Ausschnitt aus „Die Alba-Madonna“ um 1510 von Raffael. Öl auf Holz auf Leinwand übertragen. Andrew W. Mellon-Sammlung, National Gallery of Art, Washington.Foto: National Gallery of Art, Washington

Wie Raffael, „Prinz der Malerei“, die Seele der Menschheit einfing

Von 2. Mai 2020 Aktualisiert: 2. Mai 2020 12:03
Roms beispiellose Ausstellung zu Ehren des italienischen Meisters der Hochrenaissance, Raffael, zeigt die zeitlose Schönheit und die Herrlichkeit Gottes.

Schönheit, Güte und Aufrichtigkeit – die Herrlichkeit Gottes und unsere wahre menschliche Natur – finden sich alle in den Kunstwerken von Raffael wieder. Deshalb haben seine Werke auch noch im Jahr 2020, 500 Jahre nach seinem Tod, die Fähigkeit, uns zu inspirieren und Hoffnung zu geben. Gerade deswegen ist Raffaels Kunst in der heutigen Welt, in der alles um uns herum alles andere als gut erscheint, immer wieder wichtig und notwendig.

Insbesondere Raffaels Gemälde und Zeichnungen verbinden uns auf eine Weise mit unseren inneren Welten, die unsere guten Seite zum Vorschein bringt. Seine Kunstwerke geben uns eine Idee, wie unser bestes Selbst sein kann.

„Raffael verbindet uns mit den Engeln unserer besseren Natur“, sagte Matthias Wivel, Kurator für italienische Gemälde und Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert in der Londoner National Gallery of Art, in seinem Vortrag „Raffael: The Renaissance Virtuoso“ aus dem Jahr 2018.

Tatsächlich können Raffaels Kunstwerke dies ermöglichen, weil Raphael die Menschheit mit ihrer Seele einfing – ob in einer einfachen Skizze oder einem fertigen Gemälde. Jeder, der seine Kunstwerke wirklich erlebt, kann nicht anders, als zu einem besseren Menschen werden.

Ehrung von Raffael

Als monumentale Retrospektive zu Raffaels 500. Todestag bietet die Ausstellung „Raphael 1520–1483“ im Quirinalspalast ‘Scuderie del Quirinale’ in Rom eine einmalige Gelegenheit.

Es sind nicht nur 120 Gemälde und Zeichnungen von Raffael ausgestellt, außerdem werden noch weitere 84 Werke wie antike römische Artefakte, Renaissance-Skulpturen, Codices (Manuskriptbände) und mehr präsentiert, um einen allumfassenden Eindruck von Raffael und seinem Schaffen zu vermitteln.

 

Die Ausstellung erforscht Raffaels unvergleichliche Zeichenkunst und Malerei sowie Raffael, den Architekten und Bewahrer der Antike. Aber auch der „Universalkünstler“ wird erkundet, zu dem er von dem Kunsthistoriker Giorgio Vasari aus dem 16. Jahrhundert erklärt wurde.

Eine einzigartige Ausstellung

Die Ausstellung wurde drei Jahre lang vom Quirinalspalast und den Uffizien in Florenz mithilfe einer Reihe von Kunstexperten organisiert. Marzia Faietti und Matteo Lafranconi betreuten „Raffael“ mit Unterstützung von Vincenzo Farinella und Francesco Paolo Di Teodoro.

 

Viele der Ausstellungstücke sind Leihgaben von weltbekannten Institutionen.

Drei von Raffaels Madonnen-Gemälden kehren zum ersten Mal seit ihrem Export nach Übersee oder in europäische Länder nach Italien zurück: „Die Alba Madonna“ aus der National Gallery of Art in Washington, die „Madonna der Rose“ aus dem Prado in Madrid und die „Tempi Madonna“ aus der Alten Pinakothek in München.

Raffaels zwei Porträts von den Päpsten – Julius II. und Leo X. und den zwei Kardinälen Giulio de ‚Medici und Luigi de‘ Rossi – wurden noch nie unter einem Dach vorgestellt.

Der Ruhm kehrt zurück nach Rom

Eines der vielen Ausstellungshighlights ist ein Brief an Papst Leo X., in dem Raffael und sein Freund Baldassare Castiglione die Absicht eines ehrgeizigen Projekts erläutern, an dem Raffael in den wenigen Monaten vor seinem Tod gearbeitet hat: ein archäologisches Projekt zur Wiederherstellung des Ruhms aller Regionen Roms.

 

Kunstwerke von Raffael

Die Ausstellung folgt Raffaels künstlerischem Schaffen in der Zeit von seinem Tod am 6. April 1520 zurück bis zu drei verschiedenen Perioden seines Lebens – von Rom bis Florenz, von Florenz bis Umbrien und bis zu seinen Urbino-Wurzeln.

