Massive Luftangriffe: Frankreich holt nach Terrorserie zum Gegenschlag aus

Bei den Luftangriffen mit zehn französischen Jagdbombern wurden eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört, wie das Verteidigungsministerium am späten Sonntagabend mitteilte.
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Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 30 Luftangriffen in der IS-Hochburg Al-Rakka und deren Umgebung.Foto:  Ecpad/dpa
Epoch Times16. November 2015
Begleitet von massiven Luftangriffen auf die Terrormiliz IS in Syrien treibt Frankreich die Jagd nach den Drahtziehern der Pariser Anschlagserie voran.

Während die Luftwaffe „in Koordination mit den amerikanischen Kräften“ die syrische IS-Hochburg Al-Rakka bombardierte, sehen sich Frankreichs Behörden mit dem Vorwurf konfrontiert, die Flucht eines mutmaßlichen Terrorkomplizen durch eine Fahndungspanne begünstigt zu haben. An mehreren Orten in Frankreich gab es in der Nacht Razzien.

Bei den Luftangriffen mit zehn französischen Jagdbombern wurden eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört, wie das Verteidigungsministerium am späten Sonntagabend mitteilte. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 30 Luftangriffen in der IS-Hochburg Al-Rakka und deren Umgebung. Informationen über Tote und Verletzte gab es zunächst nicht.

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.

In einer bislang nicht verifizierten Erklärung hatte sich allem Anschein nach der IS zu den Anschlägen in Paris bekannt, bei denen in der zum Samstag mindestens 129 Menschen getötet und mehr als 350 teils lebensgefährlich verletzt worden waren. Drei Terrorkommandos hatten nahezu gleichzeitig zugeschlagen: Sie schossen wahllos auf Menschen in Restaurants, im Konzertsaal „Bataclan“ und sprengten sich während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland in der Nähe des Stade de France in die Luft. Ein noch größeres Blutbad in dem Stadion mit fast 80 000 Zuschauern wurde anscheinend nur knapp verhindert.

Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der Terrorserie gab es am späten Sonntagabend eine Hausdurchsuchung im Hauptstadtvorort Bobigny, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen berichtete. Nähere Details zu der Razzia und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Die Regionalzeitung „La Dépêche du Midi“ berichtete zudem über einen Großeinsatz von Spezialeinheiten gegen Islamistenkreise in Toulouse. Laut AFP hängt die Operation nicht nur mit den Ereignissen in Paris, sondern mit dem allgemeinen Anti-Terror-Kampf zusammen: Mindestens drei Personen seien festgenommen und einer Waffe beschlagnahmt worden, hieß es unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft. Die Zeitung „Le Dauphiné Libéré“ berichtete zudem über eine nächtliche Durchsuchung von 15 Objekten im Großraum Grenoble

Bei den Pariser Anschlägen starben sieben Attentäter – doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten. Besonders im Fokus stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im „Bataclan“ gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde.

Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Demnach stoppten Polizisten den 26-Jährigen Abdeslam Salah und zwei weitere Personen nur Stunden nach den Pariser Anschlägen nahe der belgischen Grenze in einem Auto, ließen sie aber schließlich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden.

Die spanische Zeitung „El País“ berichtete auf ihrer Website, Frankreichs Ermittlungsbehörden hätten die zuständigen Stellen in Spanien und Belgien über das Informationssystem des Schengen-Raums gewarnt, dass sich Abdeslam Salah dorthin absetzen könnte. Dies sei aber „nur eine Möglichkeit“, hieß es in dem Zeitungsbericht.

Die Staats- und Regierungschefs der EU haben alle Bürger Europas dazu aufgerufen, am Montag um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute der Opfer von Paris zu gedenken. Das Weiße Haus ordnete zudem eine mehrtägige Trauerbeflaggung an US-Einrichtungen in aller Welt an.

Frankreichs Präsident François Hollande will in der Pariser Sorbonne-Universität an der Schweigeminute teilnehmen, bevor er sich am Nachmittag vor dem französischen Kongress äußert. Die beiden Parlamentskammern, Nationalversammlung und Senats, treten in Versailles zu einer gemeinsamen Tagung zusammen, was sonst nur höchst selten geschieht.

Hollande sprach von einem „Kriegsakt“ des IS und will den verhängten Ausnahmezustand, der Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Einrichtung von Sicherheitszonen erlaubt, auf mindestens drei Monate verlängern. Innenministers Bernard Cazeneuve sagte dem Sender France 2, er wolle Moscheen schließen, in denen radikales Gedankengut verbreitet werde, und „Hass predigende“ Imame des Landes verweisen.

Über ein schärferes Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus wurde auch auf dem G20-Gipfel in der Türkei beraten, der am Montag endet. Unter dem Eindruck der Pariser Geschehnisse kommen außerdem in Brüssel die Außenminister der EU-Staaten zusammen. Dabei werden auch erste Diskussionen über mögliche Reaktionen der EU auf die Terroranschläge erwartet.

Die großen Islamverbände in Deutschland wollen sich am Vormittag zu den Pariser Anschlägen äußern. In München will der CSU-Vorstand eine Anti-Terror-Resolution beschließen, deren Linie sich bereits vorher abzeichnete: Parteichef Horst Seehofer fordert unter anderem eine Ausweitung der Mitte September wieder eingeführten Kontrollen an der österreichischen Grenze. Die Attentate hatten den Streit in der großen Koalition über die Asylpolitik am Wochenende verschärft. Angesichts der Spekulationen darüber, dass Terroristen als Flüchtlinge getarnt in die EU gelangt sein könnten, warnten mehrere Politiker davor, Asylsuchende unter Generalverdacht zu stellen.

(dpa)

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