Anders als in Deutschland: "In Peking sieht man nur Menschen, einfach zu viele Menschen."Foto: Getty Images

Deutschland mit den Augen einer jungen Chinesin

Von 28. März 2005 Aktualisiert: 28. März 2005 0:10

Alle Welt redet von Chinas Wirtschaft, einer eher abstrakten Dimension. Hautnah können wir chinesisches Leben und Denken auch in Deutschland spüren, denn mehr und mehr Chinesen leben, arbeiten und studieren in Deutschland. Laut Aussage des chinesischen Botschafters sind es im universitären Bereich allein etwa 30.000, darunter sind etwa. 25.000 Studenten. Eine von ihnen ist Jenny Wu. Sie erinnert sich an ihre ersten Eindrücke von Deutschland nach ihrer Ankunft.

Erster Eindruck – Liebespaar, leere Strassen und rote Dächer

Als ich im September 1996 zu meinem Studium nach Deutschland flog, bemerkte ich den Unterschied zwischen China und Deutschland schon im Flugzeug. Neben mir saß ein junges Paar, sie hatten nach meiner damaligen Vermutung gerade ihre Hochzeitsreise nach China gemacht, denn sie saßen immerzu eng aneinander gelehnt, flüsterten miteinander und küssten sich, sie schienen sehr glücklich zu sein. Vor einigen Jahren noch ein sehr seltenes Bild im traditionsreichen China! Dort gingen die Verliebten höchstens Hand in Hand. Umarmen ist selten zu sehen. Küssen an einem öffentlichen Ort wäre eine Sensation.

So dachte ich, dass dieses Liebespaar gerade eine sehr glückliche Zeit erlebt haben musste, eben seine Hochzeitsreise. Jetzt weiß ich natürlich, dass die Deutschen völlig anders denken als wir und dass sie ihre Gefühle auch anders ausdrücken. Jetzt kann ich mir sogar vorstellen, dass die beiden sich gerade erst in China kennen gelernt hatten und überglücklich waren, weil sie im fernen Osten ihren idealen Partner gefunden hatten.

Mein Studienplatz war in Weimar. Wenn ich in Weimar durch die Straßen schlenderte, wunderte ich mich: Mein Gott, so still ist diese Stadt, wo bleiben die ganzen Bewohner? Natürlich sagte ich nicht „mein Gott“. In China ist das Christentum nicht vorherrschend wie in Europa. Aber wir sagen auch nicht „mein Buddha“, sondern „mein Himmel“. Der Himmel ist das Größte für uns.

Kein Wunder, dass ich auf den leeren Gassen in Weimar „mein Himmel“ gesagt habe. Vor wenigen Tagen war ich noch in Peking, einer chinesischen Zehn-Millionen Stadt. Auf der Strasse in Peking sieht man nur Menschen, einfach zu viele Menschen. Nun stand ich an einer Kreuzung in einer kleinen deutschen Stadt mit 62.000 Einwohnern, und sah in allen Richtungen höchstens zwei, drei Menschen laufen. Welch Kontrast.

Ich wohnte in Weimar in einem 11-stöckigen Plattenbau. Rund um uns waren nur traditionelle Häuser mit drei oder vier Stockwerken, sie hatten rote Schrägdächer. Rote Dächer gibt es in China nicht. Die traditionellen Häuser haben graue Dächer, außer den Palastgebäuden in der Verbotenen Stadt oder im Sommer Palast. Die Farbe der Dächer stellte im alten China den Rang der darin wohnenden Menschen dar. Nur Kaiser durften unter den gelben, besser gesagt, goldfarbenen Dächern wohnen. Die normalen Menschen nur unter grauen Dächern. Die roten Dächer beantworteten immer meine Frage „Bin ich wirklich in Deutschland?“, ja, sieh doch mal die Dächer an! Die sind ja rot!



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