Schwedens Außenministerin: „Wir sind vorm Kollaps“ – Unmut wächst

Schwedens Asylpolitik stößt an ihre Grenzen: Jetzt möchte die Regierung aufgenommene Menschen durch Umverteilung loswerden. Bevölkerung und Opposition sind missmutig. Mehrere Unterkünfte wurden angezündet. Und Migranten weigern sich, irgendwo im Wald einquartiert zu werden.

Schweden ist mit der Masseneinwanderung völlig überfordert. Das Land steht vor dem Kollaps, warnt die schwedische Außenministerin Margot Wallström. Deshalb will die Sozialdemokratin nun andere EU-Mitgliedsstaaten in die Pflicht nehmen. Sie fordert, die Migranten EU-weit besser zu verteilen.

Schweden hat schon seit Jahren eine liberale Zuwanderungspolitik. Im Verhältnis zu seiner Bevölkerungszahl (9,7 Mio.) nahm das Land mehr Migranten auf, als andere EU-Länder. 100.000 Menschen kamen 2015 bereits dort an, weitere 90.000 sollen noch bis Ende des Jahres dazukommen.

Nun scheint Schweden an die Grenzen des Machbaren zu stoßen. Wallström warnte deshalb vor dem Zusammenbruch des Landes, berichtet die Webseite Contra unter Berufung auch die britische Zeitung „Daily Mail“. Die schwedische Regierung will Druck auf die anderen EU-Staaten ausüben und eine Umverteilung erzwingen.

„Jährlich 190.000 Ankommende geht nicht“

„Ich denke, die meisten Menschen fühlen, dass wir ein System in dem jährlich etwa 190.000 Menschen ankommen, nicht aufrechthalten können. Langfristig wird unser System kollabieren“, so die schwedische Außenministerin.

Dem schloss sich auch der schwedische Ministerpräsident an: Die Regierung in Stockholm verlange eine „Umverteilung der Flüchtlinge in Schweden“ und ihre Aufnahme in anderen EU-Mitgliedstaaten, erklärte Stefan Löfven in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP, berichtet n24.de.

Andere EU-Staaten sollten nun „Verantwortung“ übernehmen. Wie viele Migranten von Schweden auf andere Länder umverteilt werden sollten, sagte der Regierungschef nicht. Insgesamt sollen innerhalb der EU knapp 160.000 Flüchtlinge umverteilt werden, etwa 66.000 von ihnen aus Griechenland, so n24.de.
Vor allem die osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten wehren sich gegen eine Zwangsumverteilung.

Brandanschläge: Unmut wächst

Unterdessen wächst in Schweden der Widerstand gegen die Masseneinwanderung. Die Partei „Schwedendemokraten“, die sich vehement dagegen positioniert, gewinnt verstärkt an Zulauf.

Auch die Konservativen fordern bereits einen Kurswechsel und massive Brandanschläge auf geplante Unterkünfte werden zum Problem: Vier innerhalb von nur einer Woche waren es bis zum 20. Oktober, berichtete AFP. Schon neun sollen es mittlerweile sein, schrieb das Schweizmagazin am 1. November. Mehrere Lager brannten dabei völlig ab.

Der jüngste Vorfall ereignete sich in einem Kinder-Sommer-Camp in der Stadt Eskilstuna, etwa 112 Kilometer westlich von Stockholm. In den Gebäude, dass bisher als Ferienlager für Kinder diente, sollten etwa 60 Asylsuchende untergebracht werden.

In der Stadt Munkedal in Südwest-Schweden gab es zeitgleich einen Brandanschlag, bei dem jedoch niemand wurde verletzt, weil das Gebäude schon einmal angezündet und deshalb bereits abgesperrt worden war.

Migranten wollen nicht im Wald wohnen

Die Unzufriedenheit über die Asylpolitik wächst aber nicht nur bei der Opposition, sondern mittlerweile auch bei den Migranten. In der vergangenen Woche weigerte sich eine Flüchtlingsgruppe aus Syrien und dem Irak angesichts einsamer Waldlandschaften in Westschweden, ihren Bus zu verlassen. Oft werden die Migranten in entlegenen Gebieten einquartiert, von wo aus sie nur schwer eine Stadt erreichen können.

„Sie sagen uns, wir werden hier leben“, sagte der Syrer Hadeel Waes dem schwedischen Sender SVT, so n24.de. „Aber das geht nicht für jeden – es gibt Kinder und eine schwangere Frau, es ist zu kalt, es gibt keine Geschäfte, keinen Arzt.“

Eine weitere Gruppe von 60 Menschen wurde mit dem Bus nach Limedsforsen, einem Gebiet nahe der norwegischen Grenze, gebracht. Dort gibt es innerhalb von dutzenden Kilometern keine Stadt. Im Winter können die Temperaturen auf minus 30 Grad Celsius sinken. Es gibt auch monatelang es so gut wie kein Tageslicht. (so)