Für Flüchtlings-Stopp: Niger will 1,1 Milliarden Euro

Die Einigung der EU mit der Türkei ist noch keine zwei Monate her, da wollen die ersten afrikanischen Länder Euro-Milliarden, um ihre Flüchtlinge zu stoppen. Die Armen der Welt werden zum Einsatz am Pokertisch der Welt. Das Flüchtlings-Transit-Land Niger will nun 1,1 Milliarden Euro von der EU.

Die westafrikanische Republik und ehemalige französische Kolonie Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Hauptreligion ist mit rund 94 Prozent der Islam. Den Rest teilen sich Christentum und indigene Religionen. 

Zu den Problemen des Landes zählt unter anderem eine zu schnell wachsende Bevölkerung mit einer der höchsten Geburtenraten der Welt. Das Land besteht überwiegend aus Wüste. Regelmäßig wiederkehrende Dürren und Hungersnöte plagen die Menschen genauso wie Überflutungen. Heuschrecken zerstören oft die kargen Ernten.

Hinzu kommt ein weiteres großes Problem: Die Republik Niger ist ein Transitland für afrikanische Flüchtlinge. Nun fordert Niger 1,1 Milliarden Euro von der EU, um die Flüchtlinge an der Weiterreise nach Libyen und ans Mittelmeer zu hindern, wie die "Krone" berichtet.

Flüchtlingscamps in Kenia

Bereits Anfang Mai kündigte Kenia an, zwei Flüchtlingslager mit etwa 540.000 Menschen aus angeblichen "Sicherheitsgründen" zu schließen. Grund sei die Sorge um Aktivitäten der islamistischen somalischen Terrorgruppe Al-Shabaab in den Lagern, informierte das Innenministerium in Nairobi. 

Die internationale Gemeinschaft, vor allem Hilfsorganisationen und das US-Außenministerium, reagierte mit heftiger Kritik auf die "verantwortungslosen" und "rechtswidrigen" Ankündigungen Kenias. Dies würde gegen die Regelungen zur freiwilligen Rückkehr verstoßen, denen Kenia zugestimmt habe.

Kenia verteidigte seine Pläne mit Verweis auf Grenzschließungen in Europa und den von US-Präsidentschaftskandidat Trump geplanten Bau eines Grenzwalls.

Joseph Nkaissery vom Innenministerium twitterte: "In Europa weisen reiche, wohlhabende, demokratische Länder Flüchtlinge aus Syrien ab, einem der schlimmsten Kriegsgebiete seit dem Zweiten Weltkrieg."

Die "Lost Boys" von 1992

Das ostafrikanische Küstenland am Indischen Ozean ist Anlaufstation Hunderttausender Menschen aus benachbarten Krisenregionen. Das Camp Kakuma im Nordwesten Kenias beherbergt rund 180.000 Flüchtlinge. Es wurde 1992 für zunächst 30.000 bis 40.000 Kinder aus dem Südsudan, den sogenannten "Lost Boys" gegründet. Heute stammen im Lager rund 70 Prozent der Bewohner aus dem Sudan. Der Rest verteilt sich hauptsächlich auf Äthiopier und Somalier. Außerdem leben hier noch Leute aus Eritrea, Burundi, Ruanda, Uganda und dem Kongo.

Im Osten des Landes befindet sich der Ort Dadaab, das größte Flüchtlingscamp der Welt. Hier leben 356.000 Menschen (Stand 2014) in insgesamt fünf Lagern (Dagahaley, Hagadera, Ifo, Ifo 2 und Kambioos).

Nach der Ankündigung machte sich Panik unter den Flüchtlingen in Kenia breit. "Viele Flüchtlinge haben uns angerufen und gefragt, was sie tun oder wie sie sich vorbereiten sollten", sagte Duke Mwancha vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat in Nairobi. Viele der Somalier in den kenianischen Lagern waren nie in ihrer Heimat, wurden in den seit rund 25 Jahren bestehenden Flüchtlingslagern in Kenia geboren.

Durch den internationalen Druck erklärte sich Kenia bereit, wenigstens das Lager in Kakuma bis auf Weiteres zu erhalten. (sm)