Flüchtlings-Helfer: Der Realität ins Auge sehen - Ein Viertel der Neuankömmlinge sind keine Flüchtlinge

Epoch Times, Dienstag, 15. September 2015 13:54
Nach Einschätzungen eines Marokkaners, der in Wien lebt und für Flüchtlinge dolmetscht, sind rund ein Viertel der Neuankömmlinge keine Flüchtlinge aus Kriegsgebieten.
Migranten in Ungarn
Migranten in Ungarn
Foto: Jeff J Mitchell/Getty Images

Obwohl in Deutschland und Österreich die Grenzkontrollen wieder eingeführt wurden, geht die Völkerwanderung weiter. 

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Die Kontrollen dienen auch nicht wirklich dazu den gewaltigen Flüchtlingsstrom aufzuhalten. Es geht viel mehr darum, die Menschenmassen geordneter über die Grenzen zu lassen.

Seitdem Ungarn seine Grenze zu Serbien komplett dicht gemacht und die Einwanderungsgesetze verschärft hat, suchen sich die Menschen Alternativrouten um nach Europa zu gelangen. Die Einwanderer werden nun wahrscheinlich über Kroatien und Slowenien weiterreisen.

Offiziellen Schätzungen zufolge sollen sich derzeit rund 200.000 Personen auf der Balkanroute befinden, die sich von Griechenland über Mazedonen, Serbien und Ungarn bis nach Österreich erstreckt, berichtet das Magazin Contra. 

Ein Ende des Massenansturms von Migranten aus aller Welt ist nicht in Sicht. 

Ein Viertel der Neuankömmlinge sind keine Flüchtlinge

Merouane Missaoua lebt und arbeitet in Wien. In seiner Freizeit dolmetscht er auf dem Wiener Westbahnhof für Flüchtlinge.

Der Marokkaner hat viel Kontakt mit den Menschen die über die Grenzen nach Deutschland und Österreich strömen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk erzählt er, dass ein Viertel der Einwanderer gar keine Flüchtlinge aus den Krisengebieten seien. 

"Ganz, ganz ehrlich – also ich glaube, meine persönliche Einschätzung, weil seit der Krise wie gesagt bin ich hier, tagtäglich: Minimum ein Viertel dieser Leute, denen ich begegnet bin, sind keine Flüchtlinge. Ich habe Leute aus Marokko, ich habe Leute aus Algerien getroffen, weil ich kann das entdecken, ich spreche deren Dialekt auch, und wenn sie zu mir kommen, dann kann ich das vom Akzent sofort erkennen. Gestern zum Beispiel sind zwei Ägypter zu mir gekommen. Dann hab' ich denen gesagt: Ihr seid aber keine Syrer, was macht ihr da? – Ja, es ist jetzt oder nie, nach Europa gratis zu kommen. Es ist jetzt oder nie."

Missaoua betonte, dass er die Hilfsbereitschaft der Deutschen bewundere. Aber der Realität sollte man auch ins Auge blicken.

"Es ist nett von Deutschland, es ist nett von der Bundeskanzlerin, Frau Merkel, es ist nett, dass sie die Arme so aufgemacht hat, das ist menschlich. Aber das sollte nicht so bleiben in den nächsten Tagen, weil ich befürchte, dass die Leute alle ein Handy haben. Ich brauche nur mein Handy herauszunehmen, die Familie anrufen – es ist nett da, wir wurden so nett empfangen von den Leuten da und es geht uns gut, schaut, dass ihr nach Deutschland kommt," fügt er hinzu. 

"Deutschland ist stark und kann vieles leisten"

Unlängst korrigierte Vizekanzler Sigmar Gabriel die Zahl der Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen werden, nach oben.

Er rechne mit der Ankunft von einer Million Flüchtlingen, ließ der SPD-Chef seine Parteimitglieder wissen. Vieles spreche dafür, dass die bisherige Prognose der Bundesregierung von 800.000 Migranten im Jahr 2015 nicht zu halten sei.

"Deutschland ist stark und kann vieles leisten", schrieb Gabriel in einem Brief. "Dennoch haben wir in den letzten Tagen erleben müssen, dass auch beim besten Willen unsere Aufnahmefähigkeiten an ihre Grenzen geraten - vor allem, was die Geschwindigkeit des Zustroms an Flüchtlingen betrifft." Das hätten ihm die Ministerpräsidenten der Länder geschildert. Die Unterbringungskapazitäten in den Kommunen seien nahezu erschöpft. 

Die Bundesregierung machte bereits deutlich, dass Deutschland weiterhin Migranten aufnehmen werde. (so)  



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