„Shithole“ auf Trump-Hotel projiziert: Kritik am US-Präsidenten erreicht Höhepunkt – Heuchelei auch

Von 14. January 2018 Aktualisiert: 15. Januar 2018 8:31
Die Welt empört sich über die Äußerungen von US-Präsident Trump zu einigen Herkunftsländern von Migranten. Politiker, Moderatoren und Aktivisten zeigen sich schockiert. Doch bei genauerer Betrachtung haben einige von ihnen selbst andere Länder verunglimpft...

Die Welt empört sich über die Äußerungen von US-Präsident Trump zu einigen Dritte-Welt-Ländern: Aus Protest haben Aktivisten nun das Wort „shithole“ (Drecksloch) an die Fassade des Trump International Hotels in Washington projiziert.

Mehrere Videos der Aktion wurden am Sonntag von einem Video-Journalisten im Internet veröffentlicht, nachdem Trump am Donnerstag Herkunftsländer von Einwanderern als „Drecksloch-Länder“ (Englisch: „shithole countries“) bezeichnet haben soll.

„Nicht in DC wohnhaft? Schlafplatz benötigt? Probieren Sie unser Drecksloch. Dieser Ort ist ein Drecksloch“, stand in aufeinander folgenden Botschaften über dem Eingang des Trump International Hotels im Zentrum Washingtons, wie die Videos in sozialen Netzwerken zeigten. Eine Flut grinsender Emojis strömte dann aus dem Hoteleingang, während „shithole“ in Großbuchstaben darüber stand. Die Videos wurden über Twitter von Robin Bell veröffentlicht, der früher bereits Proteste mit Projektionen inszeniert hatte.

Trump soll die Bemerkung bei einer Diskussion zum Thema Einwanderung für afrikanische Länder sowie Haiti und El Salvador benutzt haben. Jetzt wird ihm „Rassismus“ vorgeworfen.

Auch Politiker und Journalisten kritisieren Trump für seine Äußerung. Doch bei genauerer Betrachtung haben einige von ihnen selbst andere Länder verunglimpft – vor allem Russland.

Das „Drecksloch“ Russland

Der republikanische Senator John McCain twitterte nach Trumps Aussage: „Respekt vor der von Gott gegebenen Würde jedes Menschen, unabhängig seiner Rasse, seiner ethnischen Zugehörigkeit oder anderen Umständen seiner Geburt. Das ist die Essenz des amerikanischen Patriotismus. Wer das nicht glaubt, widersetzt sich der amerikanischen Idee.“

Über Russland twitterte McCain in 2014: „Russland ist eine Tankstelle, die sich als Nation ausgibt.“

Keith Olbermann, TV-Moderator und Kommentator, twitterte über Trump: „Nein, Du kommst nicht an der Bemerkung ’shithole‘ vorbei. Niemals. Du rassistischer Feigling. Deine Präsidentschaft ist vorbei. Lass es Dir von einem Erwachsenen erklären.“

Im Oktober letzten Jahres – nachdem der Eishockeyspieler Alex Ovechkin die Entscheidung von Russlands Staatschef Wladimir Putin, 2018 zur Wiederwahl anzutreten, begrüßt hatte – schrieb Olbermann: „Vielleicht sollte Ovechkin aus dieser Liga geworfen und gezwungen werden zurückzukehren, und mit Putin in diesem Höllenloch #ToHellWithRussia Schlittschuh zu laufen“.

Der republikanische Senator Lindsey Graham meinte nach der Aussage von Trump: „Nach dem Kommentar des Präsidenten habe ich ihm direkt gesagt, was ich davon halte. Der Präsident und alle, die anwesend waren, wissen was ich gesagt habe und wie ich mich fühle. Ich habe immer daran geglaubt, dass Amerika eine Idee ist, die nicht von seinen Leuten, sondern von seinen Idealen definiert wird.“

Über Russland sagte Graham: Eine „Ein-Mann-Diktatur“ (2009) mit „einer Wirtschaft von der Größe Italiens“ die „ein Pokerspiel mit einem 2er-Paar spielt“ (2014).

Tim Wise, prominenter Anti-Rassismus-Aktivist „seit 89 im Kampf gegen Nazis“, meinte zu Trumps Äußerung: “An diejenigen, die Trump immer wieder damit entschuldigen: ‚Das ist einfach wie manche Leute sprechen’… ahm, wenn Eure Standards für den Präsidenten nicht höher sind, als die für Euren Onkel Cooter, dann sage ich IHR seid das Problem. Menschen, die ihre Meinungen ungefiltert rauslassen, sind entweder verrückt oder vier Jahre alt. So oder so, wir sollten sie ignorieren.“

Über Russland twitterte der Anti-Rassismus Aktivist 2016: „Jeden Tag verstehe ich aufs neue, warum ein Teil meiner Familie das ’shithole‘ (Drecksloch) des kaiserlichen Russlands verlassen hat. 100 Jahre nach der letzten Revolution hoffen wir auf eine weitere.“

Josh Barro, Business Insider Senior Editor, vom US-Sender MSNBC schrieb über Trump: „Unser Präsident ist ein extrem voreingenommener Mann und auch ein extrem oberflächlicher. Die Vorurteile des Präsidenten veranlassen ihn dazu, über Menschen zu urteilen. Seine Oberflächlichkeit macht ihn unfähig, Informationen zu verarbeiten, die seine Vorurteile zerstreuen könnten.“

Über Russland schrieb Barro: „Ein dystopisches ‚shithole‘ (Drecksloch) seit Anbeginn der Geschichte“ – ergänzt durch einen weiteren, später gelöschten Tweet – „es ist erstaunlich, wie viel Nationalstolz die Russen haben, wenn man bedenkt, wie wenig sie stolz sein können.“

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