Die roten Mönche und die alte Legende

Von 5. Juni 2021 Aktualisiert: 5. Juni 2021 19:22

Dieser Gastbeitrag ist der Originaltext zum Video: „Der Dialog zwischen Buddha Shakyamuni und dem Dämon Mara – eine Sage oder Pro­phe­zei­ung?“ vom YouTube-Kanal „Leas Einblick“

Letzten Mittwoch, am 26. Mai war ein Vollmondtag. 

Der Vollmondtag im Mai gilt als ein besonders heiliger Tag für Millionen Buddhisten auf der ganzen Welt, insbesondere in Südasien.

Nach buddhistischer Überlieferung ist Buddha Shakyamuni an einem Vollmondtag im Mai vor etwa 2.500 Jahren geboren. Ebenso ist er in einer Vollmondnacht im Mai zur Erleuchtung gekommen. Wiederum an einem Vollmondtag im Mai ist Buddha Shakyamuni ins Nirwana gegangen. 

Der erste Vollmondtag im Mai nennt sich unter den Buddhisten der Vesak-Tag. 

1999 wurde der Vesak-Tag von der UNO als offizieller weltweiter Feiertag anerkannt. Seitdem zelebrieren auch viele buddhistische Gemeinschaften in Europa diesen Tag. In vielen Ländern wie Indien, Nepal und Thailand beginnt der Vesak-Tag mit einem Umzug oder einer Fahnenprozession – auch in diesem Jahr.

Zu den festlichen Zeremonien an vielen Orten gehört auch das Gebet. So wie es in diesem Video gezeigt wird, saßen die Mönche vor einer großen Buddha-Statue und beteten gemeinsam.

In welchem Land dieser Erde leben aber die meisten Buddhisten? 

Denkt ihr gerade an Indien?

Nein, es ist nicht Indien, sondern China. 

Etwa die Hälfte der Gläubigen der buddhistischen Religionsgemeinschaft weltweit lebt in China – über 100 Millionen Menschen. Viele von ihnen gehören keiner bestimmten buddhistischen Schule an.

Doch die Bilder von den feierlichen Aktivitäten der chinesischen buddhistischen Verbände in diesem Mai stehen im krassen Kontrast zu den Bildern aus Chinas Nachbarländern.

Was ist der Grund dahinter? Steht die Antwort vielleicht in einer alten buddhistische Legende?

Während im Mai die Buddhisten aller Welt die Geburt von Buddha Shakyamuni feiern, sind die buddhistischen Vereinigungen Chinas damit beschäftigt, den 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas zu feiern. Die KP Chinas hat ihre Gründung offiziell auf den 1. Juli 1921 in Shanghai datiert, obwohl der erste wichtige Kongress schon früher war.

In einer neuen Verfügung, die Anfang Mai in Kraft getreten ist, verlangt die chinesische Regierung von Geistlichen, ihre „Liebe zur Kommunistischen Partei“ zu bekunden.

Die Buddhistische Vereinigung Chinas reagierte sofort mit einer Kampagne, um ihre Treue zur Partei zu bekunden.

Im Dizang Tempel in Shanghai feierten die buddhistischen Mönche das 100-jährige Bestehen der KP China mit einer Kalligraphie- und Gemäldeausstellung. 

Mönche und Nonnen ließen sich vor Mao´s Statue fotografieren, um ihre Loyalität gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas zu bestätigen.

Ob in der nordchinesischen Provinz Hebei oder in der südchinesischen Provinz Guangguang, überall im ganzen Land sind Nonnen und Mönche angewiesen worden, die neu aktualisierte Version der Parteigeschichte und die neuesten Reden von Partei- und Staatschef Xi Jinping zu studieren

Aus Angst vor Verlust der absoluten Kontrolle verlangt die kommunistische Staatsführung, dass alle Bürger der Partei dicht folgen müssen. Dabei sind Gläubige keine Ausnahme, ganz egal ob sie an Buddha Shakyamuni oder Jesus Christus glauben. 

Wer nach China reist und berühmte Tempel besucht, wird eine äußerst seltsame Szene erleben.  

Wie in diesem Video zu sehen, marschierten die Mönche vom Shaolin-Tempel wie Soldaten in den Hof. Danach wurde eine Fahnenhebezeremonie abgehalten. 

Schon seit letztem Sommer, sind Tempel und Klöster in vielen Provinzen von der Regierung aufgefordert, Fahnenhebezeremonien abzuhalten. Die Mönche und Nonnen sollen damit ihre Loyalität gegenüber dem Land und der Partei kundtun.

Seit der Machteroberung im Jahr 1949 hat die kommunistische Partei Chinas angefangen, Glaubensgemeinschaften in China systematisch zu zerstören. Zuerst wurden Tempel und Klöster abgerissen und Mönche und Nonnen verjagt und verfolgt. 1953 wurde die Buddhistische Vereinigung Chinas gegründet. Sie ist die zentrale Organisation der chinesischen Ordinierten. Von der kommunistischen Staatsführung anerkannt, ist sie einer der fünf sogenannten patriotischen religiösen Verbände in China. Buddhistische Tempel und Klöster in China stehen alle unter der Leitung dieser Vereinigung. Nur die parteitreuen Mönche haben die Chance, Äbte zu werden.

