Das Europäische Parlament sei stets bestrebt, seine Stimme für die Rechte und die Würde des Menschen zu erheben, so EP-Präsident Hans-Gert Pöttering bei seinen Begrüßungsworten für den Dalai Lama. (Eric Vidal/AFP/Getty Images)

EU Plenarsitzung in Brüssel mit dem Dalai Lama

Epoch Times7. Dezember 2008 Aktualisiert: 7. Dezember 2008 10:08
Die Rede des Dalai Lama fand im Rahmen des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs statt

Im Rahmen einer feierlichen Plenarsitzung hat am Donnerstag der Dalai Lama zu den Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Brüssel gesprochen.

Der Dalai Lama sagte, er sei ein einfacher Mensch, der glücklich und gut leben wolle. Tibet strebe nicht danach, sich von China abzuspalten: „Wir wollen keinen Separatismus, nur bestimmte Rechte“. Die Rede des Dalai Lama fand im Rahmen des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs statt.

Pöttering: „Religionsausübung untrennbarer Bestandteil der Menschenwürde“

Das Europäische Parlament sei stets bestrebt, seine Stimme für die Rechte und die Würde des Menschen zu erheben, so EP-Präsident Hans-Gert Pöttering in seinen Begrüßungsworten. Die Freiheit der Religionsausübung berühre unmittelbar die Identität des Menschen und sei deshalb untrennbarer Bestandteil der menschlichen Würde. Schon in diesem Zusammenhang habe sich das Parlament immer wieder bemüht, auf die Menschenrechte für das tibetische Volk aufmerksam zu machen.

„Unmittelbaren und gehaltvollen Dialog“ einleiten

Das Europäische Parlament habe mehrere Entschließungen angenommen, in denen es die Regierung Chinas auffordert, einen „unmittelbaren und gehaltvollen Dialog“ einzuleiten und die kulturelle und religiöse Identität sowie die Menschenrechte des tibetischen Volkes zu achten.

Was sich seit dem 10. März in Lhasa und anderen Städten ereignet habe, sei Beweis dafür , wie „dringend ein aufrichtiger Dialog geboten ist, mit dem auf eine für alle Seiten hinnehmbare, tragfähige Lösung unter uneingeschränkter Achtung der Kultur, der Religion und der Identität Tibets hingearbeitet wird“.

China sei eine „große Nation“ und ein wichtiger Partner der EU. In ihrem Umgang mit China hätte die EU die Pflicht, „offen und ehrlich“ ihr Eintreten für ihre gemeinsamen Werte der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit zum Ausdruck zu bringen, die allesamt auf dem grundlegenden Prinzip der Würde des Menschen aufbauten.

Wie der Dalai Lama selbst vor einigen Jahren gesagt habe, so Pöttering, müsse „jeder von uns lernen, nicht nur für sich selbst, die eigene Familie oder die eigene Nation zu arbeiten, sondern zum Nutzen der ganzen Menschheit“.

Rede des Dalai Lama

Er sei ein einfacher Mensch, sagte der Dalai Lama. „Ich bin einer unter sechs Milliarden Menschen“. Jedes menschliche Wesen, egal welcher Herkunft oder Hautfarbe, welcher Religion und welchen sozialen Status, wolle vor allem glücklich und gut leben; jeder Mensch wolle den Anspruch auf ein glückliches Leben ausüben können.

Als Mensch sei er der Überzeugung, dass die Bedeutung zu sehr auf optischen, materiellen Dinge liege. „Sicher“, sagte er, „wir sind materiell gesehen enorm entwickelt, aber es gibt viele sehr reiche Menschen, die trotzdem unglücklich sind.“

Es gehe ihm um die Förderung der Harmonie der Religionen, denn jede Religion habe eine ähnliche Botschaft, wie man einen friedlichen Geisteszustand erreichen könne. Und vor allem in schwierigen Situationen könne der Glaube innere Stärke geben.

Keine Abspaltung, sondern echte Autonomie

Zur Lage der Tibeter sagte er, die chinesische Regierung würde behaupten, das tibetische Volk wolle sich abspalten, doch das sei nicht wahr. „Wir wollen weiter bei China bleiben, aber gleichzeitig unsere eigenen Interessen vertreten. Wir wollen eine echte Autonomie. Wir wollen keinen Separatismus, nur bestimmte Rechte.“

Wer Tibet unterstützt, so der Dalai Lama, sei nicht gegen China; man versuche lediglich, eine harmonische, stabile und einheitliche Gesellschaft zu fördern, „und wie soll man eine Einheit ohne Harmonie finden? Frieden kann nur aus Vertrauen und Gegenseitigkeit entstehen“. Die EU solle auch weiterhin ihre Beziehungen zu China pflegen, sie solle jedoch auch auf die Nebeneffekte hinweisen.

Europäisches Jahr des interkulturellen Dialogs

Die Rede des Dalai Lama fand im Rahmen des Europäischen Jahres des interkulturellen Dialogs statt. Anlässlich des Jahres haben bereits der Großmufti von Syrien, Ahmad Bader Hassoun, die UN-Sonderberichterstatterin Asma Jahangir, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I, Jorge Sampaio, der Hohe Vertreter der Vereinten Nationen für die Allianz der Zivilisationen, sowie Sir Jonathan Sacks, der Oberrabbiner der „United Hebrew Congregations of the Commonwealth“, vor dem Plenum gesprochen.

Das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs soll Menschen in Europa dazu ermutigen, sich aktiv auf andere Kulturen und Lebensentwürfe einzulassen, sowohl innerhalb ihres persönlichen Lebensumfelds als auch im Austausch mit anderen Ländern. (rls)



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