Schlafenszeit zwischen 23 und 24 Uhr laut Studie am gesündesten.
Ist eine perfekte Schlafenszeit der Schlüssel zu einer besseren Gesundheit?Foto: iStock

Nachteulen und Frühaufsteher: Bis zu 25 Prozent schlechtere Herzgesundheit

Von 24. November 2021 Aktualisiert: 24. November 2021 18:01
Wer zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett geht, hat ein geringeres Risiko, an einer Herzerkrankung zu erkranken, als jemand, der früher oder später ins Bett geht. Dies geht aus einer Studie hervor, die kürzlich im „European Heart Journal – Digital Health“ veröffentlicht wurde.

Die perfekte Schlafenszeit könnte der Schlüssel zu einer besseren Gesundheit des Herzens sein, dies geht aus einer aktuellen Studie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) hervor. „Der Körper verfügt über eine 24-stündige innere Uhr, den sogenannten circadianen Rhythmus. Dieser trägt dazu bei, die körperlichen und geistigen Funktionen zu regulieren“, sagte Studienautor Dr. David Plans von der Universität Exeter (Großbritannien) in einer Pressemitteilung.

„Wir können aus unserer Studie leider nicht auf einen kausalen Zusammenhang schließen. Allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine frühere oder spätere Schlafenszeit die Körperuhr eher stört.“ Laut den Autoren wirke sich dies gleichzeitig negativ auf die kardiovaskuläre Gesundheit aus.

Späte Schlafenszeit = erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Während zahlreiche Analysen den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht haben, sei die Beziehung zwischen Schlafzeit und Herzerkrankungen noch nicht ausreichend erforscht. In der aktuellen Studie wurde der Zusammenhang zwischen dem objektiv gemessenen Schlafbeginn in einer großen Stichprobe von Erwachsenen untersucht.

Die Studie umfasste 88.026 Personen aus der britischen „Biobank“, deren Daten zwischen 2006 und 2010 erhoben wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 61 Jahren – mit einer Altersspanne von 43 bis 79 Jahren. Insgesamt beteiligten sich 58 Prozent Frauen und 42 Prozent Männer an der Studie. Die Daten zum Einschlafen und Aufwachen wurden über sieben Tage hinweg mit einem am Handgelenk getragenen Beschleunigungsmesser erfasst.

Parallel dazu füllten die Teilnehmer demografische, lebensstilbezogene, gesundheitliche und körperliche Fragebögen aus. Anschließend untersuchten Ärzte die Studienteilnehmer auf kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche, ischämische Herzkrankheit oder Schlaganfall.

Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 5,7 Jahren entwickelten 3.172 Teilnehmer (3,6 Prozent) eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Inzidenz war am höchsten bei denjenigen, die um Mitternacht oder später einschliefen.

Nachteulen und Frühaufsteher gleichermaßen gefährdet

In ihren Ergebnissen berücksichtigten die Forscher um Dr. Plans neben Alter, Geschlecht und Schlafdauer weitere Faktoren. Besonderes Augenmerk lag dabei auf Schlafunregelmäßigkeiten, definiert als unterschiedliche Zeiten des Einschlafens und Aufwachens, aber auch dem selbst angegebenen Chronotyp. Letzteres beinhaltet, ob sich die Probanden eher als Frühaufsteher oder Nachteule einschätzten. Außerdem flossen Raucherstatus, Body-Mass-Index, Diabetes, Blutdruck, Cholesterinspiegel und sozioökonomischer Status in die Betrachtung ein.

Die Untersuchungen ergaben, dass das Einschlafen zwischen 22:00 Uhr und 22:59 Uhr mit dem geringsten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden war. Wobei es vermutlich aber nicht auf die Minute ankommt. Wer nach elf, aber vor Mitternacht einschlief, habe laut den Ergebnissen ein um zwölf Prozent erhöhtes Risiko. Später oder aber früher einschlafen, erhöhe das Risiko noch stärker: Für Frühaufsteher, die vor 22 Uhr einschlafen, um 24 Prozent, für Nachteulen, die nach Mitternacht ins Bett gehen, um 25 Prozent.

Eine weitere Analyse nach Geschlecht ergab, dass dieser Unterschied bei Frauen stärker ausgeprägt war. Bei den Männern fiel dagegen nur der Einschlafzeitpunkt vor 22:00 Uhr signifikant negativ ins Auge.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass die optimale Einschlafzeit zu einem bestimmten Zeitpunkt im 24-Stunden-Zyklus des Körpers liegt. Abweichungen davon könnten der Gesundheit schaden. Am risikoreichsten war vor allem die Zeit nach Mitternacht. Dies könnte möglicherweise daran liegen, dass man das Morgenlicht verschläft, welches die Körperuhr zurücksetzt“, so Dr. Plans.

Gründe für stärkere Auffälligkeit bei Frauen bislang unklar

Die Gründe für die Unterschiede der Geschlechter sind bislang ebenfalls unklar. „Es könnte sein, dass es an der Art und Weise liegt, wie das Hormonsystem auf eine Störung der inneren Uhr reagiert. Alternativ könnte aber auch das höhere Alter der Studienteilnehmer ein Störfaktor sein, da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen nach der Menopause ansteigt“, erklärte Dr. Plans. Um dies besser beurteilen zu können, müssten weitere ausführliche Schlafstudien, unter anderem auch mit jüngeren Teilnehmern, folgen.

„Die Ergebnisse zeigen zwar keine Kausalität, aber die Schlafdauer erwies sich als potenzielle Gefahr, unabhängig von anderen Risikofaktoren und Schlafmerkmalen. Wenn unsere Ergebnisse in anderen Studien bestätigt werden, könnten die Schlafenszeit und damit eine grundlegende Schlafhygiene ein kostengünstiges Ziel sein, um das Risiko von Herzerkrankungen zu senken“, erklärte Dr. Plans abschließend.

Die Studie erschien am 9. November 2021 in der Fachzeitschrift „European Heart Journal – Digital Health“ mit dem Titel „Accelerometer-derived sleep onset timing and cardiovascular disease incidence: a UK Biobank cohort study“.



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