TV-Duell: Clinton kühl, Trump hitzig, Moderator tendenziös – die große Schlammschlacht blieb aus

Das erste TV-Duell von Hillary Clinton und Donald Trump fand heute Abend in New York statt. Die Spannung war enorm, weil die Debatte den US-Präsidentschaftswahlkampf entscheidend beeinflussen kann. Clinton trat sehr cool auf, bei Donald Trump war innere Anspannung zu bemerken, er fiel seiner Gegnerin häufig ins Wort. Der Moderator stellte Trump mehrfach unangenehme Fragen. In Richtung Clinton unterließ er dies vollständig. Der Live-Ticker.

+++ Ende des Live-Tickers. +++ Analysen folgen als Extra-Artikel +++

4:42  Die Debatte ist beendet. Die letzte Frage war: „Einer von ihnen wird diese Wahl nicht gewinnen. Werden sie das Ergebnis als Willen des Volkes akzeptieren?“ Clinton: „Ich unterstütze unsere Demokratie“. Trump versichert, falls Clinton gewählt werden sollte, werde er dies „voll und ganz unterstützen“. Es gibt sehr kurze Schlussworte und einen ziemlich abrupten Abbruch der Debatte. Trump brachte noch einmal wirkungsvoll an, dass das Land den Bach herunter gehe und er dies ändern wolle (mit Slogan „make Amerika great again“).

4:40  Es geht dem Ende zu. Der Moderator stichelt nun in Richtung Trump, er solle Stellung beziehen zu seiner Aussage über Clinton:

„She doesnt have a presidential look. Was meinen Sie damit?“ – „Ich sagte, sie habe nicht die Stamina“, so Trump. [Anm. der Red. gemeint ist Durchhaltevermögen.]

„Wenn man durch 112 Länder gereist ist, dann hat man die Stamina“, kontert Clinton. „Ja, sie habe Erfahrung, ohne Frage, aber schlechte Erfahrungen“, so Trump. „Dieses Land kann sich nicht noch mal vier Jahre voller schlechter Erfahrungen leisten.“ (Publikum johlt.)

Clinton bringt noch einmal auf, was Trump alles hässliches über Frauen gesagt habe. (Auch hier johlt das Publikum.) „Woher haben Sie das?“, fragt Trump, der einiges davon nicht gesagt haben will.

4:35  Clinton: Der Iran-Deal sei sehr erfolgreich. Man habe nun Zugang zu Einrichtungen, den man vorher nicht gehabt habe. Trump habe überhaupt keine Pläne, wie er irgendetwas erreichen wolle. Er kläre nicht darüber auf, wie er mit dem Iran umgegangen wäre. Seinen Plan gegen den IS nenne er ein Geheimnis. Dass sei alles nicht vertrauenswürdig, impliziert Clinton. Sie werde versuchen, eine Führerin zu sein, auf die sich Menschen im Inland und Ausland verlassen könnten.

„Wir können nicht die Weltpolizei sein. Wir können uns das nicht finanziell leisten, ständig andere Länder zu verteidigen“, so Trump. Es wird langsam richtig hitzig und geht gegen Ende.

4:21 Nun stichelt der Moderator wieder zu dem Thema, dass Trump zu Beginn den Irak-Krieg unterstützt habe (vorhin wurde das Thema schon aufgebracht von Clinton): „Das ist Mainstream-Medien-Unsinn, der von ihr verbreitet wurde!“, ruft Trump und erzählt kompliziert und detailliert, warum er basierend auf Einschätzungen anderer Intellektueller von Anfang an dagegen gewesen sei. Es werde den Nahen Osten destabilisieren, etc. Wieder Wortgerangel zwischen Trump und dem Moderator. Clinton bleibt völlig cool, während Trump raushaut: „Ich habe ein besseres Urteilsvermögen als sie.“ (Publikum lacht.)

Clinton antwortet nach seiner Tirade „Woo!“, lacht und kehrt in ihren kühlen Modus zurück. Und dann erläutert sie wieder die von ihr im Wahlkampf bereits genutzten Punkt, dass ein Mann von Trumps Temperament keinesfalls seine Finger irgendwo in der Nähe eines Atomwaffen-Knopfes haben dürfe.

