Wikileaks zu Afghanistan-Bombe: „USA zerstört Tunnel, die von CIA gebaut wurden“

Die USA sind stolz darauf, in Afghanistan einen Tunnelkomplex zerstört zu haben, dessen Aufbau einst von der CIA finanziert wurde. Auch die Vergangenheit von Trumps Verteidigungsminister Mattis ist vor diesem Hintergrund interessant.

„Die Tunnels, welche die USA in Afghanistan bombardiert haben? Waren von der CIA gebaut“. Das twitterten Wikileaks und Ex-Agent Edward Snowden und verwiesen auf einen Artikel der „New York Times“ von 2005. Am Donnerstag hatte Amerika seine größte nicht-nukleare Bombe auf einen IS-Stützpunkt in Afghanistan abgeworfen – die sogenannte MOAB-Bombe tötete laut offiziellen Angaben 94 IS-Kämpfer.

Die „New York Times“ (NYT) brachte 2005 eine ausführliche Story über die Tora Bora-Höhlen, deren Ausbau vor Jahrzehnten von der CIA finanziert und vom späteren Top-Terroristen Osama Bin Laden geleitet wurde. Die USA halfen damals Dschihadisten in Afghanistan, sich gegen eine Übernahme durch die Russen zu wehren. Nachdem die Russen besiegt worden waren, traten die gleichen Personen international als „Al-Qaida“ in Erscheinung.

Die nun bombardierten Tunnels befanden sich 19 Kilometer von den Tora Bora-Höhlen entfernt. Es wird davon ausgegangen, dass sie mit dem Tunnelsystem von Tora Bora verbunden sind, an dessen Geschichte Snowden und Wikileaks mit folgendem NYT-Zitat erinnerten:

Als Bin Laden das erste Mal die Tora Bora-Höhlen sah, war er ein junger Mudschaheddin-Kämpfer, der gerade ein Studium in Bauingenieurswissenschaften abgeschlossen hatte. Es war vor etwa 30 Jahren [1985], während Washingtons erstem Krieg in Afghanistan, dem jahrzehntelangen, CIA-finanzierten Dschihad gegen die sowjetische Besatzung in den 80er Jahren.

Auf 4000 Meter Höhe, 56 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Dschalalabad, war Tora Bora eine Festung von schneebedeckten Gipfeln, steilen Tälern und befestigten Höhlen.

Ihre kilometerlangen Tunnels, Bunker und Basislager, die tief in die steilen Felswände gegraben waren, waren Teil eines CIA-finanzierten Komplexes, der für die Muschaheddin gebaut worden war. Bin Laden hatte Dutzende Bulldozer und anderes schweres Gerät aus dem Bauimperium seines Vaters eingeflogen – die saudische Binladin Group war eines der wohlhabendsten Bauunternehmen in Saudi-Arabien und am ganzen Persischen Golf. Laut einer oft erzählten Geschichte fuhr bin Laden selbst mit einem Bulldozer über die steilen Berggipfel und habe dort Verteidigungstunnel und Lagerdepots angelegt.“

Laut „NYT“ verbargen sich in den Höhlen im Jahr 2001 schätzungsweise 1.500 bis 2.000 Kämpfer.

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Ein undurchdringliches Labyrinth“

Nach der Zerstörung des World Trade Centers wurde Bin Laden zum meistgesuchten Terroristen der Welt. Er nahm in Tora Bora Zuflucht, weil er den Ort wie seine Westentasche kannte. Die NYT-Autorin Mary Anne Weaver „fragte Masood Farivar, einen ehemaligen Khalis-Offizier, der in Tora Bora während des Dschihad gekämpft hatte“ warum die Höhlen so wichtig waren. Er antwortete: „Sie sind schroff, respekteinflößend und isoliert.“

„Wenn du sie kennst, kannst du mit Leichtigkeit kommen und gehen. Fall du sie nicht kennst, sind sie ein undurchdringliches Labyrinth. Sie reichen an einigen Stellen bis auf 14.000 Meter Höhe und die Sowjets haben sie 10 Jahre lang mit allem, was sie hatten, beschossen, aber absolut ohne Erfolg. Ein weiterer Grund, warum sie so wichtig sind, ist ihre Nähe zur Grenze und nach Pakistan.“

(Eine indische Website behauptet übrigens, dass bei dem aktuellen Angriff nicht nur 94 IS-Dschihadisten ums Leben kamen, sondern insgesamt rund 500 Personen. Die anderen 400 seien pakistanische Streitkräfte gewesen, welche die IS-Leute unterstützen. Zivilisten hätten sich nicht in dem Gebiet befunden)

Doch zurück zu den Höhlen und

Trumps Verteidigungsminister

Die Vergangenheit von Donald Trumps Verteidigungsminister James „Mad Dog“ Mattis ist in diesem Zusammenhang besonders interessant. Der General gehörte zu denjenigen, die mit der Tötung Bin Ladens beauftragt waren. Er wollte die Tora Bora-Höhlen zerstören – durfte aber nicht.

Der NYT-Artikel von 2005 schreibt: „Brig. Gen. James N. Mattis … war gemeinsam mit einem anderen Offizier, mit dem ich sprach, überzeugt davon, dass … er die Bin Laden-Höhle umzingelt und abgeschnitten haben könnte… Er argumentierte stark, dass man ihm hätte erlauben sollen, zu den Tora Bora-Höhlen vorzurücken.“

Diese Wunsch des Generals wurde jedoch abgelehnt und die Entscheidung, Bin Laden nicht in Tora Bora zu schnappen, wurde später als „einer der größten militärischen Fehler der Bush-Regierung“ eingestuft. Bin Laden flüchtete aus Tora Bora am 16. Dezember 2001.

CBS berichtete nun, der Luftschlag mit der 11-Tonnen-Bombe am Donnerstag habe mehrere Höhlen des IS zerstört. Der Sender befragte auch einen Sachverständigen, der sagte, die USA würden mindestens 14 weitere MOAB-Bomben besitzen und seien bereit, all diese Höhlensysteme in Schutt und Asche zu legen.

Der Preis einer MOAB-Bombe liegt laut Wikipedia bei 16 Millionen US-Dollar.

Mehr über die Bombe: