Gesuchter Terror-Verdächtiger Amri bot sich als Selbstmordattentäter an – Verbindung zu Hasspredigern

Der wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt gesuchte Tunesier Anis Amri hat sich nach einem Bericht des "Spiegel" offenbar bereits vor Monaten als Selbstmordattentäter angeboten. Er stand in Verbindung zu verschiedenen islamistischen Kreisen in Deutschland. Gegenüber den Behörden gab er sich als politisch verfolgter Ägypter aus.

Der wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt gesuchte Tunesier Anis Amri hat sich nach einem Bericht des „Spiegel“ offenbar bereits vor Monaten als Selbstmordattentäter angeboten. Das Magazin beruft sich auf die Auswertung der Telefonüberwachung sogenannter „Hassprediger“. Allerdings seien die Äußerungen Amris so verklausuliert gewesen, dass sie nicht für eine Festnahme ausgereicht hätten.

Nach Informationen des „Spiegel“ stand Amri wohl in Verbindung mit dem bekannten Hassprediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias „Abu Walaa“. Der 32-Jährige wird verdächtigt, ein Netzwerk angeführt zu haben, das zwischen Januar und Juli 2015 Mitglieder und Unterstützer für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) anwarb.

„Abu Walaa“ war Prediger in der Moschee des „Deutschsprachigen Islamkreises Hildesheim“ gewesen. Bei einer Razzia im Juli wurde der „Prediger ohne Gesicht“ festgenommen.

Zu seinem Netzwerk soll laut „Spiegel“ auch der Duisburger Salafist Hasan C. gehört haben, der wiederum Kontakt zu den Essener Sikh-Tempelbombern gehabt haben soll. Auch gegen ihn werde seit Monaten ermittelt. Sein Reisebüro in Duisburg-Hochemmerich soll schon länger als Anlaufstelle für Dschihadisten gelten.

Zudem verkehrte Amri nach Erkenntnissen der Ermittler in der Dortmunder Moschee des Boban S., der nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft ebenfalls zum Netzwerk von „Abu Walaa“ gehört und Islamisten ideologisch geschult haben soll.

Über Amri, der 2015 über Italien nach Deutschland gelangt war, hieß es weiter im „Spiegel“, er habe sich hierzulande gegenüber den Behörden als politisch verfolgter Ägypter ausgegeben. Da er so gut wie keine Angaben über Ägypten habe machen können, sei sein Asylantrag innerhalb weniger Wochen als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt worden. Auch sei damals bereits aufgefallen, dass er sich unter verschiedenen Identitäten in Europa bewegte. (afp/mcd)