Trump kontert: Er stimme mit ihr in einem überein. Die Verbreitung von Atomwaffen sei „the single greatest threat“ / „die eine und allergrößte Bedrohung“ der Amerika gegenüber stehe.

Der Moderator versucht ihn abzuwürgen. Klappt nicht. Trump bleibt beim Thema Atomwaffen. China solle mal nach Nordkorea einmarschieren, und dort das Atomwaffen-Problem lösen. Die Chinesen seien sehr mächtig und hätten eigentlich diese Aufgabe, so seine Ansicht.

Der Iran-Deal sei schrecklich und werde neue Atomwaffen-Probleme schaffen, ist sich Trump sicher. (Er bringt es emotional vor.)

4:18 „Ich habe mir sehr über die NATO Gedanken gemacht“, sagt Trump. „Erstens: Die 28 NATO-Staaten zahlen ihren Beitrag nicht fair. Und zweitens: Die NATO fokussiert nicht auf Terror.“ Er sei dafür, dass die NATO schnellstens in den Nahen Osten gehe und dort den IS niederschlage. Das könne man mit Clinton als Präsidentin nicht erwarten.

4:16  Themenwechsel. Es geht um Cyberkrieg. Wie könne man ihn stoppen? (Und dann gleitet das Thema Richtung IS und Muslime ab…)

Clinton meint, Trump lade die Russen förmlich dazu ein, Amerika zu hacken. Mit seinen Komplimenten an Putin, der den USA gegenüber eine wirklich harte Linie fahre.

Trump antwortete: Clinton habe die ganze Zeit nur „Russland, Russland“ gesagt. Aber es hätte auch China sein können, oder andere Länder oder private Hacker, die die USA gehackt haben. Er sagt, man habe unter Obama die Kontrolle über gewisse Dinge verloren und sollte diese nun dringend zurückgewinnen. Der IS zum Beispiel sei gerade dabei, die USA in Sachen Internet im eigenen Spiel zu schlagen. Das dürfe man nicht zulassen. Man müsse mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der Internetwelt mithalten.

Sein zehnjähriger Sohn zum Beispiel sei so gut im Umgang mit Computern, dass es schon erschreckend sei, so Trump. Cyber sei definitiv ein Feld, in dem Amerika aufholen und besser werden müsse.

Clinton sagt nun, dass sie einen Plan habe, um den IS zu besiegen.

Trump sagt nun, Obama und Clinton hätten im Irak ein Vakuum hinterlassen, dass die Entstehung des IS erst ermöglicht habe. Man hätte Truppen dort lassen müssen oder sich das Öl unter den Nagel reißen müssen, denn dieses sei erst die Einnahmequelle gewesen, mit der ISIS hätte expandieren können.

Nun sagt Clinton, Trump habe den Irak-Krieg und die Invasion in Libyen unterstützt. Er sagt „Nein“.

4:01  Nun bringt der Moderator das Thema mit Obamas Geburtsurkunde auf. Warum habe Trump ständig die Geburt Obamas in den USA bezweifelt? Das gehöre auch zum Thema Heilung des Rassenkonflikts.

Trump meint, indem er auf Obamas Geburtsurkunde bestanden habe, die ja dann auch vorgelegt wurde, habe er der Nation einen großen Dienst erwiesen. (Aber warum habe er auch danach noch Obamas Geburt in den USA bezweifelt, hakt der Moderator nach. Ergebnislos.)

Nachdem Trumps Redezeit um ist, sagt Clinton dazu: Trump habe seine gesamte politische Aktivität auf dieser rassistischen Lüge aufgebaut, die die amerikanische Identität des ersten schwarzen US-Präsidenten bezweifelte.

Trump kontert, er habe studiert, wie mies Clinton Obama in Debatten behandelt habe. Nun spreche sie aber wie eine Heilige und behaupte, das alles wunderschön sei in ihrem Verhältnis zu ihm.

Trump schafft es (bevor der Moderator wieder das Thema scharf abschneidet) klarzustellen, dass der Prozess, der in den 70er Jahren gegen seine Firma wegen Rassismus-Vorwürfen geführt wurde, für ihn positiv und ohne Verurteilung endete. Auch habe er einen Club eröffnet, der absolut offen für alle sei (Schwarze, Muslime, alle!) und niemanden diskriminiere und ein großer Erfolg sei.

