„Trump wird US-Präsident“: Professor, der nie irrte, fand 13 Punkte, die dafür sprechen

Der Republikaner Donald Trump wird höchstwahrscheinlich der nächste US-Präsident. Dies prognostiziert ein Geschichtsprofessor, der aus historischen Daten ein 13-Punkte-System entwickelte, mit denen er seit über 30 Jahren jeden US-Präsidenten korrekt vorhersagte. Trotzdem schränkt er ein: Trump könnte sich mit seiner Unberechenbarkeit den Erfolg doch noch verhageln ...

Er hat sich noch nie geirrt, wenn es um Prognosen für den nächsten US-Präsidenten ging: Seit 1984 stimmten die Wahlvorhersagen des amerikanischen Professors Allan Lichtman zu 100 Prozent. Nun glaubt er, der Republikaner Donald Trump würde im November die Wahlen gewinnen, wie „Sputnik“ berichtet.

„Donald Trump hat es besonders schwierig gemacht, diese Wahl vorherzusagen. Wir haben nie zuvor einen solchen Kandidaten gehabt“, so der Professor, der Geschichte an der American University in Washington.DC. lehrt.

13-Punkte System basiert auf Wahlen seit 1860

Lichtman richtet sich nach einem von ihm ausgearbeiteten 13-Punkte-System mit dem Namen „Schlüssel zum Weißen Haus“ (Keys to the White House; siehe unten). Dafür wertete er alle US-Wahlen von 1860 bis 1980 aus und analysierte sie.

Demokraten auf dem absteigenden Ast

Die Vorhersage und das 13-Punkte System beziehen sich lediglich auf 13 Fragen zur Stabilität der regierenden Partei, nicht etwa auf spezifische Kandidaten oder Ähnliches. Wird eine der 13 Fragen mit „Ja“ beantwortet ist dies ein Pluspunkt für die Stabilität der regierenden Partei, wie der Professor gegenüber der „Washington Post“ erklärte. Je mehr „Neins“ eine Regierung erhält, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie abgewählt wird und der Präsidentschaftskandidat der Gegenseite gewinnt.

Umfragen, Statistiken und so weiter gehen in diese Betrachtung gar nicht ein. Viel entscheidender ist die gesamte politische Stimmung im Volk: Hat die Regierung Erfolge oder Fehlschläge in Sachen Militär und Außenpolitik vorzuweisen? Gelang es ihr, innenpolitische Veränderungen zu bewirken und die Wirtschaft im Wachstum zu halten? Konnte sie soziale Unruhen vermeiden? Wie steht es um das Charisma der beiden konkurrierenden Kandidaten? Ist die amtierende Seite von einem „Skandal“ belastet?

Um dies zu klären, wird per „binärer Opposition“ („richtig-falsch“) auf die 13 Fragen siehe unten geantwortet.

Als Entscheidungskriterium dafür, ob eine regierende Partei an der Macht bleibt, dürfen nicht mehr als 6 der 13 Fragen mit „Nein“ beantwortet werden. Dieses System funktionierte für alle bisherigen Wahlen und wurde auch auf alle historischen Wahlen erfolgreich angewendet. 

Das Geheimnis des Systems

Eine Gewichtung der 13 Kriterien gebe es nicht, so Lichtman. Alle 13 Kriterien seien gewissermaßen gleichwertig. Den Einwand, wieso die Wirtschaft zum Beispiel in Zeiten der großen Depression mit nur zwei Punkten Berücksichtigung fand, beantwortet Lichtman überraschend: Dies sei das Geheimnis dieses Systems. Die 13 Kriterien stehen über Triggerwirkungen miteinander in Verbindung. Ist eines der Kriterien stark genug, werden andere entsprechend beeinflusst.

Hier die 13 Punkte:

1. Partei-Mandate: Nach den Halbzeitwahlen, hat die amtierende Partei mehr Sitze im US-Repräsentantenhaus, als nach den vorherigen Zwischenwahlen.

2. Wettbewerb: Es gibt keinen ernsthaften Wettbewerb bei der Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der regierenden Partei.

3.  Der Kandidat der regierenden Partei IST der amtierende Präsident.

4. Es gibt keine signifikante dritte oder unabhängige Kraft, die eine Präsidentschafts-Kampagne durchführt.


5. Aktuelle Wirtschaftslage: Die Wirtschaft befindet sich während des Wahlkampfs NICHT in der Rezession.

6. Langzeitwirtschaft: Das reale Wirtschaftswachstum pro Kopf erreicht oder übersteigt während des Wahlkampfs das mittlere Wachstum während der letzten beiden Regierungsperioden.

7. Grundsätzliche Veränderungen: Die amtierende Regierung bewirkte große Veränderungen in der nationalen Politik.

8. Soziale Unruhen: Es gab keine nachhaltigen sozialen Unruhen während der Regierungsperiode.


9. Skandal: Die amtierende Regierung ist unbefleckt von großen Skandalen.

10. Außenpolitik und Militär / Versagen: Die amtierende Regierung hat keinen größeren Fehlschlag in 11. außenpolitischen oder militärischen Angelegenheiten erlitten.

11. Außenpolitik und Militär / Erfolg: Die amtierende Regierung erzielte einen signifikanten Erfolg in außenpolitischen oder militärischen Angelegenheiten.

12. Charisma des Establishments: Der Kandidat der amtierenden Regierung ist charismatisch oder ein Nationalheld.

13. Charisma des Herausforderers: Der Kandidat der Opposition ist weder charismatisch noch ein Nationalheld.

In fünf Punkten sieht es für die Demokraten gerade eindeutig schlecht aus, so der Professor:

„Punkt 1: Wie gut liefen die Halbzeitwahlen für die Demokraten? Sehr schlecht.

Punkt 3: Der amtierende Präsident kandidiert nicht.

Punkt 7: Es gab keine besonderen innenpolitischen Ergebnisse in Obamas zweiter Amtszeit.

Punkt 11: Kein umwerfend großartiger außenpolitischer Erfolg.

Und Punkt 12: Hillary Clinton ist kein Franklin Roosevelt.“

Hinzukommt ein weiterer wackeliger Punkt: Der dritte Präsidentschaftsanwärter, Gary Johnson erreicht in den stärksten Umfragen zwar 12-14 Prozent, so Lichtman, aber realistisch betrachtet, dürfte er nicht über die 6-7 Prozent hinauskommen. Das wäre der sechste Minuspunkt für die Republikaner – keine ernstzunehmende Gegenkampagne.

Weil Donald Trump aber in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung ist und sich im Wahlkampf völlig anders verhält als seine Vorgänger, könnte es trotzdem zu einem Bruch mit den geschichtlichen Mustern kommen, schätzt Lichtman.

„Also es sieht sehr, sehr knapp nach einem Trump-Sieg aus. Aber ich würde sagen, es sieht mehr nach einem generell republikanischen Sieg aus. Man muss auch den unberechenbaren Charakter von Trump und dessen Kandidatur berücksichtigen – und deshalb könnte er entgegen jeder Wahrscheinlichkeit doch noch verlieren, auch wenn die Zeichen der Geschichte jetzt auf seiner Seite sind“, sagte der Professor zur „Washington Post“.