Verbindungen zu syrischen Kopfabschneidern – Fotograf des „Jungen aus Aleppo“ steht im Fokus

Fotograf Raslan, der in Aleppo den Jungen Omran filmte, steht offenbar in Verbindung zu syrischen "moderaten" Rebellen. Ein Facebook-Foto zeigt Raslan mit Männern, die unlängst einen Palästinenser-Jungen vor laufender Kamera enthaupteten.

Das Foto des kleinen Omran aus Aleppo ging um die Welt. Mahmoud Raslan, Fotograf in Syrien und Mitglied des „Aleppo Media Center“ – einer syrischen Aktivistengruppe – , hat den Jungen gefilmt.

Der Bub wurde vor wenigen Tagen nach einem Luftangriff in Aleppo mit blutender Stirn, unter Schock und mit leerem Gesichtsausdruck aus einem Gebäude gerettet und in einem Krankenwagen gesetzt. (Siehe: Helfer: „Jeden Tag Dutzende Omrans in Aleppo“ und „Tragödie von Jungen aus Aleppo von Medien instrumentalisiert“: Moskau dementiert Luftschlag auf Wohnviertel)

Das Bild des Kindes wurde von den Medien zum Symbol des Syrien-Krieges erhoben. Aktuell herrscht besonders um Aleppo mediales Interesse, da sich in der strategisch wichtigen Stadt eine humanitäre Katastrophe abspielt.

Aleppo-Fotograf und Kopfabschneider-Rebellen

Mahmoud Raslan wurde dabei fotografiert, wie er mit knallblauem T-Shirt den Jungen im Krankenwagen filmte. Jetzt steht der Fotograf erneut im Fokus.

Im Netz verbreiten sich einige Bilder, auf denen Raslan mit Männern abgelichtet ist, die offenbar einen zwölfjährigen Palästinenser enthauptet haben. (Siehe: Vor laufender Kamera: Mit USA verbündete „moderate Rebellen“ enthaupten palästinensisches Kind)

Blogger hatten die Bilder entdeckt, die „Süddeutsche Zeitung“ griff die Story auf. Die Echtheit der Bilder kann nicht belegt werden. Es gibt derzeit aber auch keine Hinweise auf eine Montage.

Mahmoud Raslan veröffentlichte das Foto am 5. August auf seinem Facebook-Konto. Auf dem Bild ist er mit demselben blauen T-Shirt zu sehen. Im Hintergrund stehen sieben Männer, die für die Oppositionsgruppe, die Zenki-Miliz, kämpfen. Die Anhänger dieser Miliz werden im Westen als „moderate“ Rebellen bezeichnet und teilweise von westlichen Regierungen finanziell unterstützt.

عندما تشاهد القادة في الصف الأول فعلم ان النصر آت بإذن الله من حلب المحاصرة وفي داخلها كلهن مشحورين 󾌴󾌴󾌴

Posted by Mahmoud Rslan on Freitag, 5. August 2016

Das Problem ist aber, dass die Männer, mit denen Raslan fotografiert wurde, auch in einem Handyvideo zu sehen sind, das Ende Juli international für Aufsehen sorgte. In dem Video haben die Männer einem kleinen Jungen, etwa zehn bis zwölf Jahre alt, auf der Ladefläche eines roten Pick-Ups den Kopf abgeschnitten. Sie hatten ihm vorgeworfen, ein Anhänger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu sein. Twitter-Nutzer und Blogger haben die beiden Fotos nun verglichen und kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um die selben Männer handelt.

Nach der Enthauptung des Kindes habe die Zenki-Miliz von einem „individuellen Fehlverhalten“ gesprochen, berichtet die „Morgenpost“. Doch einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zufolge, seien Taten wie diese kein Einzelfall. In einer Beweissammlung mit dem Titel „Torture Was My Punishment“ (Folter war meine Bestrafung) hätten Zeugen unter anderem von Folterungen erzählt, so die Zeitung. Demnach seien diese Methoden auch von den „moderaten“ Rebellen durchgeführt worden. Darunter auch die Zenki-Miliz.

Raslan veröffentlichte das Bild mit den Rebellen nur wenige Tage nach der Enthauptung des Kindes. Syrische Aktivisten halten es für kaum denkbar, dass Raslan nichts von der Enthauptung des Jungen gewusst hat.

Bruder des „Jungen von Aleppo“ nach Angriff gestorben

Der ältere Bruder von Omran ist nach dem Angriff am Mittwoch seinen Verletzungen erlegen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Der Zehnjährige war wie Omran bei bei dem Angriff verletzt worden, sagte Raslan der Agentur. Nun sei er wegen der schweren Wunden im Bauchbereich gestorben.

Raslan habe die Familie getroffen und ihr sein Beileid ausgedrückt. Dem Fotografen zufolge war der Junge am Freitag nach einer Operation noch stabil. Sein Zustand habe sich am Samstag allerdings drastisch verschlechtert. (so/dpa)