Nahost-Experte über Syrien und den Gasangriff 2013: Türkei belieferte Terrorgruppe mit Nervengas – „Assads Militär hatte kein Saringas“

"Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst". Das ist ein alt bekanntes Sprichwort. Auch im Syrien-Krieg dürfte sich dieses Zitat einmal mehr bewahrheiten. Bei der Sendung "Markus Lanz" erklärt Nahost-Experte Michael Lüders was wirklich in Syrien los ist.

In der Sendung „Markus Lanz“ erklärte der Nahost-Experte Michael Lüders (Autor des Buches „Wer den Wind sät“) den Zuschauern die wahren Umstände im Syrien-Krieg.

„Zuerst einmal müssen wir uns vor Augen führen, dieser Krieg in Syrien ist blutig, er ist schmutzig und es gibt viele Akteure, die einwirken auf diesen Krieg. Es ist nicht nur ein Bürgerkrieg, es ist vor allem ein Stellvertreterkrieg, in dem sich vereinfacht gesagt zwei große Seiten gegenüberstehen. Auf der einen Seite die USA, die Europäische Union, die Türkei und die Golfstaaten. Sie alle wollen den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad. Russland, der Iran und China wollen genau diesen Sturz nicht. Weil sie nicht wollen, dass der Westen sich Syrien gewissermaßen einverleibt,” so Lüders.

Nun habe sich die Lage zu einen Krieg, der „äußert brutal” geführt werde, entwickelt – in dem die Zivilbevölkerung am meisten leide.

„In der westlichen Wahrnehmung ist uns von Anfang an suggeriert worden, es gebe hier das syrische Volk, das gegen den Diktator Assad aufstehe und wir im Westen müssten, um unsere Werte zu verteidigen, an der Seite des syrischen Volkes, gegen die Unterdrücker unsere Stimme erheben und sie auch mit Waffen unterstützen,” sagt der Experte.

Diese Sichtweise möge menschlich verständlich sein, habe aber mit der Realität wenig zu tun: „Es war immer nur ein Teil der syrischen Bevölkerung, die sich gegen das Regime von Baschar al-Assad erhoben hat, nie die gesamte syrische Bevölkerung. Vor allem nicht die religiösen Minderheiten.”

„Wenn Assad stürzt, kommen die Dschihadisten an die Macht“

Sie wüssten, wenn Assad stürzt, würden nicht die „Guten” an die Macht kommen, „sondern die Dschihadisten“.

Das was wir im Westen immer übersehen, sei, „dass sie sogenannten Aufständischen keine lieben netten Demokraten sind, sondern Dschihadisten entweder von der Al-Nusra Front oder des Islamischen Staates“, betont der Nahostexperte.

Lüders beschreibt auch die Situation um den 2013 in Syrien verübten Giftgas-Anschlag. Auch damals wurde ohne weitere Untersuchungen behauptet, Assad habe sein Volk mit Saringas angegriffen.

Doch nach einiger Recherche hätten US-Geheimdienste herausgefunden: die syrische Regierung hatte kein Saringas in ihren Beständen, so Lüders. Stattdessen hätte der türkische Geheimdienst mit der Terrormiliz Al-Nusra Front zusammengearbeitet und diese mit Saringas bewaffnet…

Hier zwei Ausschnitte von Michael Lüders Rede aus der Sendung Markus Lanz vom 5.04.2017

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