3:57  Nun sagt Clinton, die Morde in New York seien zurückgegangen. Trump wiederspricht.

Die afro-amerikanische Bevölkerung sei in den letzten Jahrzehnten von den Politikern im Stich gelassen worden. Sie seien lediglich als Stimmvieh missbraucht worden. Er habe viele Städte besucht und dort mit den Menschen gesprochen, sie seien wirklich wütend auf die Politik, so Trump.

3:55  Es gebe einen systemischen Rassismus im Justiz- und Polizeisystem der USA, so Clinton. Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Schwarzer oder Latino verurteilt werde und im Gefängnis lande, sei viel höher als für Weiße. Man könne nicht nur einfach „Law and Order“ sagen. Das würde nicht reichen. Sie fordert wieder, dass das Waffenbesitzrecht eingeschränkt werden müsse. „Psychische Krankheiten“ seien auf der Straße nun laut Polizei ein großes Problem, so Clinton. Man brauche Behandlungsmöglichkeiten für diese Leute.

3:52  Weil man hinter dem Zeitplan sei, müsse nun das Thema gewechselt werden, so Holt.

„Amerikas Ausrichtung“ ist nun dran und es beginnt mit dem Aufreger-Thema „Rasse“: Die Gleichbehandlung sei immer noch nicht erreicht, es habe Unruhen und Krawalle mit der Polizei gegeben. Clinton ist nun dran. Sie erzählt wieder ruhig und kühl, wie ihrer Ansicht nach die Lage sein SOLLTE – sehr viele Allgemeinplätze. Die Waffenschwemme sei das Problem, die Todesursache Nr. 1 der jungen afro-amerikanischen Bevölkerung. Man müsse die Waffen aus den Händen der Leute nehmen, in die sich nicht hingehören, sagt sie.

Trump kontert nun, dass Clinton niemals die Worte „Law and Order“ in den Mund nehme. Er erklärt, wie schlimm die Lage sei. Beinahe 4.000 Menschen wurden in Obamas Heimatstadt Chicago ermordet, seit dieser Präsident wurde, sagt er. Und das Problem seien die bewaffneten Gangs. Die Polizei traue sich in vielen Fällen schon gar nicht mehr etwas zu tun. Die Polizei müsse gestärkt werden, außerdem müsse die Beziehung zwischen den Communities und der Polizei gestärkt werden. In einigen Orten sei sie gut, in anderen Orten sei sie furchtbar. Er sagt wieder, dass das Giuliani-Modell in New York gezeigt habe, dass man Kriminalität und Gewalt tatsächlich wirksam bekämpfen könne.

3:44  Amerika gleiche in vielen Punkten der Infrastruktur bereits einem Drittweltland, sagt Trump und untermauert mit Beispielen: Autobahnen, Flughäfen etc. Wenn man das Geld, dass man in die Nahost-Kriege gesteckt hätte, in die Infrastruktur der USA gesteckt hätte – „hätten wir das Land zweimal wieder aufbauen können“.

Nun greift Clinton wieder den Punkt auf, dass Trump wohl keine Steuern bezahlt habe und außerdem seine Mitarbeiter nicht fair bezahlt habe. Er sei außerdem sechsmal Pleite gegangen, sagt sie. Nun erklärt Trump, dass er viermal bestimmte, existierende Gesetze benutzt habe im Sinne seiner Firma. Und er habe seine Leute bezahlt und zwar gut.

3:39  „Typisch Politiker: Alles Gerede, klingt gut aber funktioniert nicht“ wirft Trump ein, der nun seine Steuerpläne verteidigen sollte und stattdessen erklärt, was seiner Ansicht gerade wirtschaftlich nicht läuft: „Wir sind in einer großen, fetten, hässlichen Blase und sollten besser sehr vorsichtig sein“, sagt er über die Wirtschaftslage.Wenn man jetzt die Leitzinsen raufsetzen würde, würden hässliche Sachen passieren. Und die FED habe sich in den vergangenen Jahren ja noch politischer Verhalten als Staatssekretärin Hillary Clinton.

Moderator Holt sagt nun, Trump habe seine Steuererklärungen nicht veröffentlicht. Finde er nicht, dass dies für den Wähler wichtig sei?

