Slang-Ausdrücke navigieren durch die Internetzensur in China

Von 15. März 2010 Aktualisiert: 15. März 2010 3:45

Chinesische Netzbürger haben einen farbenprächtigen, manchmal auch farblosen neuen Weg gefunden, um ihrer Unzufriedenheit mit dem sozialen Dilemma in China Ausdruck zu verleihen. Dabei laufen sie weniger Gefahr, die rote Flagge zu sehen. Sie haben Slang-Internetausdrücke auf Englisch und Chinesisch erfunden.

Das verbale Geplänkel begann zu Anfang des Jahres 2009, als die Behörden eine Kampagne starteten, die sich „Sonderaktion gegen vulgäre Internetpraktiken“ nannte. Es handelte sich um eine Betrachtung über die jüngsten Maßnahmen, die Internetkontrolle in China zu verstärken. Viele Webseiten waren bereits aus dem Programm entfernt worden.

In einer Internetkommunikation erfand ein verärgerter Netzbürger ein Wortspiel, um seinen Zorn auszudrücken. Er glich einen Slang-Ausdruck einem Fluch im Chinesischen an: „CaoNiMa“ (wörtlich „grass mud horse“)

Was als sarkastischer Spaß begann, ertönte innerhalb einer Woche im ganzen Land. Die Mischform eines chinesischen Schriftzeichens wurde kreiert, das die Hälften von drei chinesischen Schriftzeichen zusammenfügte. Dadurch entstand eine Art lächerliches Schimpfwort. Durch den kreativen Geist der Leute entstanden in gemeinsamen Bemühungen Geschichten, Lieder und Webseiten. Jemand machte ein Video über ein südamerikanisches Alpaka.

Das „horse“ wurde bald ein Kultobjekt im Internet und war schnell als „Top Ten Mythische Kreaturen in China“ bekannt. Geschäftsmöglichkeiten gab es im Überfluss und die Kreatur fand ihren Weg in die Vermarktung. Die Skala reichte von ausgestopften Tieren bis zu Ballons, um Spiele auf Video aufzuzeichnen. Selbst Perspektiven in der Landwirtschaft wurden erforscht.

Netzbürger, inspiriert vom Trend, Slang-Ausdrücke zu gebrauchen, erfanden weitere Wortspiele wie zum Beispiel „Yakeshit“ – eine gigantische Eidechse, die auch zu den „Top Ten Mythischen Kreaturen in China“ gehört.

Das chinesische Schriftzeichen für „Yakeshit“ besteht aus drei Schriftzeichen „Ya-Ke-Xi“. Das bedeutete „gut“ oder „großartig“ auf Uigurisch und macht sich über das jüngste Programm „Die Parteipolitik Ya-Ke-Xi“ der Propagandasendungen der chinesischen Behörden lustig. Dieses Programm stellt die Dankbarkeit und Bewunderung der Xinjiang Uiguren für die Politik der KPCh zur Schau – ironischerweise direkt während die Nachwirkungen der jüngsten Maßnahmen der KPCh, die Region zu unterdrücken, noch deutlich spürbar sind.

Ein anderes Beispiel ist „DangZhongYang“ (privates Zentrum), das die drei chinesischen Schriftzeichen kombiniert, die für Zentralkomitee der KPCh stehen. Die verformten Schriftzeichen gleichen einem Paar Unterhosen.

Zu Beginn des Jahres 2010 erschienen auch englische Slang-Ausdrücke auf chinesischen Webseiten, wie zum Beispiel „Gunvernment“: gun + government oder totalitarian government; „Shamehai“: shame + Shanghai; „Antizen“: anti + citizen, ein abfälliger Ausdruck für gewöhnliche Leute und „Conferensleeping“: conference + sleeping , das übliche Phänomen, dass chinesische Beamte während der Konferenzen einschlafen.

Es gibt auch Hinweise auf bestimmte Ereignisse, wie zum Beispiel „Cheat miles per hour“: ein Hinweis auf einen Vorfall, bei dem ein Hochschulstudent getötet wurde, als ein Wagen mit 70 Meilen in der Stunde über eine Straße in Hangzhou raste. Der Fahrer, Sohn eines hochrangigen Beamten, wurde nicht belangt. „Siucided“: ein Hinweis auf Opfer, zu denen auch Falun Gong-Praktizierende gehören, die in Polizeihaft zu Tode gefoltert werden, während die Behörden behaupten, sie hätten Selbstmord begangen, „comitted suicide“.

Wieder andere weisen auf gesellschaftliche Realitäten hin, wie zum Beispiel „Faceblock“: Facebook + block oder die Realität des Facebook in China; „Democrazy“: democracy + crazy oder der Preis dafür, wenn man in China pro-demokratisch ist; „Freedamn“: freedom + damn (verdammt), ein Bezug auf den Status der Menschenrechte in China; „Harmany“: harm + many, ein Bezug auf die sogenannte „harmony“, die von der KPCh propagiert wird und „Propoorty“: property + poor, ein Hinweis auf die haushohen Wohnkosten in China.

Als Phänomen der gesellschaftlichen Basis ist dieser Internettrend mit dem „Weapons of the Week: Everyday Forms of Peasant Resistance“ (1985) von James. C. Scott verglichen worden.

Statt eine dämpfende Wirkung aufzuzeigen, wie es beabsichtigt war, haben die jüngsten Maßnahmen, die Internetkontrolle in China zu verstärken, einige Netzbürger dazu veranlasst, ihre kreative Energie im Netzwerk wirksam werden zu lassen. Sie vermeiden so die Zensur und lassen dennoch ihre Stimme im öffentlichen Leben erklingen.

Indem sie die Macht ihrer Beobachtungen miteinander teilen – einschließlich der nicht geringen ironischen Seiten des Lebens – sind sie immer noch in der Lage, der Welt ihre Ansichten mitzuteilen.

 

Originalartikel auf Englisch: Slang Expressions Navigate Through Internet Censorship in China

 

 

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN
Schlagworte