Dass die Gläubigen, die katholische Untergrundkirchen besuchen, die tibetischen Mönche sowie die Praktizierenden der buddhistischen Meditationsbewegung Falun Gong jahrzehntelang in China verfolgt werden, wissen viele Menschen im Westen. 

Dass die sogenannten patriotischen religiösen Verbände in China und die Äbte der dazu gehörenden Tempel und Klöster ganz aktiv die Mithelfer-Rolle in der Umsetzung der Parteipolitik spielen, scheint aber wenigen bekannt zu sein.

An dieser Stelle möchte ich euch eine Videoaufnahme von einer Predigt eines Abtes aus der Provinz Shanxi zeigen. Abt Yinguang fordert darin alle Mönche auf, Mönche des Parteiführers zu sein:

„Solange China stark ist, gibt es Rettung für die Welt, Hoffnung für die buddhistische Lehre. Deshalb sollen sich alle Buddhisten, Anhänger der buddhistischen Lehre eng verbunden um das Zentralkomitee mit dem Vorsitzenden Xi Jinping als Kern scharen. Die Formulierung ist eine Verneigung vor Xi. Wir sollen dazu beitragen, den Traum vom Vorsitzenden Xi zu verwirklichen, China stark zu machen und die Welt anzuführen.“

Wenn Abt Yiguang die Robe nicht anhätte, würde es einem wirklich schwerfallen, ihn von einem Parteikader zu unterscheiden.

Dass es Partei-Komitees in Chinas buddhistischen Tempeln und Klöstern gibt, ist längst kein Geheimnis. Was früher aber in Hinterzimmern propagiert wurde, wird nun auf öffentlichen Veranstaltungen vor großem Publikum erzählt. Das zählt wahrscheinlich auch zu  zeitgemäßen Entwicklungen in China, sodass man weder die Tempel noch die Mönche wieder erkennt. 

Seit Jahren ist die Buddhistische Vereinigung Chinas durch Skandale schwer belastet. 

Der stellvertretende Vorsitzende der Buddhistischen Vereinigung Chinas und Abt des weltberühmten Shaolin-Tempels Shi Yongxin, hat den Spitznamen CEO-Mönch bekommen, weil er den Shaolin-Tempel eher wie ein Entertainment-Unternehmen führt. Shi Yongxin wurde der Korruption beschuldigt. Laut einem Dokument, das von einem ehemaligen Mönch des Shaolin-Tempels veröffentlicht wurde, besitze der Abt eine kleine Flotte schicker Autos, eine halbe Million Dollar und hat einen Teil des Geldes an eine Geliebte geschickt, die in Australien lebt. Die Gier des Abtes nach Frauen, Geld und Ruhm steht in eindeutigem Widerspruch zu den Tugenden der Keuschheit und des strengen Lebens, die er seit langem als eine der wichtigsten Eigenschaften des chinesischen Buddhismus zu verkörpern versucht.

2018 wurde der Vorsitzende der Buddhistischen Vereinigung Chinas, Abt Shi Xuecheng aus Peking beschuldigt, mehrere weibliche Nonnen sexuell belästigt und angegriffen zu haben. In einem 95-seitigen Dokument stand, dass Abt Shi Xuecheng angeblich Nachrichten an mindestens sechs Nonnen geschickt hat. In den Nachrichten soll Shi Xuecheng von den Nonnen totalen Gehorsam verlangt haben – einschließlich sexueller Gefälligkeiten.

Das Dokument enthält Berichte von mehreren mutmaßlichen Opfern, von denen einige sagen, dass sie von ihren Erfahrungen so am Boden zerstört waren, dass sie psychisch instabil oder sogar selbstmordgefährdet wurden.

Shi Xuecheng trat zurück, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. 

Die Opfer nannten ihn „Dämon im Gewand des Buddha“ .

Wie der Herr, so der Knecht. 

Dass die Mönche sich miteinander schlagen, rauchen und trinken und sogar mit Frauen Hand in Hand auf der Straße gehen, ist keine Seltenheit mehr. 

Natürlich sind nicht alle Mönche und Nonnen vom rechten Weg abgekommen. Aber die allgemeine Situation ist erschreckend. Wie ist es aber dazu gekommen?

Eine Erklärung lässt sich vielleicht in einer alten buddhistischen Legende finden.

Dazu erzähle ich euch eine Geschichte über Buddha Shakyamuni. 

Vor 2.500 Jahren kam Buddha Shayamuni in einem kleinen Fürstentum im Norden Indiens auf die Welt. Sein Vater war der Fürst. Man nannte ihn Prinz Siddhartha.

Der kleine Prinz hatte alles, was man für ein glückliches und sorgloses Leben brauchte. Doch eines konnte ihm niemand geben – nämlich die Antwort auf die Frage: Was ist der Sinn des Lebens?