Die Scuderie-Ausstellung wird mit einer Darstellung von Raffaels Lebensende eröffnet: mit einer Replik seines Grabes im Pantheon in Originalgröße. Sein großes Grab gibt den Besuchern eine Vorstellung von der hohen Wertschätzung, die ihm sowohl im Leben als auch im Tod entgegen gebracht wurde.

Ob er erhabene, anmutige Madonnen oder Päpste in prächtiger zeremonieller Kleidung malt, Raffaels Gemälde scheinen die Zeit, Kultur und Ikonografie zu überschreiten, sodass sich jeder mit der Essenz seiner Gemälde verbinden kann.

Gottes Vertreter auf Erden

Werfen Sie einen kurzen Blick auf Raffaels „Porträt von Julius II.“ Alles an der Oberfläche deutet auf Julius‘ Position als Papst hin. Er sitzt auf einem Thron, gekleidet in päpstlichen roten Samt und weißen Satin oder Seide und seine Hände sind mit Edelsteinen geschmückt. Wir sehen die Symbole seines Papsttums auf dem grünen Hintergrund – die Schlüssel zur Kirche -, doch was aus dem Bild hervorgeht, ist seine Menschlichkeit.

Denn wenn wir genauer hinschauen, sehen wir Julius, den Mann, der tief in Gedanken versunken ist. Es ist fast so, als hätten wir ihn überrascht. Seine Lippen sind konzentriert und er scheint sich auf seinem Sitz zu bewegen, als ob er sich unwohl fühlte.

Seine linke Hand hält den Arm des Stuhls fest, als wollte er sich stabilisieren, und seine rechte Hand hält leicht ein Taschentuch. Raffaels künstlerische Begabung verbindet uns mit dem Mann, der die Römisch-Katholische Kirche leitet. Es ist fast so, als würde Raffael uns daran erinnern, dass Julius Gottes Vertreter hier auf Erden ist und ein Mensch wie wir.

Der Rittertraum

In „Der Rittertraum (Herkules am Scheideweg)“ interpretierte Raffael ein episches Gedicht, das sein Vater für Federico da Montefeltro, den Herzog von Urbino, geschrieben hatte. Raffaels Vater, Giovanni Sanzio, war Schriftsteller und Maler am Hofe von Urbino und hatte das Gedicht nach dem Mythos des Herkules am Scheideweg geschrieben. Sanzios Gedicht ist die einzige Version, in der der Soldat schläft, laut der Website der National Gallery in London.

Auf dem Gemälde schläft ein junger Soldat namens Scipio im Schatten eines Lorbeerbaums, nichtsahnend, was für eine Entscheidung er treffen muss, wenn er aufwacht. Eine Frau steht zu beiden Seiten von ihm: Links ist sie die Tugend und rechts steht sie als Vergnügung.

Raffael malt die Vergnügung mit einer sanften Anziehungskraft; ihr Haar ist locker, sie trägt Pastellfarben und hält ihr Kleid anmutig hoch. Raffael hatte ursprünglich die Vergnügung mit einem tiefer geschnittenen Kleid gezeichnet, entschied sich jedoch für diese Version, die immer noch überzeugend das Laster von Vergnügung vermittelt.

Was die Vergnügung ihm bietet, sind alle Dinge von Leichtigkeit und Schönheit, während die Tugend in ihrer bescheidenen Kleidung Lernen und Tapferkeit anbietet – ein schwierigeres, aber lohnenderes Ergebnis.

Die anmutige Madonna

Schauen Sie sich auch eines von Raffaels anmutigen Madonnen-Gemälden an, für die er berühmt ist. Links im Bild der „Alba-Madonna“ strahlt Johannes, der „der Täufer“ werden wird, die Unschuld der kindlichen Neugierde aus. Johannes schaut erwartungsvoll nach rechts zu dem Jesuskind, welches das Kreuz, das Johannes hält, auch festhält.

Das Jesuskind erscheint weise, weit über sein Alter hinaus, und zeigt eine Distanzierung von der irdischen, sentimentalen Liebe, weil es weiß, dass es für etwas Größeres auf Erden ist. Es setzt versuchsweise einen Fuß auf die Erde, vermutlich um auszudrücken, dass es in der Welt ist, aber nicht von dieser Welt.

Während Johannes ein Fell trägt, um sich zu wärmen, hat und will das Jesuskind nichts von dieser Welt, außer andere zu lehren, Gott zu folgen. Wenn wir uns die klassischen römischen Kostüme wegdenken würden, könnten wir ein Familienporträt einer Mutter und ihrer Schützlinge in einem liebevollen, ausgelassenen Moment in der Natur sehen. Raffael stellt mit dieser Szene für uns alle einen Bezug her.

Es ist eindeutig zu erkennen, dass Raffael in „Die Alba Madonna“ eine religiöse Szene malt, aber was aus vielen seiner Bilder hervorscheint, ist eine harmonische Verbindung zwischen dem Geistigen und dem Irdischen – dem Göttlichen und dem Menschlichen.

Die Harmonie der Kunst

Harmonie in der Kunst entsteht nicht einfach so. Schauen Sie sich einige von Raffaels Zeichnungen an und Sie können sehen, wie er viele seiner Figuren überarbeitet hat. Einige Zeichnungen zeigen, wo er den Winkel eines Kopfes oder eines Armes leicht verschoben hat, sodass jede Figur mit den anderen Elementen des späteren Gemäldes übereinstimmt.

Wenn Sie jedoch eines dieser Elemente wegnehmen, gerät die gesamte Komposition in Zwietracht. Das macht Raffael zu einem beispielhaften Zeichner von Figurengruppen, wie seine außergewöhnliche „Schule von Athen“ im Vatikan zeigt.

Raffael wurde 1483 in Urbino (Italien) geboren und war schon in jungen Jahren in die Kunst vertieft. Als sein Vater das künstlerische Talent seines Sohnes sah, soll er eine Ausbildung für ihn gesucht haben.

Daraufhin besuchte Sanzio die Werkstatt von Andrea del Verrocchio, zu deren Auszubildenden Pietro Perugino und Leonardo da Vinci gehörten. Raffaels Vater wählte Perugino aus, der seinen Sohn unterrichten sollte, auch wenn Raffael die Lehre möglicherweise nicht zu Lebzeiten seines Vaters begonnen hat, da er noch so jung war.

Mit 17 Jahren bereits ein Meister

Obwohl Raffael schon mit 11 Jahren verwaist war, hatte sein Vater ihm bereits die weltmännischen Verhaltensweisen am Hof beigebracht und in die humanistische Philosophie des Hofes eingeführt.

Schon im Jahr 1500 galt Raffael mit nur 17 Jahren bereits als Meister, so dass er kurze Zeit später von Papst Julius II. im Alter von 25 Jahren auf Empfehlung von Donato Bramante, dem Architekten der Peterskirche, nach Rom berufen wurde. Danach übernahm Raffael die Rolle von Bramante.

Raffael schaute zu seinen Zeitgenossen der Hochrenaissance Leonardo da Vinci und Michelangelo auf. Da Vinci war 31 Jahre älter als Raffael und Michelangelo 8 Jahre. Jedoch verfeinerte Raffael später die Techniken seiner älteren Zeitgenossen.

Raffael richtete ebenfalls seinen Blick auf die hohen Ideale der alten römischen Kunstwerke aus der Vergangenheit, wie die Ruhe, Schönheit und Ausgeglichenheit. Dementsprechend schützte er die Kunstwerke eifrig und zog es vor, Teile authentisch zu restaurieren, anstatt sie zu erneuern, wie es einige seiner Zeitgenossen taten.

Die Kraft des Glaubens

Überdies erwähnten seine Zeitgenossen immer wieder Raffaels gute Wesenszüge. Im Gegensatz zu da Vinci und Michelangelo, die eher abgeschiedene Künstler waren, war Raffhael ein gern gesehener Freund des Hofes, wie auch in vielen anderen Gegenden.

Vasari sagte, dass Raffael zuerst an andere gedacht habe. Wenn ein Künstler Hilfe brauchte, legte Raffael seine eigene Arbeit nieder, um ihm zu helfen. Vasari ging so weit zu sagen, dass Raffael die Handwerker in seiner Werkstatt wie seine eigenen Kinder behandelt hätte, und es scheint, als ob diese Warmherzigkeit auf Gegenseitigkeit beruhte. „Es wurde nie gesehen, dass er sein Haus verließ und zum Hofe ging, ohne, dass ihn etwa 50 fähige und ausgezeichnete Maler begleiteten, die ihm eine Ehre erweisen wollten und Gesellschaft leisteten. Kurz gesagt, er lebte nicht wie ein Maler, sondern wie ein Prinz.“

Raphaels Güte, durchdrungen vom Glauben, übertrug sich auf seine Bilder. Seine Kunstwerke sind voller Schönheit, die nicht nur die Augen sehen, sondern auch das Herz fühlen kann. Deshalb sind Raffaels Kunstwerke zeitlos – als wenn er durch seinen Pinsel die Sprache der Seele gezeichnet hat.

Die Ausstellung „Raffael 1520–1483“ läuft bis zum 2. Juni. Um mehr darüber zu erfahren, besuchen Sie ScuderieQuirinale.it

Der Originalartikel erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von sme)
Originalfassung: How Raphael, ‘The Prince of Painting,’ Wholeheartedly Captured Humanity



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