Kissinger warnt Merkel vor zuviel Willkommenspolitik

Epoch Times, Donnerstag, 31. Dezember 2015 10:48
Henry Kissinger, der frühere US-Außenminister und Nobelpreisträger, hat in einem Interview mit dem "Handelsblatt" Merkel vor zuviel Willkommens-Politik gewarnt.
Henry Kissinger beim Begrägnis von Helmut Schmidt am 23. November im Hamburger Michel.
Henry Kissinger beim Begrägnis von Helmut Schmidt am 23. November im Hamburger Michel.
Foto: Focke Strangmann-Pool/Getty Images

Eine Region verteidigt ihre Außengrenzen nicht, sondern öffnet sie stattdessen. Das hat es seit einigen tausend Jahren nicht mehr gegeben, wurde Kissinger zitiert. Merkel müsse wissen, dass es trotz der humanitären Aspekte einen Punkt der politischen und sozialen Transformation gibt, der zwangsläufig passieren werde. Kissinger sieht deshalb in der Flüchtlingspolitik der Europäischen Union ein historisches Ereignis.

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Er selbst floh 1938 mit seiner Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA und äußert nun "großes Mitgefühl" für die Situation von Kanzlerin Angela Merkel. In der Flüchtlingsfrage müsse sie einerseits den humanitären Aspekt berücksichtigen. "Aber sie weiß auch, dass es einen Punkt gibt, an dem die Transformation der sozialen und politischen Strukturen beginnt", warnt Kissinger. "Das wird zwangsläufig passieren, vor allem, wenn man es mit Gruppen zu tun hat, die die grundlegenden Werte der westlichen Gesellschaft nicht akzeptieren“, zitierte ihn das Handelsblatt.

IS müsse besiegt werden

Bezüglich der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) fordert Henry Kissinger eine Doppelstrategie aus Diplomatie und militärischer Gewalt. Es gelte, alle relevanten Akteure im Nahen Osten zu einem Bündnis gegen den IS zusammenzubringen, so der 92-jährige Politiker. Der IS selbst müsse "besiegt" werden, fordert er – weil er keinerlei westliche Werte anerkenne.

„Ich habe immer geglaubt, dass man für eine gehaltvolle Verhandlung in bestimmtem Umfang auch gemeinsame Ziele und Werte braucht – und das sehe ich nicht beim IS“, so Kissinger.

Er fordert "so etwas wie einen Westfälischen Frieden" für den Nahen Osten. Nur dadurch könne die krisengeschüttelte Region beruhigt werden. Der Westfälische Frieden beendete 1648 durch einen umfassenden Interessenausgleich zwischen den Konfliktparteien den 30-jährigen Krieg in Europa. Mit ihm stiegen die Staaten zu den wichtigsten Akteuren der internationalen Politik auf.

(rf / dts)

Das komplette Kissinger-Interview ist hier online zu finden.

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