Kinder aus Vergewaltigung durch IS-Kämpfer können nicht Teil der Jesidengemeinde werden

Epoch Times28. April 2019 Aktualisiert: 28. April 2019 21:02
Die Gemeinschaft der Jesiden wurde durch den IS zwar erheblich dezimiert, doch Kinder die durch Vergewaltigung jesidischer Frauen durch IS-Kämpfer entstanden wollen sie nicht in ihren Reihen haben.

Kinder von jesidischen Frauen, die von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vergewaltigt wurden, können nicht Teil der Religionsgemeinschaft werden. Das stellte der Oberste Geistliche Rat der Jesiden am Samstag klar. Demnach gelte eine vergangene Woche veröffentlichte Anweisung des weltlichen Oberhaupts Hasem Tahsin Said über die Akzeptanz von Opfern des IS nur für Kinder zweier jesidischer Eltern.

Die Glaubensgemeinschaft der Jesiden wurde von der Dschihadistenmiliz IS im Irak und Syrien jahrelang wegen ihrer Religion verfolgt. Hunderttausende Jesiden sind seit 2014 geflüchtet, viele davon nach Deutschland, wo es inzwischen die größte Exil-Gemeinschaft der Jesiden gibt.

In der Sindschar-Region im Nordwesten des Iraks lebten einst 500.000 Jesiden. Die Dschihadisten töteten die Männer, rekrutierte die Jungen als Kindersoldaten, vergewaltigte Frauen und Mädchen und missbrauchte sie als Sexsklavinnen. Die Kinder aus diesen Vergewaltigungen sind seitdem ein hitzig debattiertes Thema in der religiösen Minderheit, die nur Menschen mit zwei jesidischen Eltern als Teil ihrer Gemeinschaft akzeptiert.

Lange Zeit galten auch Frauen, die vom IS zwangsverheiratet wurden, nicht mehr als Jesidinnen. 2015 entschied der geistliche Führer der Jesiden im Irak, Baba Scheich, diese Frauen wieder aufzunehmen, ohne das Schicksal ihrer Kinder zu klären. Die Frauen mussten sich entscheiden: Von ihren jesidischen Verwandten getrennt leben, oder ihre Kinder zurücklassen – dutzende entschieden sich in den vergangenen Monaten für letzteres.

Im Irak erben Kinder die religiöse Zugehörigkeit ihres Vaters. Kinder sunnitischer Muslime wären als ebenfalls sunnitische Muslime. Kinder vermisster oder toter IS-Kämpfer laufen Gefahr, staatenlos zu bleiben, weil die Identität ihrer Väter nicht nachgewiesen werden kann.

In Berlin haben Angehörige von IS-Kämpfern für Montag eine Demonstration vor dem Auswärtigen Amt angekündigt. Nach Informationen des „Tagesspiegel“ soll die Bundesregierung aufgefordert werden, sich für die Rückkehr der Kinder von IS-Gefangenen aus Syrien einzusetzen.

Über die Rückkehr von früheren Kämpfern der Dschihadistenmiliz IS und deren Familienangehörigen aus Syrien und Irak wird seit geraumer Zeit diskutiert. Anfang April waren erstmals minderjährige Kinder einer IS-Rückkehrerin nach Deutschland zurückgeholt worden.(afp)

 

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