Armutsrisiko in Deutschland höher als in Ungarn, Tschechien, Slowakei und Slowenien

Epoch Times16. August 2021 Aktualisiert: 17. August 2021 7:48

Einer aktuellen Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge lag das Armutsrisiko in Deutschland 2019, also im Jahr vor der Pandemie, trotz insgesamt guter Lage am Arbeitsmarkt hoch wie nie. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass andere politische Leitplanken gebraucht werden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Mit einer Besserung der Situation rechnet sie auch für das vergangene Jahr nicht.

„Mit Corona hat sich die Situation vielfach weiter zugespitzt, denn insbesondere Geringverdiener wurden und werden weiterhin durch die wirtschaftlichen Einschränkungen belastet. Ihre Einkommen sind durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit deutlich geschrumpft“, sagte sie.

Laut Piel liegt eine der wichtigsten Ursachen für das Armutsrisiko vieler Menschen in einem zu geringen Niveau der unteren Einkommen. „Jeder vierte bis fünfte Beschäftigte arbeitet für einen Niedriglohn. Dies hatte und hat zur Folge, dass im normalen Alltag und besonders in schwierigen Zeiten immer mehr Personengruppen von Armut bedroht sind“, warnt sie.

Arbeitslosigkeit, eine längere Krankheit, Erwerbsminderung oder die Tatsache, dass eine Familie viele Kinder habe, könne dann sehr schnell zu schlimmer Not führen, so Piel weiter. Für das DGB-Vorstandsmitglied steht fest: „Armut muss wirksamer bekämpft werden.“

Laut Piel muss der Gesetzgeber deutlich mehr tun, um Tarifbindung zu stärken, um den gesetzlichen Mindestlohn einmalig im Niveau auf mindestens 12 Euro anzuheben sowie um eine Kindergrundsicherung für einkommensarme Familien einzuführen, fordert sie. Nach einer einmaligen Erhöhung des Mindestlohnes sollten weitere Erhöhungsschritte weiterhin in der Mindestlohnkommission behandelt werden, so Piel.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Armutsrisikoquote laut DGB-Analyse zwar unter dem Durchschnitt, allerdings ist das Armutsrisiko deutlich höher als in Ländern wie Ungarn, Tschechien, Slowakei und Slowenien. (dts)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion