Enthüllungsjournalist: Ermordeter Seth Rich hat E-Mails der Demokraten geleakt – keine russischen Hacker

Der Demokraten-Mitarbeiter Seth Rich hat während des US-Wahlkampfes 2016 E-Mails seiner Partei an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben. Neben Fox News sagt dies nun auch der bekannte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh. Also nicht die Russen, sondern Rich habe die Informationen verbreitet. Nach dem Leak wurde der 27-Jährige ermordet. Entgegen der offiziellen Version wird spekuliert, dass es sich um ein politisch motiviertes Attentat gehandelt haben könnte...

Seth Rich wurde vor einem Jahr getötet. Der Demokraten-Mitarbeiter hatte 44.000 E-Mails aus dem Kreis von Hillary Clinton an WikiLeaks übergeben, das berichtete Fox News. 

Dies sei von FBI-Insidern bestätigt, meinte der ehemalige Mordermittler und heutige Privatdetektiv Rod Wheeler damals, der den Fall „Seth Rich“ untersucht hatte.

Gegenüber Fox 5 DC sagte Wheeler: Ich habe eine Quelle in der Polizeibehörde, die mir geradewegs in die Augen sah und sagte: ‚Rod, uns wurde gesagt, dass wir diesen Fall klein halten sollen und ich kann keine weiteren Informationen mit Ihnen teilen.‘ Das ist in der Tat sehr ungewöhnlich für eine Mordermittlung, speziell von einer Polizeibehörde. Ich glaube allerdings nicht, dass dies eine Anordnung des Chefs ist, aber ich glaube, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Bürgermeisteramt und dem Nationalen Komitee der Demokraten gibt und das ist die Information, die herauskommen wird.“ (Privatdetekiv Rod Wheeler zu Fox)

Doch wenig später revidierte der Detektiv diese Aussage. (Siehe: Fox: Ermordeter Clinton-Mitarbeiter gab 44.000 Emails an Wikileaks)

Verschwörungstheorie?

Jetzt heißt es: Fox News und das Weiße Haus würden eine „Verschwörungstheorie“ verbreiten. Der US-Sender sieht sich sogar mit einer Klage konfrontiert, die am Dienstag bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde.

Rod Wheeler erhebt den Vorwurf, Fox News habe einen Bericht zu den Hintergründen des Verbrechens an Seth Rich frei erfunden, um Präsident Donald Trump zu helfen.

Die Manipulation habe das Ziel verfolgt, den Verdacht gegen Trump in der Russland-Affäre zu „beerdigen“, heißt es in der Klage.

Doch die Spekulationen um den Mord an Seth Rich reißen nicht ab.

Über ein politisch motiviertes Attentat wird spekuliert

Der 27-Jährige war Mitarbeiter des Nationalkomitees der Demokraten (DNC). Mitten im US-Präsidentschaftswahlkampf wurde er am 29. Juni 2016 in der Nacht auf seinem Nachhauseweg in Washington mit zwei Schüssen niedergestreckt.

Die Polizei gelangte zu dem Schluss, dass es sich um einen aus dem Ruder gelaufenen Raubüberfall handelte. Der Laptop, den das Opfer bei sich gehabt haben soll, war verschwunden. Seine Geldbörse, seine Uhr, sein Handy und andere Wertgegenstände hatte er aber bei sich.

Seit dem Tod des jungen Mannes hält sich der Verdacht, es könnte sich um ein politisch motiviertes Attentat gehandelt haben.

Seth Rich war nach Überfall bei vollem Bewusstsein

Nicht zuletzt, da nach Angaben von Rettungskräften Seth Rich nach der Ankunft im Krankenhaus bei vollem Bewusstsein war. Er sprach sogar mit den Bediensteten. Sein Bruder Aaron Rich sagte, dass die Sanitäter „sehr überrascht“ gewesen waren, als Seth später im Krankenhaus an den Schussverletzungen verstarb, berichtet RT.

Die Spekulationen über den Tod von Seth Rich wurden zudem durch WikiLeaks angeheizt. Die Enthüllungsplattform hatte eine Belohnung in Höhe von 20.000 US-Dollar zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. Die Polizei ihrerseits hatte eine Belohnung von 25.000 US-Dollar ausgesetzt.

Zudem deutete WikiLeaks-Gründer Julian Assange eine Verbindung des Verbrechens zur E-Mail-Affäre der Demokraten an. WikiLeaks hatte während des laufenden Wahlkampfs nach und nach E-Mails aus den Reihen der Demokraten veröffentlicht. Das war der sogenannte DNC-Leak – die Enthüllungen schadeten Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Die US-Geheimdienste behaupten, dass russische Hacker den Server der Demokraten geknackt hatten.

Laut RT sprechen jüngste forensische Untersuchungen aber für die Darstellung von WikiLeaks. Demnach stammten die E-Mails von einem Insider aus den Reihen der Demokraten.

Seth Rich gab die E-Mails der Demokraten weiter – nicht die Russen

Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh sagt: „Der Insider Seth Rich hat interne E-Mails der Demokraten während des US-Wahlkampfes an WikiLeaks weitergegeben, nicht die Russen“.

Dazu wurde ein Audiomitschnitt veröffentlicht:

Hersh glaubt zwar nicht, dass Seth Rich im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre getötet wurde, sondern bei einem Raubüberfall. Dennoch hält der Journalist Rich für den Insider, der die E-Mails geleakt hat. Ihm zufolge hat der Getötete sie aus dem Nationalkomitee der Demokraten kopiert und anschließend an WikiLeaks weitergegeben.

Seth Rich stand offenbar in Kontakt mit Gavin MacFadyen, einem amerikanischen Investigativ-Journalisten und Redakteur von WikiLeaks in London, der mittlerweile ebenfalls tot ist. (MacFadyen starb vergangenen Oktober im Alter von 76 Jahren an Lungenkrebs.) Kurz bevor Rich erschossen wurden, hat er die Mails offenbar an die Enthüllungsplattform gesendet. Auswertungen von seinem Computer ergaben auch, dass er ein Unterstützer des Ex-Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders war.

„Ich will Geld“

Rich habe WikiLeaks eine Reihe von Dokumenten und E-Mails aus dem Nationalkomitee angeboten, sagt Seymour Hersh: „Nach allem was ich weiß, hat er eine umfangreiche Probe seines Materials angeboten, dutzende E-Mails, und gesagt: ‚Ich will Geld‘,“ so Hersh.

WikiLeaks habe ein Passwort zu einer gesicherten Dropbox erhalten und Einsicht in das angebotene Material genommen, erklärt der Journalist. Hershs Angaben zufolge, habe Rich den Zugang zur Dropbox auch einigen seiner Freunde ermöglicht. Er tat dies für den Fall, dass ihm etwas zustoße. Das war kurz bevor Seth Rich getötet wurde.

Hersh weist auch darauf hin, dass die letzten Enthüllungsemails vom 21. Mai 2016 stammen – dies stimmt mit dem Zeitpunkt der Kontaktaufnahme von Seth Rich zu WikiLeaks überein.

Der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh beruft sich bei seinen Aussagen auf eine FBI-Akte. Diese konnte er zwar nicht einsehen, aber seine verlässliche Quelle innerhalb der US-Bundespolizei, die ihm die Informationen zuspielt.

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