Er werde seine Steuererklärungen auch entgegen den Rat seiner Anwälte rauslassen, sobald Clinton „ihre 30.000 gelöschten Emails veröffentlicht!“, so Trump. Das verspreche er, das werde er wirklich tun. Das Publikum applaudiert und johlt und wird vom Moderator zur Stille ermahnt.

Clinton bleibt eiskalt: Vielleicht sei Trump ja nicht so reich wie er behaupte, oder 2. nicht so caritativ, wie er behaupte und habe vielleicht 3. viel mehr Schulden bei Banken, als er zugebe und 4. könne eine Veröffentlichung seiner Daten möglicherweise zeigen, er habe Null Steuern bezahlt – also Null Dollar in Armee, Schulen etc. gesteckt. Trump müsse echt etwas Wichtiges und Schlimmes zu verbergen haben, dass er seine Steuererklärungen nicht rauslässt. Man könne nun nur erraten, was er zu verbergen habe.

Clinton sagt nun, sie habe einen Fehler gemacht mit ihren Emails übernehme dafür die Verantwortung, als der Moderator sie darauf anspricht. Das ist ihr einziges Statement dazu. Trump wirft ein, das mit den Emails sei kein „Fehler“ gewesen, sondern pure Absicht.

3:28   Man dürfe den Handel nicht als einziges Problem der US-Wirtschaft betrachten, so Clinton, da gebe es noch einige andere Felder. Nun fällt ihr Trump ins Wort und wiederholt mehrmals, dass NAFTA das schlimmste Handelsabkommen sei, dass je abgeschlossen wurde. Auch werde sie das TTIP absegnen, falls sie gewählt werde, was noch schlimmer sei, ereifert er sich. Sie habe NAFTA sogar „den Goldstandard“ der Abkommen genannt.

„Ich weiß, Sie leben in ihrer eigenen Realität“, sagt Clinton zu Trump. Publikum lacht.

„Sie werden diese Unternehmen zu Tode regulieren“, sagt Trump bezüglich der US-Wirtschaft. „Es gibt Regulierungen über Regulierungen. Ich werde die Steuern massiv reduzieren. Sie werden die Steuern massiv hochsetzen. Ende der Geschichte.“

Jetzt reden sie schon alle ziemlich durcheinander. Trump sagt, Clinton behaupte ja auch ISIS zu bekämpfen und das schon ihre ganze Karriere lang …

Clinton sagt, sie habe ihre Website in einen „Fakten-Checker“ verwandelt, wo man jetzt gerade in Echtzeit Trumps Behauptungen überprüfen könne. Sie fordert das Publikum auf, ihre Website zu besuchen. Trump an Zuschauer: „Sie sollten auch auf meine Seite gehen.“

Trump ist zu diesem Zeitpunkt definitiv der aufgeregtere von den beiden. Er scheint stärker unter innerem Druck zu stehen. Clinton wirkt derzeit sehr überlegen und cool lächelnd.

3:15   Trump attackiert nun Clinton, sie und andere Regierenden hätten schon seit Jahrzehnten etwas gegen die Job-Flucht unternehmen sollen. Sie gäben nun vor, etwas dagegen zu unternehmen, da es ihm gelungen sei, mit seinem Wahlkampf eine Bewegung in Gang zu bringen, erklärt er.

Clinton holt nun aus zur Finanzkrise 2008. „Wir sind aus diesem Abgrund rausgekommen“, sagt sie und meint, man dürfe nun nicht in die alte Politik zurückfallen, die zu der Krise geführt habe. Trump habe soetwas vor. Experten hätten ihren und seinen Plan verglichen und seien zu dem Schluss gekommen:

5 Billionen Dollar Schulden würden bei seinem Plan herauskommen, 3,5 Millionen Jobs verloren gehen – „das könnte eine zweite Rezession hervorrufen“. Ihr Plan könnte 10 Millionen Jobs mehr schaffen, die USA könnten die Supermacht der nachhaltigen, grünen Energie des 21. Jahrhunderts sein, so Clinton.

3:07   Hillary Clinton wurde gefragt, warum sie die bessere Wahl ist, um Jobs zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln. Sie erklärt nun, sie wolle den nationalen Mindestlohn erhöhen, Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen endlich herstellen, Menschen ermöglichen, Familie und Jobs besser unter einen Hut zu bringen. Clintons Intro ist sehr offiziell und wirkt völlig einstudiert.

