Frauen gehen über ein Feld, auf dem Flaggen und Solarlichter jetzt den Ort markieren, an dem am 26. Juni 2021 menschliche Überreste in nicht gekennzeichneten Gräbern auf dem Gelände der ehemaligen Marieval Indian Residential School auf Cowesss First Nation, Saskatchewan, entdeckt wurden.Foto: GEOFF ROBINS / AFP über Getty Images

182 weitere Gräber an Internat für Kinder kanadischer Ureinwohner gefunden

Epoch Times1. Juli 2021

In Kanada sind auf dem Gelände eines ehemaligen Internats für Kinder von Ureinwohnern weitere 182 anonyme Gräber gefunden worden. Experten stießen bei Suchaktionen an der Saint Eugene’s Mission School im westkanadischen Crankbrook vermutlich auf die sterblichen Überreste von Schülern des Internats, wie die dortige indigene Gemeinschaft am Mittwoch mitteilte.

Die Wut über die Entdeckungen ist groß, erneut gingen in Kanada zwei katholische Kirchen in Flammen auf.

Bodenradargeräte zur Suche eingesetzt

Bei der Suche an der Saint Eugene’s Mission School in der Provinz British Columbia setzten die Experten unter anderem Bodenradargeräte ein, wie die Lower-Kootenay-Gemeinschaft mitteilte. Sie geht davon aus, dass es sich bei den toten Kindern, von denen viele in nur einen Meter tiefen Gräben verscharrt wurden, um Schüler des Internats im Alter von sieben bis 15 Jahren handelte.

Die katholische Kirche hatte das Internat im Auftrag der Regierung von 1912 bis Anfang der 70er Jahre betrieben.

Zuvor hatten bereits zwei ähnliche Funde das Land erschüttert. Auf dem Gelände eines früheren katholischen Internats nahe der Kleinstadt Kamploops in British Columbia waren Ende Mai 215 Kinderleichen gefunden worden. Daraufhin wurden in ganz Kanada mit Unterstützung der Behörden Ausgrabungen in der Umgebung ehemaliger Schulen für Kinder von Ureinwohnern vorgenommen.

Bei einem anderen katholischen Internat in Marieval in der Provinz Saskachewan stießen die Experten dann auf weitere 751 anonyme Gräber.

150.000 Kinder von Ureinwohnern in Heimen zwangseingewiesen

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht.

Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3.200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 90er Jahren.

Viele indigene Gemeinschaften machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, heute für soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Selbstmordraten unter den Indigenen verantwortlich.

„Kultureller Genozid“

Ottawa entschuldigte sich im Jahr 2008 offiziell bei den Überlebenden der Internate. Sie seien Opfer eines „kulturellen Genozids“, stellte eine Untersuchungskommission im Jahr 2015 fest.

Dennoch war den zahlreichen Berichten über Missbrauch und hohe Todesraten in den sogenannten Residential Schools nie ernsthaft nachgegangen worden. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau forderte in der vergangenen Woche, das Land müsse „Lehren aus der Vergangenheit ziehen“, deutete aber auch an, die Schuld liege Größtenteils bei der katholischen Kirche.

Acht Kirchen brannten seit den ersten Funden

Seit den ersten Leichenfunden gingen in Kanada bereits acht Kirchen in Flammen auf. Am Mittwochmorgen brannten eine Kirche in Morinville nördlich von Edmonton in der Provinz Alberta und eine Kirche im Indigenen-Gebiet Sipekne’katik bei Halifax in der Provinz Nova Scotia ab, wie die kanadische Polizei mitteilte. Sie stuft beide Brände als „verdächtig“ ein und ermittelt wegen möglicher Brandstiftung.

Mehrere andere Kirchen in Kanada wurden beschädigt, unter anderem mit roter Farbe. Offiziell wird noch geprüft, ob es eine Verbindung zwischen den Anschlägen und den Funden der Kinderleichen gibt. (afp)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion