Alle Männer aus Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia und Jemen ab 12 Jahre sind legitime Ziele der USA

Eine Handynummer reicht, um von Ramstein aus durch eine Drohne getötet zu werden

Epoch Times, Montag, 19. Oktober 2015 15:13
Für ihre geheime Kriegführung ist die US-Luftwaffe auf Unterstützung von deutschem Boden aus angewiesen. Die Luftwaffenbasis Ramstein ist die Signal-Relais-Station für alle Ziele in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens.
So ähnlich könnte es bei Brandon Bryant ausgesehen haben: Hier steuern französische Offiziere eine israelische Harfang-Drohne, die von der französischen Armee gekauft wurde und in der Operation Barkhane (Sahel) in Niger am 9. Juni 2015 eingesetzt wurde.
So ähnlich könnte es bei Brandon Bryant ausgesehen haben: Hier steuern französische Offiziere eine israelische Harfang-Drohne, die von der französischen Armee gekauft wurde und in der Operation Barkhane (Sahel) in Niger am 9. Juni 2015 eingesetzt wurde.
Foto: PHILIPPE DESMAZES/AFP/Getty Images

Dies bestätigte am Donnerstag nachmittag der frühere US-Drohnenpilot Brandon Bryant in seiner Vernehmung vor dem 1. Untersuchungsausschuss ("NSA"). Nach seinen Worten dient die Luftwaffenbasis im rheinland-pfälzischen Ramstein als Signal-Relais-Station für alle Ziele in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens.

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"Alle Daten, jedes einzelne bisschen Dateninformation, das zu Fluggeräten oder Mannschaften übertragen wurde, lief über Ramstein", berichtetet Bryant. Seine Vorgesetzten hätten ihm versichert, die deutsche Regierung sei über diese Funktion der US-Basis im Bilde und damit einverstanden.

Deutschland sei der wichtigste Verbündete der USA. Ein Alliierter verdiene Respekt, trage aber auch Mitverantwortung für Fehlentwicklungen: "Deutschland hat Einfluss darauf, in welche Richtung mein Land geht."

Bryant hatte als "Sensor Operator" die Aufgabe, die Kamera der Drohne zu steuern und Ziele zu markieren. Neben ihm im Kontrollraum saß der Drohnenpilot, der das Gerät flog und gegebenenfalls den Abzug zu bedienen hatte. Die Befehle kamen von Kommandostellen, die die Drohnenpiloten als ihre "Kunden" bezeichneten.

Alle Männer aus Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia und Jemen ab 12 Jahre sind legitime Ziele der USA

Während seiner Dienstzeit flog Bryant Drohnen über dem Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia und dem Jemen. In diesen Einsatzgebieten hätten alle männlichen Personen im Alter von über zwölf Jahren als legitime Ziele gegolten.

Wenn ein Opfer jünger gewesen sei, sei das aber auch nicht besonders tragisch genommen worden. Man müsse das Gras mähen, bevor es wachse, habe es dann geheißen. Mit anderen Worten: Aus Kindern wären später ohnehin Terroristen geworden.

Bryant bestätigte, dass auch Mobilfunknummern wichtige Quellen der Zielerfassung seien. Sie könnten durchaus auch von fremden Geheimdiensten zugeliefert worden sein.

Die Mobilfunknummer reicht, um Menschen zu töten

"Wenn die deutsche Regierung eine Mobilfunknummer kennt und an die USA weitergibt, kann man sie nutzen, um ein Individuum zu exekutieren."

In einem Fall habe die US-Luftwaffe die Handynummern zweier Neuseeländer, die im Mittleren Osten unterwegs gewesen seien, von deren Regierung erhalten.

Ein tödlicher Luftschlag habe die beiden eliminiert. Es habe sich dann herausgestellt, dass es keine Dschihadisten, sondern harmlose Lehrer gewesen seien.

Bryant erklärte die technischen Aspekte bereits im April 2014 bei Heise: Da "man mit der Handynummer weiß, in welcher Funkzelle sich das Mobiltelefon der Zielperson befinde. Zur genaueren Ortung nutze man dann ein Gerät namens Gilgamesh."

Und weiter: "Das Gerät werde an eine Drohne gehängt und funktioniere wie ein mobiler Handymast. Die Handys im Umkreis nehmen automatisch Kontakt auf; ist ein gesuchtes dabei, fliege die Drohne im Kreis. Durch die andauernden Kontaktaufnahmen des Mobiltelefons lasse sich dessen Besitzer orten – auf einen Meter genau. Weil Handys, die Gilgamesh anfunken, auch immer die eigene Telefonnummer, die SIM-Kartennummer und die Seriennummer des Handys mitsenden, könne auch registriert werden, wenn eine Zielperson ihr Handy wechsle. Die SIM-Kartennummer bleibe ja identisch."

Sein "Job": Menschen zu töten

Der Zeuge berichtete vor dem NSA-Ausschuss, er habe sich 2005 im Alter von 19 Jahren für die US-Armee werben lassen. Nach kurzer Ausbildung sei er auf einen Luftwaffenstützpunkt im Bundesstaat Nevada kommandiert worden.

Dort habe ihm ein Vorgesetzter eröffnet, sein "Job" werde es sein, Menschen zu töten. Nach genau fünf Jahren und fünf Tagen als Drohnen-Kopilot quittierte er Anfang 2011 aus Gewissensgründen den Dienst. Er machte sich seither einen Namen als prinzipieller Kritiker der Dohneneinsätze.

Vor jedem Einsatz habe er in Ramstein anrufen müssen, um sich zu vergewissern, dass die Leitung zu den Fluggeräten stand. Die Signale seien über ein transatlantisches Glasfaserkabel aus Deutschland in die USA gelangt.

Seine Kenntnis über die Bedeutung des rheinland-pfälzischen Stützpunkts für die Drohnenkriegführung habe er dem Umstand zu verdanken, dass er es gewesen sei, der Besuchern die Anlage in Nevada habe zeigen und erklären müssen. (Pressemitteilung des Bundestag/ks)

Bericht über den Alltag von Bryant 

"Seine erste Hellfire-Rakete schoss er an einem kalten Januarmorgen ab. Brandon Bryant war damals Drohnen-Pilot der US-Luftwaffe, er saß in einem fensterlosen Bunker in der Wüste von Nevada. Auf seinem Monitor sah er das Opfer seines Angriffs, Tausende Kilometer entfernt in einem der Gebiete, in denen die USA Krieg führen."

"Sein rechtes Bein war verletzt", erzählt Brandon Bryant in einem CNN-Interview. "Ich sah, wie er wegen einer offenen Beinarterie verblutete." Das habe ihn schockiert. "Es war sehr pixelig, und es sah nicht real aus. Aber es war real."

"Fast sechs Jahre lang arbeitete Brandon Bryant für das US-Militär als Drohnen-Pilot. Dann konnte er nicht mehr. Sein Arbeitgeber bot ihm einen Bonus von 109.000 Dollar an, damit er weitermachte. Doch er kündigte. Zum Abschied bekam er ein Zertifikat, in dem seine Erfolge aufgelistet sind: 6.000 Flugstunden, Hunderte geflogene Einsätze."

"Und dann die entscheidende Zahl: 1.626 im Kampf getötete Feinde." Aus der Zeit, 2013.

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