Neun Tote bei bewaffnetem Angriff auf Kirche in Ägypten – Dschihadist festgenommen

Bei einem Angriff auf eine Kirche in Ägypten sind neun Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag in einem Vorort Kairos bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben der Behörden handelte es sich bei dem Angreifer um einen gesuchten Dschihadisten.

Bei einem Anschlag auf eine Kirche in Ägypten sind am Freitag mindestens neun Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag in einem Vorort von Kairo bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben des Innenministeriums handelte es sich bei dem Angreifer um einen Dschihadisten, der wegen Angriffen auf die Polizei gesucht wurde. Er sei festgenommen worden.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums hatte zunächst im staatlichen Fernsehen gesagt, ein Angreifer sei erschossen worden. Zudem war von einem zweiten Angreifer die Rede, der nach kurzer Flucht gefasst worden sei.

Das Innenministerium sprach später jedoch nur noch von einem Angreifer, der verletzt worden sei. Bei seiner Festnahme habe er ein Sturmgewehr, 150 Schuss Munition und eine Bombe bei sich gehabt, letztere habe er in der Kirche zünden wollen.

Dem Innenministerium zufolge eröffnete der Angreifer zunächst das Feuer auf ein Geschäft und tötete zwei Menschen, bevor er sich zu der Kirche begab und sieben weitere Menschen erschoss, darunter einen Polizisten. Nach Polizeiangaben wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt. Der Angreifer eröffnete demnach das Feuer vor der Kirche Sankt Mina und versuchte, diese zu stürmen.

In sozialen Medien waren Videoaufnahmen zu sehen, die den mutmaßlichen Angreifer zeigen. Darauf hielten Menschen einen bärtigen, beinahe bewusstlosen Mann mit Munitionsweste fest und fesselten ihn.

Die ägyptische Präsidentschaft teilte am Freitag mit, sie werde ihre Entschlossenheit verstärken, „um den Weg fortzusetzen, das Land von Terrorismus und Extremismus zu befreien“.

In den vergangenen Monaten waren in Ägypten bei mehreren Angriffen auf koptisch-orthodoxe Kirchen dutzende Menschen getötet worden. Allein Anfang April starben bei Anschlägen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo 45 Menschen. Zu den beiden Taten bekannte sich der IS. Einen Monat später töteten bewaffnete IS-Anhänger rund 30 Christen, die auf dem Weg zu einem Kloster waren.

Der Angriff vom Freitag erfolgte nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest der Kopten, das am 7. Januar begangen wird. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat den Kopten in Ägypten den Kampf angesagt.

Die Extremisten werfen der größten christlichen Gemeinde im Nahen Osten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Der koptischen Minderheit gehören zehn Prozent der 90 Millionen Ägypter an.

Ebenfalls im Visier des IS sind Anhänger des Sufismus, einer in Ägypten stark verwurzelten mystischen Strömung des Islam, die von radikalen Muslimen als „Ketzer“ angesehen werden. Die Dschihadisten werden auch als Drahtzieher eines Anschlags auf eine Moschee auf der Sinai-Halbinsel vermutet, bei dem im November mehr als 300 Menschen getötet worden waren.

Seit dem Sturz Mursis durch das ägyptische Militär haben die extremistischen Gruppierungen auch ihre Angriffe auf Soldaten und Polizisten verstärkt. Mehrere hundert Soldaten und Polizisten wurden seither getötet. Besonders gefährlich ist die Lage auf der Sinai-Halbinsel im Nordosten Ägyptens. (afp)