Einstürzende Häuser und eingeschlossene Flutopfer – Wetterdienst warnt vor neuen Unwettern

Epoch Times16. Juli 2021 Aktualisiert: 16. Juli 2021 14:40

Als Zeichen der Trauer wegen der Unwetterkatastrophe werden die Flaggen an öffentlichen Gebäuden in Rheinland-Pfalz am Freitag auf Halbmast hängen. Das teilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Donnerstag mit, nachdem sie sich mit Landesinnenminister Roger Lewentz und Vizekanzler Olaf Scholz (alle SPD) in der besonders betroffenen Region Ahrweiler ein Bild von der Lage gemacht hatte.

Unterdessen hat sich im nordrhein-westfälischen Erftstadt hat die Lage wegen der Unwetterkatastrophe dramatisch zugespitzt. Wegen schneller und massiver Unterspülungen gebe es eine Reihe von vollständigen und teilweisen Einstürzen von Häusern, teilte die Bezirksregierung in Köln am Freitag mit. Es würden „etliche Personen“ vermisst, die Infrastruktur sei ausgefallen, Krankenhausbetriebe seien nicht mehr möglich. Mehrere Pflegeheime müssten geräumt werden.

Aus den Häusern erfolgten immer wieder Notrufe von eingeschlossenen Menschen, da diese trotz Warnungen wieder in das Schadensgebiet zurückgekehrt seien oder es nicht verlassen hätten.

Die Bezirksregierung schickte in Abstimmung mit dem nordrhein-westfälischen Innenministerium einen Erkundungstrupp des Katastrophenschutzes in den Rhein-Erft-Kreis, zu dem Erftstadt gehört. Wie die Bezirksregierung erklärte, könnten nur teilweise Menschen mit Booten oder Strömungsrettern gerettet werden. In vielen Fällen sei eine Rettung nicht möglich. Der Einsatz werde durch einen Gasaustritt, der sich nicht abstellen lasse, stark gefährdet.

Eine Sprecherin der Kölner Bezirksregierung sprach am Freitag von „bestätigten“ Todesfällen, konnte zu den genauen Umständen aber noch keine Angaben machen, weil aktuell kaum Kommunikation mit dem betroffenen Gebiet möglich sei. In der Ortslage gab es durch die schweren Unwetter massive Unterspülungen und Hauseinstürze.

Katastrophenschutztrupp losgeschickt

Laut der Sprecherin wurde ein Katastrophenschutztrupp losgeschickt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Bereits am frühen Morgen teilte die Bezirksregierung mit, dass der Betrieb der Krankenhäuser vor Ort wegen der „massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen“ nicht mehr möglich sei und mehrere Pflegeheime evakuiert würden. Aus den Häusern erfolgten demnach immer wieder Notrufe, weil Menschen trotz Warnung zurück ins hoch gefährliche Schadensgebiet gekehrt seien oder es nicht verlassen hätten.

Bei den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben bereits mehr als 80 Menschen. Es handelt sich um eine der größten Unwetterkatastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland. Obwohl die Rettungsmaßnahmen noch voll im Gange waren, lag die Zahl der Toten bereits deutlich höher als beim sogenannten Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.

Einsatzkräften von Sanitätsdienst, Feuerwehr, DLRG und Technischem Hilfswerk im Einsatz

Die Landesregierung von Baden-Württemberg unterstützt die Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz mit rund 600 Einsatzkräften von Sanitätsdienst, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Derzeit seien hundert Krankenwagen, 15 Hochwasserzüge der Feuerwehr und ein Polizeihelikopter mit Höhenrettern im Einsatz, teilte das Innenministerium am Freitag in Stuttgart mit.

Das Hochwasser habe „eine Schneise der Verwüstung hinterlassen“, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU). In dieser Lage sei es „selbstverständlich, kräftige und entschlossene Hilfe zu leisten“.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) unterstützt die Hochwassergebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit rund 840 ehrenamtlichen Helfern. Unter diesen seien auch auf strömende Gewässer, Wildwasser und Hochwasser spezialisierte Strömungsretter, wie die DLRG am Freitag in Bad Nenndorf mitteilte. Diese und die anderen Helfer würden Bewohner in Sicherheit bringen, in Not geratene Menschen retten und Deiche vor den Wassermassen verteidigen.

Die Lage vor Ort sei „wahrlich dramatisch“, erklärte DLRG-Präsident Achim Haag. Für den Verband sei es „eine der größten Herausforderungen in seiner Geschichte“. Die 41.000 DLRG-Rettungsschwimmer seien derzeit an den Badestellen gefordert wie zu keiner Zeit sonst im Jahr – „und jetzt kommt diese Katastrophe“.

Wetterdienst warnt vor neuen Unwettern

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor neuen Unwettern. Am Freitag gebe es in einem breiten Streifen vom Süden und Südwesten bis in den Nordosten gebietsweise Gewitter mit Starkregen mit 20 Liter pro Quadratmeter „in kurzer Zeit“, wie die Behörde am Freitagmorgen in ihrem Warnlagebericht mitteilte. Besonders betroffen könnten laut Warnkarte die Landkreise Kaiserslautern, Kusel, Bad Kreuznach, Alzey-Worms, Bingen-Mainz sowie der Donnersbergkreis sein – allesamt in Rheinland-Pfalz.

Im Nordosten seien auch einzelne Sturmböen möglich. Lokale Unwetter mit Regenmengen um 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit seien nicht ganz ausgeschlossen. In der Nacht zum Samstag klängen die Gewitter nur zögerlich ab. Besonders zu Beginn der Nacht gebe es noch punktuell Starkregen, so der Wetterdienst.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dringt auf Hilfe des Bundes zur Bewältigung der Folgen der Unwetterkatastrophe. „Das Leid ist groß in unserem Bundesland. Unser Bundesland hat so etwas noch nie gesehen“, sagte Dreyer am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Es sei klar, dass diese Katastrophe nicht alleine durch das Bundesland zu stemmen sei, erst Recht nicht durch die Kommunen. „Es ist ein langer Weg. Auch ein teurer Weg.“

Dreyer nannte es „beruhigend“, dass die Bundesregierung aber bereits Hilfe zugesagt habe.  (dts/afp)



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