Gammelfleischskandal: Erste Länder stoppen Fleischimporte aus Brasilien

Nach der Aufdeckung eines Gammelfleischskandals in Brasilien stoppen China und Chile ihre Importe aus dem Land. Die EU möchte eine Garantie von den brasilianischen Behörden haben, dass kein verdorbenes Fleisch in den Fleischimporten enthalten ist.

Nach der Aufdeckung eines Gammelfleischskandals in Brasilien stoppen mehrere Länder ihre Importe aus dem Land. Das brasilianische Landwirtschaftsministerium teilte am Montag mit, dass China als zweitwichtigster Abnehmer von Rind- und Geflügelfleisch Einfuhren aus Brasilien gestoppt habe. Ähnlich reagierte Chile. Die Europäische Union forderte von den brasilianischen Behörden eine Garantie, kein verdorbenes Fleisch zu erhalten.

Die Behörden müssten sicherstellen, dass in den Skandal verstrickte Firmen kein Fleisch in die Europäische Union liefern, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Ihnen müsse die Exportgenehmigung für die EU entzogen werden. Von den 21 Kühlhäusern, denen Unregelmäßigkeiten vorgeworfen werden, dürfen vier Produkte nach Europa exportieren.

Zuvor hatte sich die brasilianische Regierung um Schadensbegrenzung bemüht. Die Vorwürfe beträfen nur „sehr wenige Betriebe“, und die brasilianische Fleischindustrie stelle kein größeres Problem dar, sagte Präsident Michel Temer am Sonntag bei einem Krisentreffen. Er lud eine Reihe von Botschaftern wichtiger Absatzmärkte zum Steak-Essen ein.

Der Skandal habe zwar „große Besorgnis“ ausgelöst, gestand Temer in einer Ansprache vor den Botschaftern ein. Verdorbenes Fleisch und gefälschte Zertifikate habe es aber nur in „sehr wenigen Betrieben“ gegeben. Brasiliens Inspektionssystem sei „eines der respektiertesten“ der Welt, versicherte Temer. „Ich möchte unser Vertrauen in die Qualität unserer Produkte betonen.“

Die Affäre war am Freitag nach zweijährigen Ermittlungen der Polizei publik geworden. Dutzende Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Mindestens 30 Menschen wurden bereits festgenommen, drei Betriebe mussten schließen.

Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Rind- und Geflügelfleisch und liefert in 150 Länder. Zu den größten Abnehmern gehören Saudi-Arabien, China, Japan, Russland und Italien. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr nach vorläufigen Angaben des Landwirtschaftsministeriums gut 114.282 Tonnen Fleisch aus Brasilien eingeführt.

Umfangreiche Details zu den verdorbenen Produkten gaben die Behörden bislang nicht heraus. Es sollen in einigen Fällen aber krebserregende Stoffe beigemischt worden sein, um den Geruch des verdorbenen Fleisches zu überdecken. Für Verunsicherung bei den Verbrauchern sorgten außerdem Berichte, dass einigen Hühnerfleischprodukten Pappe beigemischt wurde.

Das wiederum wies der von den Ermittlungen betroffene Großkonzern BRF zurück. Es habe ein „Missverständnis“ bei den Audioaufnahmen der Polizei gegeben, erklärte der Konzern. BRF startete Werbeanzeigen, um auf seine ungefährlichen Produkte hinzuweisen. Auch das betroffene Unternehmen JBS schaltete Anzeigen. (afp)