Syriens Frauen stehen ohne Männer da – Sie appellieren: „Schickt sie nach Hause“

Von 27. Dezember 2018 Aktualisiert: 28. Dezember 2018 16:29
Ein Reporter des schwedischen Rundfunksenders SVT hat Damaskus besucht. Syrische Frauen erklärten ihm, infolge der massenhaften Flucht nach Europa stünden zu wenig Männer zum Wiederaufbau zur Verfügung – und zur Familiengründung.

Bereits als Deutschland und weitere Staaten der Europäischen Union auf Initiative der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2015 die Grenzen öffneten, um Asylsuchenden vor allem aus Kriegsgebieten wie Syrien oder dem Irak Aufnahme zu gewähren, bemerkten Beobachter, dass der Männeranteil unter den Geflüchteten überdurchschnittlich hoch sei.

Dies deckte sich nicht mit der Begründung der Maßnahme vonseiten der deutschen Regierung und von Medien, man stehe in der Pflicht, vom Krieg bedrohten Frauen und Kindern zu helfen. Die im Spätsommer des Jahres 2015 um die Welt gegangenen Bilder des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi am Strand von Griechenland hatten die Bereitschaft in Europa, die Grenzen zu öffnen, deutlich erhöht.

Weit überwiegend trafen in weiterer Folge jedoch vor allem männliche Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 30 Jahren in der EU ein. Befürworter der Migrationspolitik der Bundeskanzlerin entgegneten dem Hinweis darauf vielfach mit der Darstellung, dass vor allem junge, gesunde Männer zuerst den beschwerlichen und gefährlichen Weg in die Zielländer antreten würden – und der Prognose, dass sich dieses Missverhältnis im Wege des Familiennachzugs mit der Zeit weitgehend wieder ausgleichen werde.

Belastbare Zahlen, die eine solche Entwicklung erkennen ließen, sind bis dato nicht bekannt. Demgegenüber klagten jüngst Frauen in Syrien selbst in Damaskus über das Fehlen von Männern beim Wiederaufbau.

„Lösung wäre, sie rauszuschmeißen“

Johan-Mathias Sommarström ist für den staatlichen schwedischen Rundfunk SVT in Syriens Hauptstadt Damaskus gereist und hat mit Studenten an der dortigen Universität gesprochen. Seiner Einschätzung nach seien diese zu etwa 70 Prozent weiblich gewesen. Ein ähnliches Bild habe sich auch auf den Straßen und in den Cafés gezeigt.

Die jungen Frauen äußerten Unverständnis dafür, dass in der jetzigen Phase einer weitgehenden Befriedung des Landes nach sieben Jahren des Bürgerkriegs nicht mehr Männer vorhanden wären, die sich in den Wiederaufbau einbringen könnten.

„Die Lösung wäre, sie [aus Europa] rauszuschmeißen und nach Syrien zurückzuführen, wo sie damit beginnen können, das Land wiederaufzubauen“, zitiert SVT eine Studentin namens Lina.

Auch ihre eigene Regierung wäre in der Pflicht, meinten andere Frauen. Das Assad-Regime solle eine Amnestie für jene Männer beschließen, die sich durch ihre Flucht dem Militärdienst entzogen hätten. Bereits mehrfach hatte die Führung in Damaskus erklärt, das Land sei bereit, Flüchtlinge zurückzunehmen.

Im Westen reagierte man auf diese Aussagen mit Argwohn. Vielfach hieß es, Personen, die im Verdacht stünden, Gegner von Assad zu sein, müssten im Fall ihrer Rückkehr mit Verfolgung oder Racheakten rechnen. Es ist jedoch ungewiss, über wie viele der meist jungen Geflüchteten überhaupt politikbezogene oder geheimdienstliche Aufzeichnungen existieren, die eine Einordnung erlauben würden – und wie viele davon die Kriegsjahre überstanden haben.

Der Krieg als Emanzipationstreiber

Einige Frauen in Syrien, wo ein im innerarabischen Vergleich verhältnismäßig hohes Maß an Gleichberechtigung herrscht, sehen in der Entwicklung der letzten Jahre auch Chancen. Wären es vor Ausbruch des Krieges lediglich vier Prozent alle Haushalte gewesen, in denen Frauen die ökonomische Führung innegehabt hätten, wäre dieser Anteil nun auf über 22 Prozent angestiegen, zitiert SVT die Ergebnisse einer Umfrage des Tahrir-Instituts für Nahostpolitik.

Ähnlich wie während der Weltkriege in Europa würde das Fehlen von Männern die verstärkte Berufstätigkeit von Frauen zur Folge haben – auch in Bereichen, die ihnen zuvor verschlossen blieben.

„Zuvor war es nicht akzeptiert, dass Frauen in bestimmten Bereichen arbeiten“, erklärte Studentin Safaa dem SVT. „Aber jetzt ist die Gesellschaft dazu gezwungen, dies zu akzeptieren, und ich denke, das ist gut. Künftig wird man mehr Frauen sehen, die Autos reparieren, weil Frauen traditionelle Männerberufe ausüben müssen, um ihre Familie zu ernähren.“

Allerdings wird es auch schwieriger, eine solche zu gründen – denn als Folge des Krieges und der Flucht gäbe es auch weniger Männer, die dafür zur Verfügung stünden.

Türkei: 300 000 Syrer kehren in Heimat zurück

Ein Anfang könnte allerdings gemacht sein: Wie die englischsprachige Ausgabe der „Hürriyet“ berichtet, sind in der Vorwoche etwa 300 000 syrische Flüchtlinge, die zuvor in der Türkei untergebracht waren, in ihre Heimat zurückgekehrt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump begrüßt, die noch im Land verbliebenen 2000 US-amerikanischen Soldaten aus dem Osten Syriens zurückzuziehen – und Trump zugesichert, die Bekämpfung allfälliger noch vorhandener IS-Terrornester zu übernehmen.

Einer der Nebeneffekte der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 war die kürzliche Annahme des umstrittenen UN-Migrationspaktes. Etwa zwei Dutzend Länder, darunter die USA, hatten diesem die Unterstützung verweigert.

Donald Trump sieht in der Stärkung und Stabilisierung der Herkunftsländer von Flüchtlingen eine Lösung, die der Migration vorzuziehen sei. Im September erklärte er vor der UN-Generalversammlung:

„Am Ende wird die einzige langfristige Lösung zur Migrationskrise darin bestehen, Menschen zu helfen, eine hoffnungsvollere Zukunft in ihren Heimatländern aufzubauen und deren Länder wieder groß zu machen.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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