Der tschechische Innenminister Jan Hamacek (im Vordergrund) und der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis (R).Foto: RADEK MICA / AFP über Getty Images

Tschechien weist 18 russische Diplomaten nach Munitionslager-Explosion aus

Epoch Times18. April 2021 Aktualisiert: 18. April 2021 10:08

Tschechien weist wegen der mutmaßlichen Verwicklung Moskaus in die Explosion eines Munitionslagers 18 russische Diplomaten aus.

Die Mitarbeiter der Prager Botschaft seien vom tschechischen Geheimdienst als Agenten der russischen Dienste SWR und GRU enttarnt worden, sagte Interims-Außenminister Jan Hamacek am Samstag.

Im Zusammenhang mit der Explosion 2014 fahndet die Polizei auch nach zwei Russen, die für den Anschlag auf Sergej Skripal in Großbritannien verantwortlich sein sollen.

Laut Hamacek müssen die 18 Russen Tschechien binnen 48 Stunden verlassen. Darüber habe er den russischen Botschafter informiert, den er am Abend einbestellt habe.

Babis: „Klare Beweise“ für Verwicklung in Munitionslager-Explosion

Ministerpräsident Andrej Babis sagte, es gebe „klare Beweise“ dafür, dass Angehörige der Einheit 29155 des russischen Militärgeheimdienstes GRU in die Explosion in einem Munitionslager nahe dem Dorf Vrbetice 2014 verwickelt waren, bei der zwei Menschen getötet worden waren. Darüber sei er am Freitag informiert worden.

„Die Explosion hat großen materiellen Schaden verursacht und eine ernsthafte Bedrohung für viele Anwohner dargestellt, aber vor allem hat sie zwei Staatsbürger getötet“, sagte Babis. Die Explosion hatte sich am 16. Oktober 2014 in einem Lager mit 58 Tonnen Munition ereignet. Mehrere Monate später gab es eine andere große Explosion in einem nahegelegenen Lagergebäude mit 98 Tonnen Munition.

Die tschechische Polizeieinheit gegen organisiertes Verbrechen (NCOZ) teilte am Abend mit, im Zusammenhang mit der Explosion werde nach zwei Verdächtigen gefahndet. Ihre Pässe seien auf die Namen Alexander Petrow, geboren 1979, und Ruslan Boschirow, geboren 1978, ausgestellt. Nach ihnen wird auch wegen des Giftanschlags auf den ehemaligen Doppelagenten Skripal 2018 in Großbritannien gesucht. Auch bei ihnen handelt es sich mutmaßlich um GRU-Agenten.

300 russische Diplomaten nach Skripal-Attentat ausgewiesen

Skripal und seine Tochter Julia, die ebenfalls dem Nervengift Nowitschok ausgesetzt wurde, überlebten den Anschlag, für den London Moskau verantwortlich macht. Russland hatte eine Verwicklung in den Giftanschlag zurückgewiesen, in dessen Folge insgesamt mehr als 300 russische Diplomaten ausgewiesen wurden.

„Die beiden Männer befanden sich im Oktober 2014 auf tschechischem Staatsgebiet“, erklärte die Polizeieinheit NCOZ mit Verweis auf den Zeitpunkt der Explosion. Sie hätten außerdem tadschikische und moldawische Identitäten verwendet.

Babis sagte, die Ausweisung der 18 Diplomaten habe die volle Unterstützung von Präsident Milos Zeman. Der linksgerichtete Staatschef pflegt enge Verbindungen mit Moskau und Peking.

Zeman hatte wiederholt den tschechischen Geheimdienst BIS kritisiert, der russische Geheimdienste für Cyberangriffe auf das tschechische Außenministerium und andere Ziele verantwortlich gemacht hatte.

Polen wies drei russische Diplomaten aus

Am Donnerstag hatte Tschechiens Nachbarland Polen drei russische Diplomaten „wegen Aktivitäten zum Schaden“ Polens ausgewiesen. Warschau erklärte sich zudem solidarisch mit den USA, die am Vortag wegen mutmaßlicher russischer Einmischungen in die US-Präsidentschaftswahl im November und eines Cyberangriffs zahlreiche Sanktionen gegen Russland verhängt und die Ausweisung von zehn russischen Diplomaten aus den USA verkündet hatten.

Italien wies Ende März zwei russische Regierungsvertreter wegen Spionagevorwürfen aus. Sie sollen von einem italienischen Marineoffizier vertrauliche Dokumente entgegengenommen haben.

Russland weist die Spionagevorwürfe regelmäßig als Teil einer von den USA oder Großbritannien gesteuerten „russlandfeindlichen Kampagne“ zurück, während Experten sagen, dass die verdeckten russischen Spionageaktivitäten in Europa einen neuen Höhepunkt seit dem Kalten Krieg erreicht haben. (afp)



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