Trump steigt nun ein und sagt, die Jobs würden die USA verlassen, nach Mexiko und China gehen. Das müsse aufhören. Er erwähnt, dass gerade tausende Jobs Michigan und Ohio verlassen. „Wir müssen es stoppen, dass uns die Jobs geklaut werden und dass unsere Firmen das Land verlassen“. Nach seinem Plan will er Steuern massiv verringern- von 35 Prozent zu 15 für kleine Unternehmen. Das könnte das größte Jobwunder seit Ronald Reagan erschaffen, ist er sich sicher.

Dann erklärt Clinton, sie stimme zu, dass man da etwas tun müsse. Aber dies sei nicht der Weg. Wirtschaftlich hätten sie voneinander abweichende Vorstellungen. Sie meint, man müsse vor allem die Mittelklasse stärken. Interessant, wie sie immer wieder versucht, auf ihn zu zugehen. Sie spricht über ihren Vater, er über seinen. Beide waren Geschäftsmänner. Schon wieder nennt Trump China: „Was die mit uns machen, ist eine sehr traurige Sache.“

3:04  Der Moderator Lester Holt eröffnet die Sendung und erklärt die Spielregeln. Siehe unten gibt es drei Themengebiete und festgelegte Redezeiten. Das Publikum muss ruhig sein während der Debatte. Clinton und Trump werden unter riesigem Beifall begrüßt und schütteln sich offensichtlich angespannt, aber kollegial die Hand.

3:03  Die Moderatoren schätzen nun, dass die dominierenden Themen „Emails und Terrorismus“ sein werden. Denn dies seien die beiden Punkte, mit denen Trump die Leute daran erinnern könne, warum Hillary Clinton NICHT vertrauenswürdig sei. „Diese beiden Pfeile haben in den vergangenen Wochen sehr gut getroffen“ sagt ein Experte. Außerdem wurde noch gesagt: Das Zuschauerinteresse ist laut Umfragen am stärksten beim Thema Terrorabwehr und Rassismus.

+++ 2:55 Gleich geht es los! Auf dem amerikanischen Sender ABCNews läuft schon länger eine Diskussion von mehreren Moderatoren/Experten. Sehr amerikanisch und passend zum Anlass: Beim Anschalten des Livestreams wird der Zuschauer vor möglichem überraschenden/verstörendem Content gewarnt…

Unterdessen hat Bernie Sanders, in den Vorwahlen der US-Demokraten unterlegener Konkurrent Hillary Clintons, vor einem zu starken Fokus auf Äußerlichkeiten gewarnt. Man solle den Kandidaten zuhören, sie an ihren Ideen, Programmen und Politikentwürfen messen und nicht an Frisuren oder der Frage, wer präsidentieller wirke, sagte Sanders kurz vor der Debatte CNN, berichtete DPA. Das Interesse an der TV-Debatte ist nach Ansicht des Debattenexperten Aaron Kall auf einem historischen Rekordniveau. Es gebe einen regelrechten Hype, sagte der Wissenschaftler der dpa.

+++ 23:00 Erste TV-Debatte hat große Bedeutung +++

Im historischen Vergleich hat das erste Aufeinandertreffen von US-Präsidentschaftskandidaten in einer Fernsehdebatte eine große Bedeutung. In den bisher elf Wahlkämpfen, in denen es zu Fernsehduellen kam, wurde in neun Fällen der in der ersten Debatte als Sieger empfundene Kandidat zum Präsidenten gewählt.

Nur Jimmy Carter 1976, Ronald Reagan 1984 und Barack Obama 2012 konnten eine Niederlage im ersten Duell noch einmal wettmachen.

„Die erste Debatte hat normalerweise dann eine große Bedeutung, wenn ein Kandidat etwas beweisen muss oder das Rennen eng ist“, schrieb die Zeitung „USA Today“ am Montag. „Bei keiner Präsidentschaftswahl in drei Jahrzehnten – seit Jimmy Carter und Ronald Reagan ihre einzige Debatte eine Woche vor dem Wahltag abhielten – hatte ein TV-Duell ein solch hohes Potenzial, die Wahl zu beeinflussen.“

+++ 22:54 Verluste an Wall Street vor Fernsehdebatte +++

Kursverluste bei Bankenwerten und die Zurückhaltung der Anleger vor einer Fernsehdebatte der beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten haben die Wall Street belastet. Der Dow Jones schloss 0,91 Prozent tiefer bei 18 094 Punkten. Gespannt warten die Investoren darauf, wer aus dem TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump als Sieger hervorgeht. Grundsätzlich sind sich viele Analysten einig, dass ein Wahlerfolg des Populisten Trump das größere politische und wirtschaftliche Risiko mit sich brächte.

