China Tribunal: Zeugen legen Beweise für Organraub an Lebenden durch KP-Regime vor + Video

Epoch Times9. April 2019 Aktualisiert: 15. April 2019 12:13
Das China Tribunal ist mit der ersten unabhängigen Untersuchung des Organraubs an Lebenden in China beauftragt. Die jüngsten Anhörungen im April erhärteten den Verdacht, dass die KP China lebende Gewissensgefangene als Organbank nutzt.

Von 6. bis 7. April sagten zwei Dutzend Zeugen, darunter Überlebende aus Chinas Gehirnwäschezentren, Forscher, Mediziner und Journalisten aus der ganzen Welt, vor dem „China Tribunal“ in London aus. Das unabhängige Tribunal veranstaltet regelmäßige Anhörungen in London und sammelt Beweise für die Massentötung von Gewissensgefangenen in China wegen ihrer Organe. Unter den Zeugen waren Uiguren, die in China als ethnische Minderheit verfolgt werden und Praktizierende der Meditationspraxis Falun Gong.

Die Anhörungen waren eine Fortsetzung vom letzten Jahr. Nach der dreitägigen Veranstaltung im Dezember 2018 verabschiedeten die Mitglieder des Tribunals ein Zwischenurteil. Darin kamen sie zu dem vorläufigen Ergebnis, dass der Organraub an Gewissensgefangenen in China „in erheblichem Umfang“ stattfindet.

Der Vorsitzende des China Tribunals, Sir Geoffrey Nice, QC ist bekannt dafür, das Verfahren gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Internationalen Strafgerichtshof geleitet zu haben. Außer ihm besteht das Gremium aus sieben weiteren Experten, darunter Professoren, Rechtsanwälten und ein Historiker.

Bluttests im großen Stil

Mehrere Verfolgte die aus China geflohen sind, bestätigten vor dem Tribunal, dass ihnen während ihrer Inhaftierung Blut abgenommen wurde und verschiedene medizinische Tests durchgeführt wurden, darunter auch Mihrigul Tursun.

Die Uigurin sagte bereits im letztes Jahr vor einem Komitee des US-Kongresses aus, wie sie in einem Internierungslager im Nordwesten von Xinjiang gefoltert und misshandelt wurde. Per Videoübertragung bestätigte sie am 7. April bei der Anhörung, dass sämtliche Häftlinge des Lagers genauen Gesundheitschecks unterzogen wurden, einschließlich Bluttests und Ultraschall.

Laut Schätzungen des US-Außenministeriums sowie anderen internationalen Experten werden derzeit im Rahmen einer Kampagne zur Bekämpfung „extremistischer Bedrohungen“ mehr als 1 Million Uiguren, ethnische Kasachen und andere muslimische Minderheiten in einem riesigen Netzwerk von Internierungslagern in Xinjiang gefangen gehalten.

„Ich dachte, ich muss sterben“

Tursun berichtete zudem davon, wie sie im April 2017 drei Tage lang verhört und gefoltert wurde. Anschließend wurde sie mit Kapuze, Handschellen und Fesseln in den Untersuchungsraum eines Krankenhauses gebracht. „Sie haben mir zweimal Blut aus dem Arm abgenommen, aber ich kann nicht sagen wieviel“, so die Uigurin, die einen Dolmetscher an ihrer Seite hatte. Auch hätten sie Blutdrucktests und andere medizinische Tests durchgeführt, um ihr Herz zu untersuchen.

Sie ist dann in einen dunklen Raum geführt worden, der sich ihrer Einschätzung nach im Keller des Krankenhauses befand. In diesem Raum entfernten ihr die Täter die Kapuze und Fesseln und zogen sie nackt aus. Sie befestigten medizinische Geräte an ihrem Brustkorb und führten weitere Untersuchungen durch.

Danach befeuchteten sie Tursuns Stirn, Schultern, den Brustbereich unter ihrem Herzen sowie beide Beine mit einer Flüssigkeit und setzten sie in einen gläsernen medizinischen Apparat, in dem sie zum Rotieren gebracht wurde und laut von eins bis zehn rufen musste.

Ich hatte große Angst, als sie mich in diesen Apparat steckten. Ich dachte, sie würden mir meine Organe rausnehmen. Ich dachte, ich muss sterben“, übersetzte der Dolmetscher der Uigurin.

Im Inneren der Maschine konnte sie nicht hören, was um sie herum vorging.

Auch die uigurische Frau, Gulbahar Jelilova, bestätigte bei der Anhörung am 6. April, dass regelmäßige Blut- und Ultraschalltests während ihrer Haftzeit durchgeführt wurden. Im Jahre 2017 durchlief sie drei Einrichtungen in Xinjiang während ihrer mehr als eineinhalbjährigen Haft.

Uiguren die neue Quelle für Organe?

Der Präsident des Weltkongresses der Uiguren, Dolkun Isa, sprach am 7. April ebenfalls vor dem Tribunal. Seiner Aussage zufolge liegen der Organisation Beweise aus erster Hand von uigurischen Ex-Häftlingen vor, die medizinische Untersuchungen in großem Umfang belegen. Zudem gibt es Zeugenaussagen, die bestätigen, dass Häftlinge aus Zellen herausgeholt wurden und nie wieder zurückkehrten.

Isa berichtete zudem von einem groß angelegtem Projekt, bei dem 11 Millionen Uiguren außerhalb von Haftanstalten körperlich untersucht wurden. 2016 starteten chinesische Behörden das Projekt, bei dem auch Blutuntersuchungen stattfinden.

