IOM: Fast 100.000 Iraker vor Kämpfen um West-Mossul geflohen

Seit dem Beginn der Offensive der irakischen Regierungstruppen vor knapp einem Monat sind offenbar fast 100.000 Iraker geflohen. West-Mossul wird von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gehalten.

Die Kämpfe um den Westteil der irakischen Stadt Mossul haben bisher fast 100.000 Menschen in die Flucht getrieben.

Seit dem Beginn der Offensive der irakischen Regierungstruppen vor knapp einem Monat seien 97.374 Einwohner geflohen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch mit. West-Mossul wird von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gehalten. Nordwestlich von Mossul eroberten die irakischen Einheiten derweil die Gegend Badusch zurück.

Zum Beginn der Offensive wohnten rund 750.000 Menschen in der Metropole. Der IOM zufolge sind unter den seither geflüchteten Irakern fast 16.300 Familien, die nun außerhalb von West-Mossul Schutz suchen.

Die irakischen Streitkräfte hatten am 19. Februar einen Großangriff gestartet, um den IS aus West-Mossul zu vertreiben. Ende Januar hatte die Armee bereits den Ostteil der zweitgrößten Stadt des Landes eingenommen. Die westlichen Viertel sind aber dichter besiedelt, was die Rückeroberung erschwert.

Die irakischen Einheiten brachten in den vergangenen Wochen mehrere Viertel im Westen der Großstadt unter ihre Kontrolle. Am Dienstag meldete die Armee die Einnahme des Bahnhofs und des nahegelegenen Busbahnhofs.

Am Mittwoch verkündete die Armeeführung die Rückeroberung der gesamten Gegend rund um die Ortschaft Badusch. In das dort gelegene Gefängnis waren Eliteeinheiten bereits vor einer Woche eingerückt. In der berüchtigten Haftanstalt hatte der IS nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten und der UNO bis zu 600 Insassen hingerichtet. Die irakische Anti-Terror-Eliteeinheit CTS durchsuchte unterdessen die vom IS befreiten Stadtvierteln nach Bomben und Sprengfallen.

Der IS hatte Mossul im Juni 2014 erobert. Der Westteil der Stadt ist die letzte Hochburg der Dschihadisten im Irak. IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi hatte dort bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte das „Kalifat“ des IS ausgerufen, welches zeitweise weite Gebiete im Irak und im Nachbarland Syrien umfasste. In den vergangenen Monaten gelang es den irakischen Einheiten aber, viele Gebiete vom IS zurückzuerobern, darunter die Großstädte Ramadi und Falludscha.

Die nördlich von Bagdad gelegene Stadt Tikrit war 2015 die erste Stadt, aus der die Armee den IS vertrieb. Bei der Explosion einer Autobombe wurden dort am Mittwoch mindestens sieben Menschen getötet, wie die Polizei und Ärzte mitteilten. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der Verdacht fiel aber auf die IS-Miliz, die trotz der militärischen Rückschläge weiterhin Zivilisten im Irak attackiert. (afp)

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