Türkei: Ausreiseverbot für Akademiker wegen „Schlüsselrolle“ beim Militärputsch

Türkischen Akademikern ist es bis auf Weiteres verboten das Land zu verlassen. Intellektuelle hätten bei Militärputschen immer eine Schlüsselrolle gespielt, sagt Erdogan. Jene die sich im Ausland befinden müssen sofort in die Türkei zurückkehren.

Die türkische Regierung verbietet allen Akademikern die Ausreise bis auf Weiteres. Die Universitäten wurden angewiesen Auslandsreisen für Mitarbeiter auszusetzen. Gleichzeitig befahl die zuständige Behörde für höhere Bildung (YOK) Wissenschaftlern im Ausland sofort zurückzukehren. Zudem forderte die Behörde, alle Mitarbeiter der Universitäten zu überprüfen, die eine Verbindung zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen haben, berichtet “Reuters”.

Es handele sich um eine vorübergehende Maßnahme, heißt es in einem Beitrag des amtlichen Senders TRT. So solle die Flucht möglicher Mitverschwörer an den Universitäten der Türkei verhindert werden. Akademiker hätten schon immer eine Schlüsselrolle bei Militärputschen gespielt. Wie der Sender berichtet wären allein an der Universität Istanbul 95 Akademiker involviert gewesen.

Gestern bestimmte die Hochschulverwaltung die Demission von 1.577 Dekanen an allen Universitäten des Landes. Mittlerweile sind seit dem Putschversuch 50.000 Soldaten, Polizisten, Richter und Lehrer festgenommen worden.

Junge Akademiker zieht es ins Ausland

Angesichts der harten Reaktion der türkischen Regierung auf den Putschversuch habe sich vor allem unter gut ausgebildeten jungen Menschen der Wunsch verbreitet, die Türkei zu verlassen, so der Fernsehsender NTV.

Laut Aussage von Präsident Erdogan seien Anhänger des Predigers Fethullah Gülen für den Putsch verantwortlich. Gülen selbst weißt die Vorwürfe zurück. Er lebt derzeit im selbst gewählten Exil, in den USA.

Die türkische Regierung stuft seine Bewegung als „terroristische Geheimorganisation“ ein. Diese wolle einen „Parallelstaat“ in der Türkei aufbauen, wirft Erdogan Gülens Anhängern vor. Die Ergebnisse der Überprüfungen der Verdächtigen würden bis zum 5. August vorgelegt werden, heißt es.

Heute berät das türkische Staatsoberhaupt das weitere Vorgehen im Sicherheitsrat. Dabei würden, so Erdogan, „wichtige Entscheidungen“ getroffen werden. (dk)