+++ 10:00  bisheriger Höhepunkt des US-Wahlkampfs +++

Dieser Abend wird in die amerikanische Fernsehgeschichte eingehen: Beim TV-Duell von Hillary Clinton und Donald Trump werden höchste Einschaltquoten erwartet. Zwar gibt es noch zwei weitere Fernsehbegegnungen der beiden US-Präsidentschaftskandidaten – doch der erste Eindruck wird zählen.

Donald Trump – bekannt vor allem als Host seiner Reality TV-Show – muss den Wählern beweisen, dass er die nötige Ernsthaftigkeit und den politischen Tiefgang für das Amt des US-Präsidenten hat. Hillary Clinton, deren politische Professionalität außer Frage steht, wird versuchen, sympathisch und vertrauenswürdig auf diejenigen zu wirken, die ihr wegen Fehlern in der Vergangenheit misstrauen.

90 Minuten wird die Redeschlacht dauern und es wird um drei Themenbereiche gehen: Wirtschaftspolitik („Achieving Prosperity“), Sicherheitspolitik („Securing America“) und die generelle Ausrichtung des Landes („America’s Direction“), berichtete die „Frankfurter Allgemeine“. Moderiert wird das TV-Duell von Lester Holt, einem 57-jährigen Moderator von NBC News. Auch er wird unter enormem Druck stehen, da er die Kontrolle behalten und als objektiver Schiedsrichter agieren soll.

Die erste Frage wird laut DPA an Clinton gehen. Sie wird zwei Minuten sprechen dürfen, danach ist Trump an der Reihe. Anschließend sollen beide für zehn Minuten miteinander diskutieren. Dann kommt der nächste Block.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Über die Vorbereitung der Kandidaten auf das Duell wurde nur wenig bekannt – doch all dies gehört zur psychologischen Kriegsführung. Clinton soll sich ausgiebig mit Fakten- und Zahlenstudium vorbereitet haben, um ihre Überlegenheit auf diesem Gebiet zu demonstrieren und mögliche Falschangaben ihres Gegners entlarven zu können. Gleichzeitig soll sie mit einem Trump-Double ausgiebig geübt haben, um auf alle möglichen persönlichen Attacken vorbereitet zu sein. Ihr langjähriger Berater Philippe Reines soll diese Rolle gespielt haben und auch Bill Clinton soll seine Frau im Vorfeld beraten haben.

Aus Trumps Kreis heißt es, der Milliardär mit 13 Jahren Fernseh-Erfahrung habe sich bewusst nicht auf diese Weise vorbereitet, „er verlöre sonst die Spontaneität“. Er habe aber mit wechselnden Beraterteams politische Diskussionen geführt, Ideen gesammelt und Clintons schwache Momente anhand von Videos früherer Debatten studiert, berichtete AP. Der improvisatorische Ansatz Trumps ist potentiell riskant, weil er als uninformiert in Sachfragen dastehen könnte, ein negatives Image, dass die Clinton-Seite zu vertiefen suchen wird.

Amerikanische Medien beleuchteten im Vorfeld aber auch, welche Kleinigkeiten in vergangenen TV-Duellen die große psychologische Wirkung ausmachten: Die Mimik, ein Seufzer, ein Blick auf die Uhr …

Übertragen wird das Duell von zwölf Fernsehsendern und auch auf Youtube, Facebook, Twitter und in anderen Social-Media-Diensten wird es live zu sehen sein.

Mehr als tausend Journalisten werden am Campus der New Yorker Hofstra University vor Ort sein. In Sekundenschnelle werden sie das Gesagte zerlegen, sich die Einzeiler für die schnelle Verbreitung im Internet herauspicken, was eine enorme Medienwirkung entfalten wird.

EPOCH TIMES wird ab 3.00 Uhr MESZ im Live-Ticker berichten.