Türkei: Alles ein Fake? – „Was soll das für ein Putsch sein mit 5 Panzern und 2 Flugzeugen?“

Ein Blick in die Sozialen Netzwerke: War der türkische Putsch nur eine Inszenierung? "#Erdogan: "Dieser #Putschversuch ist ein Geschenk Gottes weil er uns erlaubt, unser Militär zu säubern" #TurkeyCoup" und: "Letzte Nacht #Putschversuch und heute Mittag bereits Entlassung von 2700 Richtern. Da war aber offensichtlich jemand gut vorbereitet."

Mittlerweile tauchen immer mehr Ungereimtheiten rund um den Putsch oder Putschversuch der Türkei in den Medien und sozialen Netzen auf. So schreibt eine Journalistin auf Twitter:

Und andere:

Letzte Nacht und heute Mittag bereits Entlassung von 2700 Richtern. Da war aber offensichtlich jemand gut vorbereitet.“

Ein Taxifahrer, so veröffentlichte die Welt, ein bekennender Sozialdemokrat um die 50, sagt, was bereits seit der Nacht durch die sozialen Netzwerke ging:

„Was soll das für ein Putsch sein mit fünf Panzern und zwei Flugzeugen?“

„Dieses Land hat viele Staatsstreiche erlebt, aber so was noch nie. Angeblich ist die Luftwaffe verwickelt. Und dann kann der Präsident mitten im Putsch nach Istanbul fliegen?“

Der Taxifahrer ist gegen die Machtergreifungen des Militärs, betont er. Es ist ja auch nicht der erste Militärputsch in der Türkei.

Sein Verdacht lautet: Das hier ist eine Inszenierung. „Erdogan hatte keine Mehrheit für das Präsidialsystem. Und mit seiner Ankündigung, Syrer einzubürgern, hat er auch seine eigenen Anhänger verprellt. Jetzt ist er für alle Zeiten der Held. Ich fürchte, der eigentliche Putsch beginnt jetzt erst.“

Berichtet wird, dass Volksfeststimmung herrscht und Wahlkampfbusse zu sehen sind. So schreibt „Die Welt“: „Anders als in Besiktas und auf dem Taksim-Platz sind hier (in Ankara) auch Frauen unterwegs, es herrscht gelöste Stimmung, immer wieder trifft man auf Wahlkampfbusse der AKP oder mit Lautsprechern bestückte Fahrzeuge von AKP-geführten Bezirksverwaltungen, aus denen Erdogan-Hits vergangener Wahlkämpfe schmettern: „Er ist, wie er scheint/ er bezieht seine Kraft aus der Nation/ Recep Tayyip Erdogan.“

Am Flugplatz in Ankara steht vor dem VIP-Gebäude „ein Wahlkampfbus mit Rednertribüne bereit – man könnte fast annehmen, dass es sich um einen lange geplanten Auftritt handelt.“

Und weiter: „Als sich der Ortsvorsitzende bei den Abgeordneten der sozialdemokratischen CHP bedankt, weil sie sich dem Putsch entgegengestellt hätten, pfeifen einige. Dafür bricht beim Dank an die Adresse der nationalistischen MHP lauter Jubel aus.“

Das Problem ist: „Die türkische Rechte – die AKP und die MHP – ist in dieser Nacht vereint. Die prokurdische HDP, die den Putschversuch ebenfalls verurteilt hat, erwähnt der Redner erst gar nicht.“

Das kann eine Art Inszenierung sein …

„Vielleicht ist es ein neuer Plan seinerseits, ein Theaterspiel, ein Szenario. All das wurde so mühelos innerhalb von sechs Stunden gestoppt“, zweifelt Abd Salam Ali, Vertreter der syrischen Kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) in Moskau.

„Bei seiner Fernsehansprache war Erdoğan nicht aufgeregt. Dabei konnten die Meuterer ihm etwas antun, selbst als er nach Istanbul flog. Er flog aber ganz ruhig aus Marmaris weg und sagte, er komme nach Istanbul“, betonte Ali, wie „Sputniknews“ schreibt.

Und auf Facebook fasst Dr. Lale Akgün zusammen:

„Ich bin mit militärischen Gegebenheiten nicht besonders vertraut, aber der „Ablauf“dieses Militärputsches erscheint sehr seltsam. Die Militärs besetzen den unwichtigen Staatssender TRT, während alle AKP-POLITIKER, einschließlich Erdogan, auf den privaten Sendern Interviews geben. Erdogan ist sechs Tage weg und taucht dann auf, macht ein Interview aus seinem Versteck und fordert alle auf, auf die Straße zu gehen, was seine Anhänger auch sofort befolgen. Dazu die stark religiöse Komponente des „Widerstands“.Um 22.00 Uhr wird geputscht, um 1.00 Uhr ist die demokratische Ordnung wieder hergestellt. Wenn ich eins +eins zusammen zähle, komme ich nicht umhin, denen Recht zu geben, die schon um 23.00 Uhr des 15. Juli von einer „Inszenierung “ der Regierung sprachen.
Die Gründe liegen auf der Hand:
1. Die Zivildiktatur voran treiben.
2. Die immer stärker werdende Kritik aus dem Ausland zum Schweigen bringen.

3. Eine Säuberungsaktion beim Militär durchführen, um die verbliebenen Gülen Anhänger zu eliminieren. Diese Säuberungsaktion wird auch die Justiz und die Polizei betreffen.
Ich nehme an, Erdogan wird in den nächsten Stunden als strahlender Held in Istanbul ankommen, gestärkt wie nie zuvor. (Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, Istanbul wieder zur Hauptstadt zu erklären? Das Parlamentsgebäude in Ankara ist wohl auch angegriffen worden).
Die Opfer der gestrigen Nacht nennt man wohl menschenverachtend und zynisch „Kollateralschaden“. Wie schade um die jungen Menschen, die man verführt hat, gestern Nacht „Militärputsch “ zu spielen. Meine Gedanken sind bei den Demokraten in der Türkei. Nach der Machtdemonstration des sunnitischen Islam gestern Nacht, ganz besonders bei den alevitischen Bürgerinnen und Bürgern. Auf sie warten ganz besonders schwere Zeiten.

P.S im Moment bekommen alle Bürgerinnen und Bürger eine SMS von Erdogan auf ihre Mobiltelefone, mit dem Inhalt, daß der Putschversuch niedergeschlagen worden ist.“ (ks)