Als er 29 Jahre alt war, hat sich Prinz Siddhartha entschlossen, den Palast zu verlassen.

Um Weisheit zu finden, suchte er mehrere Meister auf, die von sich behaupteten, den richtigen Weg gefunden zu haben. Doch keiner der Meister konnte ihm dazu verhelfen, herauszufinden, warum es kein Leben ohne Leiden gibt und wie sich der Mensch von diesem Leiden befreien kann. 

Fünf qualvolle Jahre vergingen. Prinz Siddhartha setzte sich eines Tages unter einen Bodhibaum und dachte über die vergebliche Suche nach. Er schloss die Augen und meditierte.

Die Götter im Himmel beobachteten ihn und wollten ihm helfen. Doch nun tauchte Mara, der König der Dämonen und der Herrscher über die Finsternis auf

Er befürchtete, dass wenn Prinz Siddhartha zur Erkenntnis gelangen würde, die Menschen die Furcht vor dem Tod verlieren und er seine Macht verlieren würde. So wollte Mara Prinz Siddhartha unbedingt davon abhalten, den Sinn des Lebens zu ergründen. Um ihn bei der Meditation zu stören, schickte Mara seine drei Töchter aus dem Totenreich.

Maras drei hübsche Töchter heißen Leidenschaft, Begierde und Vergnügung. Sie tanzten vor Siddhartha und wollten ihn verführen. Siddhartha machte die Augen auf und sagte zu ihnen: Ihr seht zwar hübsch aus, habt aber kein gutes Herz – so wie eine wunderschöne Vase, die mit Dreck gefüllt ist. Mit übernatürlicher Kraft ließ Siddhartha Maras Töchter erblicken, wie hässlich ihre Körper in Wirklichkeit aussehen – nämlich wie Skelette. 

Der König der Dämonen Mara gab nicht auf. Er entsandte eine finstere Armee hässlicher Dämonen, bewaffnet mit Giftpfeilen. Der Körper von Siddhartha strahlte einen Lichtglanz aus, der ihn beschützte. Die Dämonen kamen gar nicht an ihn heran. In diesem Moment hörte man einen lauten Knall aus dem Himmel. Die Dämonen wurden von den Göttern im Himmel verjagt. Die Nacht war bereits angebrochen.

Am zweiten Morgen öffnete Siddhartha langsam die Augen und lächelte glücklich. Er hatte nun die Erkenntnis gewonnen, wie ein Mensch das Leid überwinden und aus dem unheilvollen Kreislauf der Reinkarnation entfliehen kann. Der Prinz hatte die volle Erleuchtung erlangt und wurde nun Buddha. Das Wort Buddha bedeutet auf Sanskrit „Erleuchteter“. 

49 Jahre lang unterrichtete Buddha Shakyamuni seine Anhänger in seiner Lehre, dem Dharma. Seine Anhängerschaft wurde von Tag zu Tag größer. 

Eines Tags kam der König der Dämonen Mara wieder und sagte zu Buddha Shakyamuni: Du hast schon genug Menschen erlöst. Es ist Zeit, dass du ins Nirwana gehst. 

Buddha Shakyamuni war sich im Klaren, dass es tatsächlich an der Zeit war, die menschliche Welt zu verlassen. 

Mara sagte zu Shakyamuni: „Ich konnte dich nicht besiegen. Nachdem du ins Nirwana gegangen bist, werde ich aber dein Dharma zerstören.“

„Das Dharma ist ein rechter Weg. Keiner kann ihn zerstören.“ antwortete Shakyamuni.

Mara sagte: Ich werde deine Lehre zerstören. Wenn die Zeit kommt, werde ich meine Jünger die Roben von Mönchen tragen lassen und sie in deine buddhistischen Tempel schicken. Ein Buddhist kann es doch nicht ablehnen, wenn jemand in den Tempel kommt und sagt, dass er sich zum Buddhismus bekennen möchte, oder?! Meine Jünger werden in deine Tempel gehen und deine Lehre missinterpretieren, gegen deine Gebote verstoßen, und deine Anhänger vom rechten Weg abbringen.“ 

Buddha Shakyamuni wusste, dass dieser Tag kommen wird. Tränen flossen über seine Wangen.

Mara lachte voller Vergnügen und ging fort.

Nach einer ganzen Weile sagte Buddha Shakyamuni entschieden: Wenn die Endzeit kommt, werde ich veranlassen, dass meine Schüler ihr Gewand ausziehen und die Tempel verlassen. Ich werde dafür sorgen, dass meine Schüler sich auch außerhalb der Tempel kultivieren und die Vollendung erlangen können.

Ein Schüler hat Buddha Shakyamuni mal gefragt, wann die Endzeit beginnen würde. Er sagte, 500 Jahre nach seinem Tod. Inzwischen sind weitere 2000 Jahre vergangen. Wenn wir an die Worte von Buddha Shakyamuni glauben, dann wissen wir, dass wir uns schon am Ende dieser Endzeit befinden.

Wer nach dem Weg der Weisheit sucht, findet ihn wahrscheinlich eher außerhalb der Tempel und Klöster.



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