Ökonomen: „Nächste Finanzkrise ist unvermeidlich“ – Euro wird kollabieren

Die Weltwirtschaft steuere der nächsten Finanzkrise entgegen, meinen 18. Wirtschaftsnobelpreisträger. Der Euro sei dabei gegen eine Krise nicht gewappnet und werde höchstwahrscheinlich kollabieren, so die Ökonomen.

„Es wird mit großer Sicherheit eine Finanzkrise in nicht allzu ferner Zukunft geben“ – so äußert sich der Ökonom Edward Prescott. Prescott erhielt 2004 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Prescott ist nicht der Einzige, der vor der nächsten Finanzkrise warnt. Gut laufende Börsen und eine stabile Konjunktur würden den Menschen ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln – der nächste Crash sei aber unvermeidbar, so das Ergebnis einer „Welt“-Umfrage unter 18 Wirtschaftsnobelpreisträgern.

„Nächste Finanzkrise ist unvermeidlich“

Das Risiko eines neuen Finanzcrashs sei aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Der globale Terrorismus und andere weltweite Probleme beherrschten die Schlagzeilen – die wirtschaftlichen Probleme und ein Zusammenbruch des Finanzsystems blieben außen vor.

Dabei sei das Risiko eines Finazkollaps hoch und man könne sich nicht gegen ihn wappnen, betonen die Ökonomen. „Die Finanzrisiken bewegen sich wie Elektrizität in einem riesigen Netzwerk“, meint Daniel McFadden, Laureat des Jahres 2000. Deswegen werde es im Finanzsystem immer wieder zu Kurzschlüssen kommen: „Wir haben gar nicht die notwendigen Instrumente, um diese Instabilitäten zu überwachen, regulieren und zu managen. Deshalb ist die nächste Finanzkrise unvermeidlich“, so McFadden.

Um den Euro steht es schlecht

Was den Euro betrifft: Er könne nur überleben, wenn es nicht nur eine einheitlich Geldpolitik gebe, sondern auch eine einheitliche Fiskalpolitik, erklärt Eric Maskin, Laureat des Jahres 2007. Genauso wie er sieht es auch die Mehrzahl der befragten Nobelpreisträger.

Ökonom Prescott sieht für den Euro hingegen schwarz: „Ich bin sehr pessimistisch für den Euro. Die Frage ist eigentlich nur, wie viel Schaden er dem Euro-Raum vor seinem Kollaps zufügen wird.“

Die EU-Mitgliedsstaaten sollten deshalb ihre Souveränität über Finanzangelegenheiten behalten. Sie könnten ihre Nationalwährungen wieder einführen und an eine stabile Währung koppeln und anpassen – Prescott schlägt dafür die D-Mark vor. „Einige Staaten werden sich nie an die Budgetregeln halten. Im Extremfall muss auch eine Staatspleite möglich sein“, so Prescott.

Ein Experte sieht die Zukunft des Euros jedoch optimistisch. „Die Gemeinschaftswährung könnte sich gut entwickeln, vor allem, weil Amerika im globalen Währungswettbewerb durch Missmanagement des Dollar herausstechen wird“, meint Vernon Smith, Nobelpreisträger des Jahres 2002.

Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften

Die klügsten Köpfe der Ökonomie kommen diese Woche in Lindau am Bodensee zusammen. Die 18. Nobelpreisträger treffen dabei auf 350 Nachwuchsökonomen aus 66 Ländern, heißt es auf der Webseite der „Lindauer Nobelpreisträgertagung“. Bei der 6. Lindauer Tagung der Wirtschaftswissenschaften werden sie nicht nur die neuesten Entwicklungen in der Ökonomie besprechen, sondern auch die akuten Probleme diskutieren.

(as)