hätten, dass trotz politischer Differenzen konstruktive Wirtschaftsbeziehungen möglich seien. Teheran könnte kaum zufrieden sein über den Streit der Golfstaaten. „Letztlich macht es die Nachbarregion nur noch instabiler und das nutzt niemand“, sagt Tabatabai.

Aus Sicht von Foad Isadi, Professor für Internationale Beziehungen in Teheran, bietet die Krise für Teheran aber auch die Chance, seine Beziehungen zu Katar zu stärken, da Doha nun den Iran für Lebensmittellieferungen und Flugverbindungen brauche. Die Krise zeige, dass Saudi-Arabien nichts von Außenpolitik verstehe und sich mit all seinen Nachbarn überwerfe.

„Sie akzeptieren keinen Widerspruch, nicht einmal von anderen sunnitischen Regierungen“, sagt Isadi. Ob das Vorgehen der Golfstaaten Katar tatsächlich weiter in die Arme Teherans treibt, oder es umgekehrt dazu bringt, auf Distanz zur Islamischen Republik zu gehen, ist aber offen. Klar ist nur, dass es die Spannungen in der Region weiter verschärfen wird. (afp)