Syrische Truppen erobern Aleppos größtes Rebellenviertel und rücken weiter vor

Die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad hatten vor knapp zwei Wochen eine Offensive zur vollständigen Eroberung von Aleppo begonnen.

Die syrischen Regierungstruppen sind nach Angaben von Staatsmedien bei der Rückeroberung des von Rebellen gehaltenen Ostteils von Aleppo einen großen Schritt vorangekommen.

Sie nahmen demnach am Samstag das größte Rebellenviertel Masaken Hanano vollständig ein. Bis Sonntagmittag flohen mehr als 500 Einwohner von Ost-Aleppo in den von Regierungstruppen kontrollierten Westteil, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Einige der Zivilisten begaben sich demnach in das Viertel Masaken Hanano und wurden von dort aus in Gebiete unter Kontrolle der Regierungstruppen gebracht. In der Nacht zum Sonntag hätten sich Armee und Rebellen im Osten Aleppos weitere Gefechte geliefert, berichtete die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle, deren Angaben von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen sind.

Die Truppen des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad hatten vor knapp zwei Wochen eine Offensive zur vollständigen Eroberung von Aleppo begonnen. Nach der Einnahme von Masaken Hanano rückten sie weiter vor und eroberten Teile der Nachbarviertel Dschabal Badro, Baadin, Haidarije und vor allem Sachur.

Jasser al-Jussef, Führungsmitglied der bewaffneten Gruppe Nureddin al-Sinki, sagte am Sonntag, die Aufständischen hätten versucht, ihre Positionen in Sachur zu festigen. „Doch die Luftwaffe zerstört systematisch ein Gebiet nach dem anderen“, fügte er hinzu.

Wegen der Kämpfe um Masaken Hanano flohen laut Beobachtungsstelle am Samstag dutzende Familien aus den Vierteln Sachur und Haidarije.

Zugleich intensivierten die Aufständischen in Ost-Aleppo demnach ihre Raketenangriffe auf den Westteil der Stadt. Dabei seien mindestens vier Zivilisten getötet und dutzende verletzt worden. Seit Beginn der Offensive sei die Zahl der getöteten Zivilisten in Aleppo damit auf 27 gestiegen, darunter elf Kinder.

Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, hatte kürzlich erklärt, nach seinem Eindruck habe die syrische Regierung die „feste Absicht“, in Aleppo eine militärische Entscheidung herbeizuführen. Wenn die Angriffe in dieser Intensität weitergingen, „wird es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben“, warnte der UN-Vertreter in der „Süddeutschen Zeitung“ vom Freitag.

Anti-Regierungsrebellen setzten Giftgas ein

Die türkische Armee teilte unterdessen mit, bei einem Chemiewaffenangriff in Syrien seien 22 mit Ankara verbündete Rebellen verletzt worden. Sie seien nach einem Raketenangriff der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) einem giftigen Gas ausgesetzt gewesen, erklärte das Militär am Sonntag laut der Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Attacke ereignete sich demnach nahe dem Dorf Chalilija östlich der Stadt Al-Rai im Norden Syriens. Medienberichten zufolge wurden die verletzten Rebellen zur Behandlung in ein Krankenhaus in die türkische Grenzstadt Kilis gebracht.

Die Türkei führt seit Ende August zusammen mit syrischen Rebellen eine Offensive gegen die IS-Miliz im Norden Syriens. Die von Ankara unterstützten Kämpfer eroberten seitdem die Stadt Dscharablus vom IS zurück und brachten mehrere umliegende Dörfer sowie die Nachbarstadt Al-Rai unter ihre Kontrolle.

Der Kreml teilte am Samstag mit, der russische Präsident Wladimir Putin habe in einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan erneut die Lage in Syrien erörtert. Bereits am Freitag hätten sie über die Möglichkeit „gemeinsamer Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus“ gesprochen.

Russland ist mit Assad verbündet, die Türkei ist gegen ihn, bekämpft aber auch die gegen Assad kämpfenden Kurden in Syrien und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). (afp/so)