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Ethan Gutmann, China-Analyst und Ermittler, bestätigte die Uiguren-Krise bei der Anhörung am 7. April:

Derzeit sitzen rund anderthalb Millionen Uiguren in Haft, bei denen eine Blutuntersuchung durchgeführt wurde und über deren Verbleib die Familien nichts mehr wissen.“

Laut  Gutmann deuten Indizienbeweise darauf hin, dass das chinesische Regime neben Falun Gong-Praktizierenden vermehrt Uiguren als Quelle für Organe ins Visier nimmt. Es gebe Berichte über DNA-Tests, die in Wohnungen und Häusern von Uiguren in Xinjiang durchgeführt wurden, so Gutmann. Zudem werde gerade ein großes Krematorium in der Region gebaut sowie spezielle Fahrspuren eingerichtet, mit denen transplantierte Organe vom Krankenhaus schnell zum lokalen Flughafen gebracht werden können.

Hauptquelle der Organe: Falun Gong-Praktizierende

Im Jahr 2016 verfasste Gutmann gemeinsam mit dem kanadischen Menschenrechtsanwalt David Matas und dem ehemaligen kanadischen Staatssekretär für die Region Asien-Pazifik David Kilgour einen ausführlichen Untersuchungsbericht, der die große Diskrepanz zwischen Chinas offiziellen Transplantationszahlen und der Anzahl der tatsächlich in Krankenhäusern durchgeführten Transplantationen aufzeigt.

Eine Analyse öffentlich dokumentierter Zahlen von 712 chinesischen Krankenhäusern, die Leber- und Nierentransplantationen durchführen, ergab eine Zahl von jährlich 60.000 bis 100.000 Transplantationen statt der offiziell gemeldeten 10.000 bis 20.000 pro Jahr.

Die hohe Anzahl von Transplantationen ist nur durch Zwangsorganentnahmen an Gewissensgefangenen möglich, ist das Fazit des Berichts. Betroffen sind vor allem Praktizierende von Falun Gong (auch bekannt als Falun Dafa), aber auch Uiguren, tibetische Buddhisten und einige Hauschristen sind demnach Opfer geworden.

Die Beweise, dass dieser schreckliche Organhandel in China stattfindet, sind überwältigend, und er nimmt weiter zu“, sagte Kilgour am 7. April vor dem Tribunal.

„Zudem gab es bislang keinen ernsthaften Versuch [des chinesischen Regimes], unsere Anschuldigungen zu widerlegen.“

Mehrere Falun Gong-Praktizierende, die bei den Anhörungen im Dezember und April aussagten, weil sie wegen ihres Glaubens festgenommen wurden, berichteten von Folterungen in Chinas Arbeitslagern und Gefängnissen. Alle sprachen zudem von körperlichen Untersuchungen während der Haft. Die Praktizierende Feng Hollis, die 2005 verhaftet wurde, sagte im Dezember aus, dass sie niemals verstanden habe, warum sie einerseits medizinisch untersucht andererseits aber gefoltert wurde.

Verdächtige Daten

Drei Forscher, die eine beispiellose Studie über Chinas offizielle freiwillige Organspender-Zahl durchführten, berichtete dem Tribunal am 7. April, dass ihrer Analyse nach die offiziellen Daten interessanterweise mit einer grundlegenden mathematischen Gleichung übereinstimmen. Sie gehen davon aus, dass die Zahlen fabriziert sind.

Wir haben viele Anomalien gefunden, die schwer, wenn nicht gar unmöglich zu erklären sind, ohne den Schluss zu ziehen, dass die Daten manuell manipuliert wurden“, sagte Matthew Robertson, Co-Autor der Studie und Doktorand an der Australia National University.

In ihrer Studie untersuchten Robertson, der Statistiker Raymond Hinde und der Professor für Chirurgie an der Tel Aviver Universität Jacob Lavee Daten aus dem China Organ Transplant Response System (COTRS) sowie Zahlen vom Roten Kreuz und stellten fest, dass die Zahlen einer quadratischen Gleichung entsprachen und eine bestimmte Kurve ergaben.

„Das ist sehr ungewöhnlich, dass die Zahlen so gleichmäßig sind“, sagte Hinde. Ein Beispiel einer Anomalie, die auf mögliche Manipulation hindeutet, so Robertson, war, dass die Gesamtzahl der registrierten Organfreiwilligen, die vom Roten Kreuz Chinas veröffentlicht wurden, vom 30. Dezember bis 31. Dezember 2015 um genau 25.000 gestiegen ist.

„Wir können nicht viel mehr sagen, als dass es etwas verdächtig aussieht“, sagte er. Die Studie wird derzeit von einer wissenschaftlichen Zeitschrift geprüft und dann veröffentlicht.

Das Tribunal wird sein endgültiges Urteil am 17. Juni zu den Zwangsentnahmen von Organen in China veröffentlichen und feststellen, ob es sich dabei um ein internationales Verbrechen handelt, das immer noch stattfindet.

Vertreter Chinas kamen trotz Einladung nicht

Nach Aussage des Anwalts Hamid Sabi und Mitglied der Expertenkommission lud das Tribunal auch Vertreter des chinesischen Regimes zur Anhörung ein, erhielt aber keine Antwort. Eingeladen waren führende Beamte aus dem Gesundheitsbereich sowie Vertreter der chinesischen Botschaft in London.

 

Die NTD-Mitarbeiterin Jane Werrell hat zu diesem Artikel beigetragen.

Das Original erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von nh)
Originalartikel: Tribunal Hears Evidence on Forced Organ Harvesting in China